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Die schrägsten GEZ-Aktionen: Fernsehgebühren vom Hund

Die schrägsten GEZ-Aktionen Fernsehgebühren vom Hund

Sie trickste, mahnte und machte sogar Hausbesuche. Vom Volksmund GEZtapo und Gebühren-Stasi geschimpft, ist die Gebühreneinzugszentrale die wohl bestgehasste Institution Deutschlands. 2013 änderte sich ihr Name - ihre sonderbarsten Maßnahmen werden trotzdem nicht in Vergessenheit geraten.

Punkt acht Uhr klingelt es. "Guten Abend", sagt der freundliche Herr vor der Wohnungstür, "störe ich Sie gerade bei der 'Tagesschau'?" "Ja", antwortet der Wohnungsinhaber, woraufhin sich der Besucher an der Tür als Mitarbeiter der GEZ zu erkennen gibt und triumphierend ein Anmeldeformular hervorholt. "Dann füllen Sie das bitte aus!" Erwischt! Der Datenkrake hat erneut zugeschlagen. Wieder ein Illegaler weniger.

Die Fangfrage mit der "Tagesschau" ist legendär. Sie kursiert im Netz, in unzähligen Geschichten und Foreneinträgen über die "perfiden Methoden" der Behörde mit dem offiziellen Titel Gebühreneinzugszentrale der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in der Bundesrepublik Deutschland (GEZ). Man mag sich fragen, ob auf diese Art tatsächlich jemals jemand überführt wurde. Egal. Solche Tricks kann sich nur die GEZ ausgedacht haben.

Der Kassenwart des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist die wahrscheinlich bestgehasste Institution der Bundesrepublik, milieuübergreifend verteufelt, umgibt sie die Aura eines skrupellosen Geheimdiensts. Als "Gebühren-Stasi" wird sie beschimpft, manchmal gar als "GEZtapo" verteufelt. Verhör- und Einschüchterungspraktiken werden ihren Mitarbeitern nachgesagt, nachrichtendienstliches Schnüffeln mit Spähern und Spionen, die verborgene Empfangsgeräte aufspüren und ihre Besitzer zum Geständnis zwingen.

Am 1. Januar 2013 soll die Schnüffelei ein Ende haben - dann ist jeder dran. Dann wird abgerechnet, und zwar pro Wohnung, egal ob mit oder ohne Fernseher. Der Absender der Rechnung wird sich dann freundlich-harmlos "Beitragsservice" nennen. Doch es bleibt fraglich, ob sich die GEZ mit dem neuen Namen auch vom alten Image trennen kann. Denn der schlechte Ruf ist über Jahrzehnte hart erarbeitet.

Schmeicheln, loben, drohen

Im Auftrag von ARD, ZDF und Deutschlandfunk hatte die Organisation mit Sitz in Köln in den siebziger Jahren den Job des Geldeintreibers übernommen - und damit zugleich die Rolle des Prellbocks. Denn das Problem der mangelnden Zahlungsbereitschaft war so alt wie der Rundfunk selbst. Die undankbare Aufgabe oblag zuvor der Post, der es bereits seit den zwanziger Jahren offenbar nur unter Androhung von Gefängnisstrafen gelungen war, Radiohörer zur Entrichtung der monatlichen Zwei-Mark-Gebühr zu motivieren.

Warum sie diese überhaupt bezahlen sollten, war vielen Radiobesitzern wohl auch drei Jahrzehnte später nicht klar. Wie sonst ließe sich erklären, dass 1952 der Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR), damals die größte Sendeanstalt der Republik, einen Dichterwettstreit auslobte - für ein Loblied auf die Gebühr. Die Hörer reimten sich so einiges zusammen: "Zahl die kleine Funkgebühr, hör die große Welt dafür", "Sei ein Rundfunkkavalier und genieße mit Gebühr" oder auch "Vater, Mutter, Oma strahlt, unser Rundfunk ist bezahlt". Die Sprüche wurden im Radio gesendet und großflächig plakatiert.

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Dem Erfolg der Eigenwerbung offenbar misstrauend, baute der Sender parallel eine Scham und Angst verbreitende Drohkulisse auf: Er kündigte den Einsatz sogenannter Wellendetektive an. Die "hochempfindlichen Spezialgeräte", wie es in einer Pressemitteilung des NWDR hieß, seien bereits im Krieg erprobt worden. Ein Mann könne die Apparatur "bequem und unauffällig in der Hand tragen" und damit leicht jede Treppe ersteigen. Der Bayerische Rundfunk brauchte eine solche "Geheimwaffe" nicht, er setzte auf das polizeimäßige Auftreten seiner Ermittler.

Geld ohne Gegenleistung

Der Ärger ging jedoch erst richtig los, als 1953 auch noch die Fernsehgebühr fällig wurde: fünf Mark pro Monat, zusätzlich zu den zwei Mark fürs Radio - selbst dann, wenn man letzteres gar nicht besaß. Konnte man Geld für etwas verlangen, wofür man gar keine Gegenleistung bekam? Man konnte. Staatssekretär Friedrich Gladenbeck vom Bundespostministerium hatte einen griffigen Vergleich parat: Rundfunk- und Fernsehgebühren seien wie ein Angelschein. "Der Inhaber erwirbt das Recht zu angeln, nicht aber den Anspruch, dass er tatsächlich Fische fängt."

