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Kult-Hörspiel "Die drei ???": "Ich möchte nicht mehr 17 sein"

"Die drei ???"-Sprecher Oliver Rohrbeck zum 40. Jahrestag Auf Immerwiederhören

Vor 40 Jahren lösten Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews ihren ersten Fall. Bis heute ist die Fangemeinde der "drei ???" riesig - Sprecher Oliver Rohrbeck über Nostalgie, heile Hörspielwelten und einen Handschellenunfall.
Zur Person
Foto: Christian Hartmann

Oliver Rohrbeck, 1965 in Berlin geboren, wirkte schon als Kind bei vielen Hörspielen und auch in der "Sesamstraße" mit. Als 18-Jähriger besuchte er die Schauspielschule und spielte an Theatern. Als Synchronsprecher leiht er unter anderem Ben Stiller, Chris Rock und Mike Myers seine Stimme. Zudem schreibt er Dialogbücher und führt Dialogregie, etwa bei "Notting Hill" oder "Bohemian Rhapsody". Rohrbeck betreibt das Label Lauscherlounge und das Hörspielstudio XBerg.

einestages: Herr Rohrbeck, "Der Super-Papagei" erschien am 12. Oktober 1979 - wie gut können Sie sich an Hörspielfolge 1 erinnern?

Rohrbeck: Eher vage. Damals hatte Hörspiel-Produzentin Heikedine Körting das Studio noch in der Hamburger Agnesstraße. Andreas Fröhlich, Sprecher von Bob Andrews, und ich flogen immer mit dem Flugzeug von Berlin nach Hamburg. Die Mauer stand ja noch, alles andere wäre unheimlich schwierig und zeitaufwändig gewesen. Für uns Jungs war das mit 14 wahnsinnig spannend: Tomatensaft trinken und mit Pan Am nach Hamburg.

einestages: Sie sind ohne Begleitung geflogen?

Rohrbeck: Darauf habe ich bestanden. Nur Andreas und ich. Ich war sehr selbstständig, hatte ja vorher schon die "Fünf Freunde" bei Frau Körting gemacht und war das gewohnt. Das ging schon mit elf los - sonntags allein mit dem Taxi zum Flughafen und einchecken. Ich fand's immer schrecklich, wenn Kinder mit Brustbeutel abgegeben wurden und die Helikoptereltern bibberten, dass der Junge auch gut ankommt, ihn die Stewardess am besten noch in die erste Reihe setzt. Peinlich.

Video: 40 Jahre "???"

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einestages: Wenn Sie vergleichen - was hat sich seit der ersten Folge geändert?

Rohrbeck: Was den Inhalt angeht, hatten wir anfangs nur ein Telefon, dann kam der Anrufbeantworter dazu, später sogar ganz modern ein Fax. Inzwischen googeln wir. Und Bob muss nicht mehr zu seinem Vater ins Zeitungsarchiv, um zu recherchieren. Die Geschichten sind heute viel länger, für meinen Geschmack fast zu lang, knapp 75 Minuten. Was eben auf eine CD passt. Früher waren es 50 Minuten, bis die Kinder einschlafen durften (lacht). Nach wie vor gilt: keine Leichen, kein Blut, dafür mehr Spannung. Wir vermuten, dass wir inzwischen 17 oder 18 Jahre alt sind, vermeiden heute also Sätze wie "Ich muss noch meine Schularbeiten machen".

einestages: Und was die Produktion angeht?

Rohrbeck: Seit etwa fünf Jahren ist ein Computer ans Mischpult angeschlossen und zeichnet die Sprachaufnahme zur Sicherheit auf. Aber die Mischung und das Einspielen von Musik und Geräuschen, das passiert noch immer komplett analog.

einestages: Was war in den 40 Jahren die skurrilste Geräuschrequisite?

Rohrbeck: Das ist jedes Mal absurd. Wenn wir in Peters MG sitzen - ich frage mich immer noch, wie die zu dritt mit einem adipösen Justus Jonas in so einen kleinen Zweisitzer-Sportwagen passen -, kriegen wir im Studio Ledergurte und -taschen auf den Schoß und sollen darauf rumknautschen, als ob der Wagen rüttelt und wir auf Leder sitzen. Einmal sollten wir mit Schlüsseln klappern, es lag gerade ein Paar Handschellen rum, das klang super. Andreas hat sie sich aus Versehen ans Handgelenk gemacht, der Schlüssel dazu fehlte...

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Kult-Hörspiel "Die drei ???": "Ich möchte nicht mehr 17 sein"

einestages: Und seither sitzt er in Frau Körtings Villa?

Rohrbeck: Er musste tatsächlich mit dem Taxi zur Davidwache fahren und sich von der Polizei die Handschellen abnehmen lassen.

einestages: Haben Sie im Studio bestimmte Rituale?

Rohrbeck: Wir haben unsere festen Sitzplätze und gehen eigentlich immer gemeinsam Steak essen. Auch nach 40 Jahren siezen wir Frau Körting, sie duzt uns. Das wird sich nie ändern. Manchmal kommen Schauspieler zum ersten Mal rein und dürfen sie direkt duzen. Wir bleiben beim Sie.

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einestages: Sie sind jetzt 54 und sprechen noch immer einen 18-Jährigen. Wie geht das?

