Grabungen in Bremen Archäologen entdecken Skelette von NS-Opfern

Seit knapp einem halben Jahr laufen Grabungsarbeiten auf dem Gelände einer geplanten Bahnwerkstatt in Bremen. Nun wurden dort acht Skelette von Gefangenen und Zwangsarbeitern aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden.
Bremen-Oslebshausen: Mahnmal für die sowjetischen Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen (Archivbild)

Bremen-Oslebshausen: Mahnmal für die sowjetischen Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen (Archivbild)

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Sina Schuldt / dpa

Bei den seit rund sechs Monaten laufenden archäologischen Grabungen auf einem ehemaligen Friedhof für NS-Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene aus Osteuropa sind in Bremen weitere acht Skelette entdeckt worden. Das teilte die Bremer Kulturbehörde am Montag mit. Bereits in der vergangenen Woche hatte sie über den Fund eines ersten Skeletts berichtet.

Der Friedhof liegt in einem Industriegebiet im Stadtteil Oslebshausen, dort soll eine Bahnwerkstatt gebaut werden. Dagegen gibt es Widerstand einer örtlichen Bürgerinitiative.

Das Gräberfeld war im Zweiten Weltkrieg für Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter angelegt worden, die das NS-Regime aus der damaligen Sowjetunion nach Bremen verschleppt hatte. Es wurde bereits 1948 aufgelöst, die Verstorbenen wurden exhumiert und auf einen Ehrenfriedhof umgebettet. Es gab allerdings auch den Verdacht, dass dabei Gräber übersehen worden sein könnten.

Nach der Entscheidung, auf dem schon seit Jahrzehnten gewerblich genutzten Gelände eine neue Bahnwerkstatt zu errichten, leitete der Bremer Senat deshalb eine archäologische Untersuchung ein. Fachleute des Landesamtes für Archäologie graben seit August vergangenen Jahres systematisch nach Überresten in dem Areal in Hafennähe. Schon zuvor stießen sie auf Knochenfragmente und Erkennungsmarken, allerdings nicht auf vollständige Skelette.

Nach Angaben der Kulturbehörde vom Montag befanden sich die neu entdeckten Gräber in einem Bereich, in dem während der früheren Exhumierungsarbeiten 1948 eine provisorische Erdrampe angelegt worden war. Nach Einschätzung der Experten der Landesarchäologie seien dadurch die darunterliegenden Grabstätten übersehen worden.

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) sicherte ein »würdevolles Gedenken« an die Toten zu. Wie genau mit den Funden verfahren werde, könne jedoch erst nach Abschluss der Grabungen »in enger Abstimmung mit den Vertreterinnen und Vertretern der betroffenen Staaten« entschieden werden, erklärte er am Montag .

Identifizierung der Toten könnte noch möglich sein

Die Generalkonsulate Russlands und der Ukraine sind nach Angaben der Bremer Regierung ohnehin eng in die Grabungen eingebunden. Aus den beiden Ländern stammen die meisten damals nach Bremen verschleppten Kriegsgefangenen, zivilen Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen. Im Weltkrieg verschleppte das NS-Regime Millionen Menschen aus dem von Deutschland besetzten Osteuropa, viele starben an schlechten Lebensbedingungen und Misshandlungen.

Auf dem Friedhof in Bremen wurden laut Senat unter anderem auch zahlreiche sowjetische Kriegsgefangene beerdigt, die im Dezember 1941 bei einer Typhusepidemie in einem örtlichen Gefangenenlager starben. Um die Leichen schnell zu bestatten, wurden sie demnach in einem 1,20 Meter tiefen Graben dicht an dicht vergraben.

Teilweise könnte nach Einschätzung der Behörden selbst nach acht Jahrzehnten noch eine Identifizierung der Toten möglich sein. So wurde laut Bremer Senat bei dem ersten gefundenen Skelett eine Erkennungsmarke entdeckt, die nun lesbar gemacht werden soll.

wit/AFP