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Gerichte mit Geschichte Christian Rach backt Blutwurststrudel à la Jelzin

Helmut Kohl liebte Saumagen und Hausmannskost, Boris Jelzin ließ er Pfälzer Blutwurststrudel servieren. Machte das deftige Essen auch ihr Treffen zum Erfolg? Fernsehkoch Christian Rach hat's nachgebacken.

Gäste zu bewirten und dabei subtil Politik zu machen, das ist schon seit Jahrtausenden eine bewährte Vorgehensweise. Die Kelten kombinierten ihre Diplomatie mit einem Festmahl und einem ordentlichen Rausch , die barocken Fürsten beeindruckten Rivalen mit gefüllten Schwänen oder feinsten Mokkakännchen.

In der Neuzeit hat wohl kaum ein Politiker Essen und Macht derart gekonnt verknüpft wie der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl. Er lud Staatsgäste in das Sternelokal "Deidesheimer Hof" in der Nähe seines Heimatortes Oggersheim, ein Heimspiel für Kohl. Dort servierte sein Leibkoch Manfred Schwarz deftige Pfälzer Spezialitäten mit einem originellen Dreh.

Fotostrecke

Helmut Kohl: Heimspiele in der pfälzischen Provinz

Foto: Deidesheimer Hof

Kohl demonstrierte seinen Wählern damit Bodenständigkeit - und gab seinen Staatsgästen das Gefühl eines privaten Treffens mit Einblicken in seine Befindlichkeit. Bei Begegnungen mit Michail Gorbatschow oder Maggie Thatcher machte Kohl die "Saumagen-Diplomatie" geradezu legendär.

Als Boris Jelzin im Mai 1994 zu Gast war, gab es Pfälzer Blutwurststrudel, nicht weniger deftig als der berühmte Saumagen. Jelzin schmeckte das Gericht so gut, dass er sich das Rezept vom Küchenchef persönlich aufschreiben ließ, um es im Kreml nachkochen zu lassen.

Wie aber mundet es, wenn man nicht auf diplomatischer Mission ist? Ausprobieren! Im Video demonstriert Christian Rach, wie sich der Strudel unkompliziert nachbacken lässt. Und mehr historische Rezepte finden Sie in der aktuellen Ausgabe von "SPIEGEL Geschichte".

Das Rezept:

1 (Pfälzer) Blutwurst
1 (Pfälzer) Leberwurst
200 g frisches Sauerkraut oder frischer Wirsing
4-5 Lagen Brick-Teig oder Strudel-Teig (fertig im gut sortierten Lebensmittelhandel)
Preiselbeeren
2 Äpfel (z.B. Granny Smith)
Sahnemeerrettich (dafür Meerrettich reiben bzw. geriebenen aus dem Glas mit frisch geschlagener Sahne vermischen)

Für die Senfsoße:

1 EL Butter
1 EL Mehl
50 ml Weißwein
250 ml Gemüse- oder Hühnerbrühe
100 ml Sahne
2 EL Senf
Salz, Pfeffer

1. Die Teigblätter jeweils mit Butterschmalz bestreichen und übereinander schichten.

2. Sauerkraut in einer dünnen Schicht auf das oberste Teigblatt geben. Darauf achten, dass am Rand überall ausreichend Teig frei bleibt, um den Strudel später zusammenwickeln zu können.

3. Den Darm von den Würsten abziehen und die Würste quer in Scheiben oder längs in Stäbchen schneiden. Die Wurstsorten abwechselnd nebeneinander bzw. übereinander schichten.

4. Den Strudel von einem Ende her locker zusammenrollen, den Rand mit Butterschmalz bepinseln und zusammenrollen. Mit der Naht nach unten auf ein mit Backpapier belegtes Backblech legen, die Oberseite mit Butterschmalz bepinseln.

5. Im Ofen bei 180 Grad (Umluft) ca. 20 Minuten backen, bis der Teig Farbe bekommen hat.

6. Für die Senfsoße Butter in einem kleinen Topf schmelzen. Mehl zufügen und mit einem Schneebesen ständig rühren, bis das Mehl eine hellbraune Färbung angenommen hat.

7. Weißwein angießen und zum Kochen bringen, dann Brühe zufügen und die Flüssigkeit auf ca. 100 ml einkochen. Sahne angießen, Senf zufügen und die Soße zur gewünschten Konsistenz einkochen, mit Salz und Pfeffer abschmecken.

8. Äpfel schälen, in kleine Würfel schneiden und ganz kurz andünsten, so dass sie knackig bleiben.

9. Den fertigen Strudel auf einem Bett von Äpfeln servieren, Sahnemeerrettich und Preiselbeeren daneben dekorieren und mit Senfsauce servieren.

Guten Appetit!

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