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Deutsche Missionsbräute in der Südsee Hochzeit auf den ersten Blick

In der Kolonie Deutsch-Neuguinea sollten Siedler missionieren und die Macht des Kaiserreichs mehren. Doch der Alltag im vermeintlichen Südseeparadies erwies sich vor allem für die Frauen als hart und unglamourös.
aus SPIEGEL Geschichte 1/2022
Johanna Diehl (r.) an der Küste von Bogadjim, 1910. Links ihre Tochter Hanni mit dem Dienstmädchen Sunani, im Hintergrund der Reichspostdampfer »Manila«.

Johanna Diehl (r.) an der Küste von Bogadjim, 1910. Links ihre Tochter Hanni mit dem Dienstmädchen Sunani, im Hintergrund der Reichspostdampfer »Manila«.

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Archiv Dieter Klein, Wuppertal

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Ein gewaltiger Knall riss Johanna Bleidorn am 3. Juli 1907 um vier Uhr in der Frühe aus der Koje und endgültig aus ihrem alten Leben. Gut sechs Wochen zuvor war die 26-Jährige aus dem Siegerland zu ihrer Reise ans andere Ende der Welt aufgebrochen. Jetzt begrüßte man ihr Schiff an der Landungsbrücke von Friedrich-Wilhelmshafen in Deutsch-Neuguinea mit Salut. Eilig sprang Bleidorn in ihre Kleider und lief an Deck. Vor ihr lag ein Land, das sie nur aus Reiseberichten und Erzählungen kannte – und die ungewisse Zukunft mit einem Bräutigam, dem sie noch nie begegnet war.

SPIEGEL GESCHICHTE 1/2022

Deutsche Auswanderer: Der große Traum vom neuen Leben

Millionen Menschen wanderten seit dem 17. Jahrhundert aus deutschen Landen aus: Sie suchten das Glück in Russland, England oder Brasilien, in Asien, der Südsee und vor allem in den USA. Die aktuelle Ausgabe von SPIEGEL GESCHICHTE erzählt, wie es ihnen erging, wie sie ihre neue Heimat prägten und warum manche in der Ferne erfolgreich waren – und dennoch wieder heimkehrten.

Inhaltsverzeichnis

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»Jawohl Gruß Wilhelm«, das war die knappe Antwort gewesen, mit der Wilhelm Diehl seiner Verlobung mit der Dorflehrertochter Johanna telegrafisch aus der Südsee zugestimmt hatte. Keine persönlichen Worte, nicht einmal eine herzliche Ansprache. Einige Jahre zuvor hatte der Missionar im Auslandseinsatz in der Kolonie Deutsch-Neuguinea seine erste Ehefrau verloren; sie war am Schwarzwasserfieber, einer häufigen Folge der Malariaerkrankung, gestorben.

Als er eine neue Partnerin suchte, vermittelte ein gemeinsamer Bekannter den Kontakt. Fotos gingen hin und her, dann willigte die junge Frau in die Verlobung mit dem sieben Jahre älteren Diehl ein. Sie war überzeugt: Diese Ehe und ihr Leben als Missionarsfrau weit weg von der Heimat musste göttliche Bestimmung sein.

Die Auswanderung in die kaiserlichen Kolonien erscheint heute wie eine Nebenepisode der hiesigen Migrationsgeschichte. In den 30 Jahren deutscher Kolonialherrschaft bis 1914 suchten hier weniger als 24.000 Bürgerinnen und Bürger aus dem Reich ihr Glück, während allein zwischen 1880 und 1893 fast 1,8 Millionen in die USA übersiedelten. Wieso blieben die Kolonisten die Ausnahme unter den Auswanderern? Und welches Schicksal erwartete Frauen wie Johanna Bleidorn in der deutschen Fremde?

Prestigeprojekte der Kolonialpolitik

Erst spät war das Kaiserreich in das weltweite Rennen um die Kolonien eingestiegen. Nach seiner Gründung 1871 hatte Kanzler Otto von Bismarck sich immer wieder gegen den Erwerb von Überseegebieten ausgesprochen, unter anderem mit dem Argument, dass der junge Staat nicht die militärischen Mittel habe, diese zu verteidigen.

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