Geheimdienste Die 007 größten Mythen aus der Welt der Spione

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7. Teil: Die CIA fand Adolf Hitler 1955 in Südamerika


7. Mythos: Die CIA fand Adolf Hitler 1955 in Südamerika

Hitler, Alt-Nazis, Südamerika und die Geheimdienste bieten Stoff für unzählige Kapitel einer Weltgeschichte der Spionage. Stellvertretend sei hier nur eine Hitler-Südamerika-Story entmystifziert: die Legende, die CIA habe Adolf Hitler 1955 dort aufgespürt. Mehrfach ging das um die Welt, zuletzt 2017.

In freigegebenen CIA-Akten fand sich ein Telegramm des ehemaligen Chefs der CIA-Außenstelle in Caracas (Venezuela). Am 3. Oktober 1955 hatte er an die Zentrale in Washington telegrafiert, seine Quelle "CIMELODY-3" habe von einem Bekannten namens Philip Citroen ein Foto erhalten, auf dem Adolf Hitler zu sehen sei. Citroen, früherer SS-Mann, sei nach dem Krieg nach Venezuela gekommen.

Vom Foto mit der Bildunterschrift "Adolf Schüttelmayer, Tunga, Kolumbien, 1954" war eine Kopie beigefügt; der Mann ähnelte Hitler vor allem durch seinen Bart. Der Chef der CIA-Außenstelle in Caracas informierte auch Kollegen in Maracaibo, Argentinien und Kolumbien.

Bücher über Hitlers angebliche Flucht nach Argentinien
Solveig Grothe/ SPIEGEL ONLINE

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Dieses Beispiel zeigt, wie Geheimdienstmythen sprießen können: Für Verschwörungsfans ist allein die Tatsache, dass der CIA-Außenposten die Information aufnahm und an mehrere Stellen weiterleitete, Beweis genug, dass sie glaubhaft war. Tatsächlich jedoch merkte der Außenstellenleiter explizit an, dass beim besten Willen keine Informationen vorlägen, die Citroens Behauptungen bestätigten.

Philip Citroen selbst wurde entweder vom Chef der Außenstelle oder von der Zentrale in Washington handschriftlich mit dem Vermerk "fairly reliable" gekennzeichnet, was gemäß interner Quellenbewertung der CIA nur Stufe 3 von 6 gleichkam. Hinzu kamen offensichtliche Nachlässigkeiten: Die Bildunterschrift "Adolf Schüttelmayer" wurde im Telegramm falsch geschrieben und lautete "Adolph Schritelmayor", dort stand auch "Adolph Hitler". Mit "Tunga" war wohl das kolumbianische Andenstädtchen Tunja gemeint.

Wie auch immer: Die Information war weder Teil einer geheimen Jagd nach Hitler noch Beweis für dessen geheime Flucht nach Südamerika und schon gar kein Anhaltspunkt, dass die CIA ihn dort vermutete. Das Telegramm veranschaulicht lediglich die routinemäßige Vorgehensweise eines Nachrichtendienstes. Bietet eine Quelle interessante Informationen an, werden sie dokumentiert, analysiert und bewertet, es wird nach Anhaltspunkten für die Verlässlichkeit von Quelle und Information gesucht.

Wie das Telegramm zeigt, dokumentierte die CIA eine Information - mehr nicht.



insgesamt 4 Beiträge
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Sven Moede, 10.10.2019
1.
Mister Dynamit habe ich auch in der Reihe gesehen und ich muss sagen da ist selbst der schlechteste Bond noch Oscarverdächtig gegen. Allein bei dem spontanen Teppicheinrollen frage ich mich heute noch wie man als Filmmacher auf so einen Quatsch kommen kann^^
Marco Gembries, 10.10.2019
2.
Fehlt vielleicht noch der Hinweis das den BND im internationalen Spionagegeschäft keiner so richtig für voll nimmt.Der CIA hält die deutschen Beamten für tollpatschig, und der MFS hat sich halb tot gelacht, wenn man ab morgen den BND zur Kartoffelernte abkommandieren würde ,keiner würde es merken, außer die Bauern die dann Erntehelfer mit zwei linken Händen hätten
Hans-Gerd Wendt, 10.10.2019
3. Wertung
Man mag ja von Rainer Rupp alias "Topas" halten, was man will - aber dieser 7-teilige Beitrag zur Spionagegeschichte im SPON scheint nur geschrieben, um die Leistung Rupps herab zu mindern. Denn es gibt genügend anderslautende Quellen, die die Nervosität Moskaus gegenüber "Able Archer" und vor allem dem damaligen US-Präsidenten Reagan belegen. Das Damoklesschwert Atomkrieg schwebte ganz real schon seit Jahrzehnten über Europa, und die kritischen Monate 1983 verstärkten die Furcht im Kreml ganz erheblich. In dieser Situation kann die "Aufklärung" Rupps in der NATO-Spitze nicht hoch genug bewertet werden.
Werner Haertel, 10.10.2019
4. Korrekterweise...
muss es heißen, dass am 13.8.61 nicht "Berlin" abgeriegelt wurde - sondern nur der Westteil.
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