»Bloody Sunday« 1972 Nordirlands Wunde, die nie verheilte

In Derry feuerten britische Soldaten vor 50 Jahren auf unbewaffnete Demonstranten. 13 Menschen starben beim »Blutsonntag« – ein Trauma, das im Nordirlandkonflikt bis heute nachwirkt. Fotos von damals und heute.
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Gedenkstätte des »Bloody Sunday«: Am 30. Januar 1972 wurden im nordirischen Derry 13 Menschen bei einem Protestmarsch erschossen, als britische Soldaten das Feuer auf unbewaffnete Demonstranten eröffneten. Sechs der Todesopfer waren erst 17 Jahre alt, einer von ihnen war Damian Donaghy. Mary O'Neill half damals, seine Leiche vom Tatort wegzutragen. Inzwischen ist sie 81 Jahre alt, das Foto zeigt O'Neill 2022 am Gedenkstein in Derry.

Foto: Charles McQuillan / Getty Images
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Schüsse auf Schutzlose: Ohne Warnung schossen britische Soldaten vor 50 Jahren in die Menge. Der Tag ging als »Bloody Sunday« in die Geschichte ein, der bei Weitem schlimmste Tag der Gewalt in dieser überwiegend römisch-katholischen Stadt. Auf dem Foto stehen sich britische Truppen und katholische Demonstranten gegenüber. Großbritanniens Regierung hatte massiv Militär in die Provinz Nordirland entsandt, darunter Fallschirmjäger. Damit reagierte sie auf Terroranschläge auf britische Soldaten und die irische Polizei sowie Bombenanschläge in protestantischen Dörfer und in Belfast.

Foto: ZUMA / Keystone / IMAGO
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Kollektives Trauma: In Nordirland hat niemand den »Blutsonntag« vergessen. Das Foto vom 28. Januar 2022 zeigt den pensionierten Beamten Pol O'Duibhir in der Nähe seines Hauses in Dublin. In der irischen Hauptstadt wurde die britische Botschaft niedergebrannt, als das Land vor Wut über das Massaker kochte; O'Duibhir war damals Teil der Menge.

Foto: Brian Lawless / empics / picture alliance
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Britische Soldaten hinter gepanzerten Wasserwerfern und Fahrzeugen: Beim Bürgerrechtsmarsch in Derry nahmen die Spannungen am 30. Januar 1972 zu. Die Demonstranten protestierten vor allem gegen die Inhaftierung vermeintlich IRA-naher Personen durch die britische Armee ohne Gerichtsverfahren. Ab 1971 waren Hunderte nordirische Republikaner und Katholiken interniert worden.

Foto: William L. Rukeyser / Getty Images
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Bei der Straßenschlacht in Derry attackierten britische Soldaten Demonstranten mit CS-Gas. Es spielten sich regelrechte Jagdszenen ab. Demonstranten flohen in Panik, denn damals konnte man sechs Monate ins Gefängnis gesteckt werden, wenn man am Rand eines Tumultes aufgegriffen wurde.

Foto: Images Press / Getty Images
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Die Stadt Derry war schon seit Langem ein Brennpunkt der Konflikte zwischen Protestanten und Katholiken. Mit Barrikaden hatten Katholiken einen Bezirk versperrt, in den selbst die Armee nicht eindringen konnte.

Foto: ZUMA Wire / IMAGO
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Hinterhöfe in Bogside: In diesem Stadtteil von Derry eskalierte die Gewalt. Der Demonstrationszug begann im Südwesten des Stadtzentrums. Die meisten Schüsse fielen am Nachmittag in der Rossville Street.

Foto: Olivier Donnars / Le Pictorium / IMAGO
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Katholisches Viertel Bogside: Nach dem Massaker erklärte die britische Armee, ihre Soldaten hätten sich lediglich gegen die Angriffe bewaffneter Aufständischer gewehrt. Diese Behauptung sollte erst Jahrzehnte später offiziell als Lüge entlarvt werden. Tatsächlich hatte keiner der 13 Getöteten eine Gefahr für die Soldaten dargestellt.

Foto: Olivier Donnars / Le Pictorium / IMAGO
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Diese Demonstranten forderten 1998 eine Entschuldigung von der britischen Regierung, als der damalige britische Premierminister Tony Blair eine Untersuchung zum »Bloody Sunday« in Auftrag gab. Das Ergebnis war der »Saville-Report« gut zwölf Jahre später: Demnach eröffnete am 30. Januar 1972 um 16.07 Uhr ein britischer Soldat das Feuer und schoss zunächst in die Luft, bevor die tödlichen Schüsse fielen. Laut Report waren die 13 Menschen, die an diesem Tag starben, nicht bewaffnet; der 59-jährige John Johnston wurde angeschossen und starb vier Monate später.

Foto: 003 / Belga / IMAGO
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Kinder in Bogside: In Derry ist die Arbeitslosenquote doppelt so hoch wie im nordirischen Durchschnitt. In den Arbeitervierteln sind Bildungsmangel, Arbeitslosigkeit, Alkohol- und Drogenkonsum bei jungen Menschen verbreitet.

Foto: Olivier Donnars / Le Pictorium / IMAGO
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John Kelly hat ein Museum zum Gedenken an die Ereignisse vor 50 Jahren gegründet. Sein 17-jähriger Bruder Michael wurde getötet, als er sich hinter einer Barrikade verschanzte. Was damals geschah, wurde von britischen Institutionen zunächst vertuscht. Das Widgery-Tribunal sollte die Ereignisse untersuchen und wusch die beteiligten Soldaten zunächst von jeder Schuld rein. Es machte zudem mit der Behauptung, bei den Toten habe es sich um bewaffnete Bomber gehandelt, aus Opfern Täter – zum Entsetzen der Angehörigen.

Foto: Olivier Donnars / Le Pictorium / IMAGO
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Scharfe Munition: Im Museum sind auch 108 Hülsen von Patronen ausgestellt, die 1972 von der britischen Armee auf die Demonstranten abgefeuert wurden.

Foto: Olivier Donnars / Le Pictorium / IMAGO
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»Remember Bloody Sunday«: Die tödlichen Schüsse sorgten für eine weitere Eskalation der Gewalt im Nordirlandkonflikt. Ob in der Hauptstadt Belfast oder in Derry, immer wieder kam es in den Wochen nach dem 30. Januar zu Gewaltausbrüchen, die das britische Militär niederschlug.

Foto: Maud Dupuy / Hans Lucas / IMAGO
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Auch Jeremy Corbyn (r.), der frühere Vorsitzende der Labourpartei, besuchte Ende Januar 2022 die Gedenkstätte und traf sich mit Familienangehörigen der Opfer.

Foto: Hasan Esen / AA / picture alliance
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Touristenführung: Die Wandgemälde zum »Bloody Sunday« sind bis heute markante Punkte im Stadtbild von Derry und erinnern an eine Wunde, die auch nach einem halben Jahrhundert nicht ganz vernarbt ist. John Lennon, Paul McCartney oder Black Sabbath besangen den Blutsonntag, die irische Rockband U2 schuf 1983 mit »Sunday Bloody Sunday« einen der berühmtesten Protestsongs der Popgeschichte.

Foto: Charles McQuillan / Getty Images
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