Historiker über Deutschlands Geheimdienst »Beim BND waren Massenmörder, da gibt es nichts zu beschönigen«

Eine Historikerkommission zur Geschichte des Bundesnachrichtendienstes ist im Streit entzweit. Hier spricht Forscher Wolfgang Krieger über das Zerwürfnis, über Altnazis beim Geheimdienst und die BND-Rolle beim Mauerbau.
Ein Interview von Klaus Wiegrefe
Berliner Zentrale des Bundesnachrichtendienstes

Berliner Zentrale des Bundesnachrichtendienstes

Foto:

Michael Kappeler/ dpa

Die sogenannte Unabhängige Historikerkommission (UHK), die seit 2011 für den Bundesnachrichtendienst (BND) dessen erste Jahrzehnte erforscht, ist zerstritten. Die Geschichtsprofessoren Jost Dülffer, 77, Klaus-Dietmar Henke, 73, und Rolf-Dieter Müller, 72, behaupten, ihr Kollege Wolfgang Krieger, 73, erfülle »nicht die wissenschaftlichen Standards«. Sie erklären in einer »Vorbemerkung« in Kriegers neuem UHK-Band, sie könnten sich mit diesem »nicht voll identifizieren« – ein außergewöhnlicher Vorgang in der Wissenschaft.

Kriegers Buch »Partnerdienste« handelt von den Beziehungen des BND zu den westlichen Diensten. Seine Kritiker führen aus, er habe Quellen und Literatur »nicht zureichend« ausgewertet, was Krieger zurückweist. Er spricht von »ideologischen Differenzen«. Die anderen Professoren deuteten die Geschichte des BND zu einseitig negativ und zu wenig im internationalen Kontext. Der BND finanziert die UHK mit 2,4 Millionen Euro. Bislang sind elf Bände erschienen, weitere sollen folgen. Ursprünglich sollte das Projekt 2016 enden.

SPIEGEL: Herr Professor Krieger, in der vierköpfigen Historikerkommission zur Erforschung der BND-Geschichte distanzieren Ihre drei Professorenkollegen sich von Ihrer Arbeit und behaupten, Sie hätten für Ihr neues Buch Quellen und wissenschaftliche Literatur »nicht zureichend« ausgewertet. Was ist da los?

Krieger: Die Kritik weise ich zurück. Ich sage hier nichts zu internen Auseinandersetzungen. Nur so viel: Es gibt da ideologische Differenzen.

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