Geheimdienste Die 007 größten Mythen aus der Welt der Spione

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4. Teil: Aids ist eine künstliche amerikanische Biowaffe


4. Mythos: Aids ist eine künstliche amerikanische Biowaffe

Als sich Aids in den Achtzigerjahren rasant ausbreitete, Ursprung und Verlauf aber noch relativ unbekannt waren, gab die Krankheit Rätsel auf. Die Ost-West-Spannungen boten einen idealen Nährboden für krude Verschwörungstheorien.

1983 schrieb erstmals die indische Zeitung "Patriot", das Aids-Virus sei kein natürlicher Virus, sondern von der US-Army in einem pakistanischen Labor hergestellt worden. Beweise lieferte die vom KGB finanzierte Zeitung keine. 1985 suchte der KGB Unterstützung für seine Kampagnen gegen die USA - und fand sie in Ost-Berlin.

Zum Sprachrohr wurde Jakob Segal, seit Jahrzehnten IM der Stasi und des KGB. Der sowjetisch-ostdeutsche Biologe vermischte (pseudo-)biologische und politische Argumente: Das Virus sei in den Militärlabors in Fort Detrick (Maryland) hergestellt und an Häftlingen und Minderheiten wie Homosexuellen und Einwanderern getestet worden. Dass Aids-Vorläufer über Grüne Meerkatzen in Afrika auf den Menschen übergegangen waren, bezeichnete er als rassistische Theorie der USA. Und fand damit zahlreiche Anhänger weltweit.

Arbeit mit dem Ebolavirus in Fort Detrick
Greg Mathieson/ Mai/ The LIFE Images Collection/ Getty Images

Arbeit mit dem Ebolavirus in Fort Detrick

Seine Publikationen durften jedoch in der DDR, wo sich Aids ebenfalls ab Mitte der Achtzigerjahre ausbreitete, nicht erscheinen. Also verbreitete er sie mit Hilfe des KGB und der DDR-Aufklärung HV A in der Bundesrepublik, Afrika und Asien.

Bundesdeutsche Anhänger fand Segal vor allem unter Vertretern antiamerikanischer linker Strömungen. Die "taz" veröffentlichte 1987 ein Interview des DDR-Schriftstellers Stefan Heym mit Segal; "taz"-Redakteur Kuno Kruse griff in seinem Buch "Aids - Erreger aus dem Genlabor?" ebenfalls Segals Konstrukt auf. Anfang der Neunzigerjahre leistete die Zeitung Abbitte - und wählte die Aids-Desinformation auf Platz 2 der größten Verschwörungstheorien.

Mit dem Kalten Krieg endete zwar die Kampagne in Europa, nicht aber der Aids-Mythos. Selbst Enthüllungen von Jevgenij Primakov, Ex-Chef der KGB-Spionageabteilung, oder HV-A-Offizieren konnten nicht verhindern, dass die Aids-Verschwörungstheorie weiter kursierte - und heute wieder aufgewärmt wird.



insgesamt 4 Beiträge
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Sven Moede, 10.10.2019
1.
Mister Dynamit habe ich auch in der Reihe gesehen und ich muss sagen da ist selbst der schlechteste Bond noch Oscarverdächtig gegen. Allein bei dem spontanen Teppicheinrollen frage ich mich heute noch wie man als Filmmacher auf so einen Quatsch kommen kann^^
Marco Gembries, 10.10.2019
2.
Fehlt vielleicht noch der Hinweis das den BND im internationalen Spionagegeschäft keiner so richtig für voll nimmt.Der CIA hält die deutschen Beamten für tollpatschig, und der MFS hat sich halb tot gelacht, wenn man ab morgen den BND zur Kartoffelernte abkommandieren würde ,keiner würde es merken, außer die Bauern die dann Erntehelfer mit zwei linken Händen hätten
Hans-Gerd Wendt, 10.10.2019
3. Wertung
Man mag ja von Rainer Rupp alias "Topas" halten, was man will - aber dieser 7-teilige Beitrag zur Spionagegeschichte im SPON scheint nur geschrieben, um die Leistung Rupps herab zu mindern. Denn es gibt genügend anderslautende Quellen, die die Nervosität Moskaus gegenüber "Able Archer" und vor allem dem damaligen US-Präsidenten Reagan belegen. Das Damoklesschwert Atomkrieg schwebte ganz real schon seit Jahrzehnten über Europa, und die kritischen Monate 1983 verstärkten die Furcht im Kreml ganz erheblich. In dieser Situation kann die "Aufklärung" Rupps in der NATO-Spitze nicht hoch genug bewertet werden.
Werner Haertel, 10.10.2019
4. Korrekterweise...
muss es heißen, dass am 13.8.61 nicht "Berlin" abgeriegelt wurde - sondern nur der Westteil.
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