Auf einen guten Fang hofften hingegen die Kassierer der Gebühren. Denn obwohl es 1955 tatsächlich noch viele Haushalte ohne Fernseher gab, verlangten Briefträger in Essen kategorisch sieben Mark an jeder Haustür. Erst als die Nur-Radio-Besitzer protestierten, taten die Kassierer überrascht: "Ach, Sie haben kein Fernsehgerät?", dann entschuldigten sie sich und gaben sich mit zwei Mark zufrieden. Der Job des Gebühreneintreibers hatte seine Unschuld verloren.

Für den flächendeckend schlechten Ruf sorgten allerdings nicht nur einzelne schwarze Schafe. Auch in den folgenden Jahrzehnten gelang es offenbar weder Post noch Sendern, das System der Finanzierung plausibel zu machen: Jede geplante Gebührenerhöhung löste einen Aufschrei aus - so etwa Mitte der sechziger Jahre der zusätzliche Obolus fürs Farbfernsehen. "Keinesfalls wäre es richtig", so schrieb etwa ein Leser 1966 im "Hamburger Abendblatt", "Fernsehempfänger mit erhöhten Gebühren zu belasten, wenn sie mit ihren Geräten nur Schwarzweiß-Sendungen empfangen können." Viele Zuschauer seien "geneigt und teils gezwungen, auf Fernsehen zu verzichten", sollte die Gebühr erhöht werden. Sie wurde: 1970 das erste Mal, und danach in deutlich kürzeren Abständen.

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Satire oder Realität?

Jede Steigerung machte Fernseh-Deutschland wütender. Ändern konnte daran auch die 1976 eingeführte Gebühreneinzugszentrale nichts. Im Gegenteil: Die GEZ brüskierte ihre potentiellen Kunden mit einem Werbespot, der allen Noch-Nicht-Registrierten unterstellte, sie seien zu dämlich, ein Anmeldeformular auszufüllen.

Werbespots gab es im Laufe der Jahre noch so einige, und wenn sie die Zuschauer nicht gerade beleidigten, wurden sie ihm besten Falle missverstanden. Etwa von "Mokka", der/die sich in einem Forum daran erinnerte, im Kino eine "Werbung gegen Rassismus" gesehen zu haben: "Ein Weißer sagte 'Ich seh' schwarz!' und von der anderen Seite kam ein Schwarzer und sagte 'Ich weiß'" - "Sicher, dass das eine Werbung gegen Rassismus war???!", antwortete ein anderer Forumsnutzer. "Mir ist eher so, dass da die schreckliche GEZ dahintersteckte (…) ein beschis.sener Konzern (…)" Nachhaltiger kann Imagewerbung kaum in die Hose gehen.

Viele der Filmchen wirkten wie Verzweiflungstaten, auch Selbstironie half nicht: Mit einem Spot, in dem GEZ-Detektive in Mülltonnen wühlen und Peilwagen Fernsehgeräte orten, machten sich die Geldbeschaffer der öffentlich-rechtlichen Anstalten über ihren miesen Ruf lustig. Die Zuschauer mochten nicht mitlachen - wer konnte schon sagen, wo die satirische Überzeichnung endete und die Realität begann?

"GEZ noch?"

Es wurden Fälle kolportiert, in denen die auf Provisionsbasis arbeitenden Gebührenfahnder Nachbarn ausfragten, bei Dunkelheit über Campingplätze und durch Gartenkolonien schlichen, durch Gardinen spähten oder unter dem Vorwand, den Kabelanschluss zu prüfen, als Fernsehmechaniker verkleidet in Wohnungen stürmten.

Die Gebührenzahler schlugen zurück, einige zumindest - und manchem Rundfunkgebührenbeauftragten verging vorübergehend Hören und Sehen. Wie etwa jenem, der sich beim Betreten einer Wohnung im oberbayerischen Penzberg eine Watschn einfing, oder jenem, der in einem kleinen Ort im Brandenburgischen in die Mündung einer Schusswaffe blickte. Gewalt allerdings blieb die Ausnahme. Die meisten Zahlungsunwilligen versuchten es mit Flunkern oder Schweigen. Redlichkeit machte sich kaum bezahlt - für die Geldeintreiber ebenso wenig wie für die Gebührenpflichtigen.

Der Volkszorn brach sich endgültig Bahn, nachdem bekannt geworden war, dass sich die Behörde der Daten von Einwohnermeldeämtern, KfZ-Zulassungsstellen und kommerziellen Adresshändlern bediente: In Lokal- und Boulevardmedien häuften sich die Meldungen von Toten, die plötzlich von der GEZ Post bekamen. Sogar Tiere waren angeschrieben worden, weil Herrchen oder Frauchen unter deren Namen im Internet eingekauft oder an Preisausschreiben teilgenommen hatten. "GEZ noch?", fragte 2010 die Münchner "tz" und titelte "Dieser Hund soll Gebühren zahlen" über dem Foto des traurig dreinschauenden Golden Retrievers Orlando aus dem Stadtteil Giesing.

Da hatte sich Deutschlands bestgehasste Institution auch noch zur lächerlichsten gemacht.