Rohrbeck: Als Schauspieler muss ich mir für eine Rolle eine Haltung überlegen. Spiele ich also einen Jugendlichen, verändert sich meine Stimme automatisch. Wir verstellen unsere Stimmen nicht. Wenn ich Gru aus dem Film "Ich - einfach unverbesserlich" spreche, hat der eine völlig andere Haltung und klingt ganz anders als Justus Jonas. Die meisten Leute erkennen mich da gar nicht.

einestages: Der Genetiker David Sinclair erklärte gerade, es spreche nichts dagegen, dass wir 200 Jahre alt werden. Ewige Jugend, wäre das was für Sie?

Rohrbeck: Überhaupt nicht. Natürlich wünschen wir uns alle, möglichst lange körperlich jung zu bleiben, aber ich möchte nicht mehr 17 sein. Die Blauäugigkeit, mit der ich damals durchs Leben gegangen bin, brauche ich heute nicht mehr und finde es schöner, den weiteren Blick eines gereiften Menschen zu haben. Auch wenn ich mittlerweile eine Gleitsichtbrille trage (lacht).

einestages: Mit der Liveshow  füllen Sie große Arenen gleich mehrmals hintereinander. Wundern Sie sich manchmal über den Hype, wenn Sie auf Tour sind?

Rohrbeck: Jedes Mal, wenn ich in so eine riesige Halle komme, empfinde ich eine große Ehrfurcht und Demut. Darauf war ich nie vorbereitet. Als Schauspieler trittst du in Theatern vor maximal 1000 Leuten auf. Das verkraftet man, aber wenn du plötzlich vor 10.000 Leuten stehst, ist das ein unglaublich erhebendes Gefühl. In manche Arenen gehe ich schon vor dem Soundcheck, steige mit dem Beleuchter bis unter die Decke und schaue von oben in die leere Halle. Das fasziniert mich total.

einestages: Die mittlerweile 201 Hörspiel-Folgenwurden mehr als 50 Millionen Mal verkauft. Haben Sie eine Erklärung für die anhaltend große Fangemeinde?

Rohrbeck: Richtig erklärbar ist das nicht. Natürlich hat es mit der Kindheit zu tun. Die älteren Fans durften uns damals im Bett zum Einschlafen hören und erinnern sich an das Gefühl, wie fasziniert sie davon waren, sehnen sich danach. Jetzt geben sie es an die eigenen Kinder weiter.

einestages: Nostalgie spielt sicher eine große Rolle.

Rohrbeck: Klar. In gewisser Weise vermitteln wir eine heile Welt, obwohl die Drei ja auch Unwahrheiten und Ungerechtigkeiten aufdecken. Sie haben aber unendlich viel Zeit dafür. Eine wundervolle Vorstellung. Heute fehlt den Menschen doch in allen Lebenslagen Zeit. Ein 45-Jähriger legt sich ins Bett und taucht, statt über den ganzen Alltagsstress nachzudenken, in einen Kosmos ein, in dem Zeit keine Rolle spielt. Ich denke, das ist ein Hauptfaktor des Erfolgs.

einestages: Was tun Sie, wenn Sie nicht einschlafen können?

Rohrbeck: Ich lese. Und wache irgendwann mit einem Buch auf meinem Kopf auf.

einestages: Wie oft haben Sie in den 40 Jahren schon geträumt, Justus Jonas zu sein?

Rohrbeck: Ich glaube, noch gar nicht. Ich habe ja auch so viele Filme gesprochen und habe mich nie in "E.T.", "Breakfast Club" oder "Der Club der toten Dichter" geträumt. Ob Hörspiel oder Synchronsprechen, ich kann das Studio verlassen und meinen Zwischenspeicher im Kopf löschen. Das muss auch so sein, sonst hätte ich andauernd nur lose Geschichtsfetzen im Kopf.

einestages: Haben Sie eine Lieblingsgeschichte der "drei Fragezeichen"?

Rohrbeck: Die Folge "Das leere Grab" fand ich toll, weil Justus da emotionaler wurde und nicht wie sonst alles nur rational begreift und erklärt. Seine Eltern, eigentlich seit zehn Jahren tot, melden sich plötzlich aus dem südamerikanischen Dschungel, da fällt er in ein tiefes Loch. Für mich war das eine Möglichkeit, Justus mal von einer etwas anderen Seite zu zeigen. "Nacht in Angst" oder die ganz alte Folge "Der Karpatenhund" fand ich auch super. Aber ich bin nicht so ein Experte wie Fans, die immer wieder die Folgen rauf und runter hören.

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03.12.2022 03.54 Uhr

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einestages: Fans erkennen Sie längst auf der Straße. Was war der skurrilste Autogrammwunsch?

Rohrbeck: Unterschrieben habe ich schon auf Blindenstöcken, Rollstühlen, oft auf Babystramplern von Leuten, die ihre Kinder Justus nennen. Das sind inzwischen ganz schön viele, ich soll dann "Von Justus für Justus" schreiben. Und ich habe tatsächlich schon mal auf einer Wade unterschrieben, der Herr hat sich das hinterher tätowieren lassen. Verrückt, oder? Auf seiner Wade steht jetzt Oliver Rohrbeck. Na gut...

einestages: Vor einigen Jahren haben Sie gesagt, Sie wüssten nicht, ob Sie mit 55 noch mit dem Hörspiel auf der Bühne stehen möchten. Jetzt geben Sie an Ihrem 55. Geburtstag den Justus.

Rohrbeck: Ich hätte mir auch nicht vorstellen können, dass das so lange geht, aber in den letzten Jahren wurde es sogar noch erfolgreicher. Da ist keine Abwärtstendenz, sodass man sagen würde: Langsam wird's peinlich, hören wir mal lieber auf. Wir werden die Segel nicht streichen, solange uns die Leute hören möchten.

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