Einwanderer in Texas Das deutsche San Antonio

Wurst, Bier, Lederhosen: Viele Deutsche, die nach Amerika ausgewandert sind, haben im "Hill Country" in Texas ein Zuhause gefunden. In San Antonio haben sie Spuren hinterlassen. Man spricht sogar noch Deutsch - zumindest einen Dialekt.

AP

Ich hatte das Privileg, von 1991 bis 2007 in San Antonio, Texas, zu leben. Am Anfang dachte ich, verstehen zu können, wieso viele Leute in dieser Stadt Deutsch sprachen. Schließlich waren viele amerikanische Soldaten in Deutschland stationiert. Aber schon nach ein paar Wochen begriff ich, dass San Antonio von Städten umringt war, die von deutschen Einwanderern gegründet worden waren; Sie heißen New Braunfels, Fredericksburg, Schulenburg und Boerne. Das texanische Weimar verfügt sogar über eine eigene "Hauptstrasse". In vielen Gegenden um San Antonio wird ein deutscher Dialekt gesprochen: Texas German.

Bekomme ich Besuch aus Deutschland, bringe ich ihn in eine der deutschen Städte, um mit der lieben Verwandtschaft im Biergarden Schnitzel zu essen. Na ja, das Bier, das dazu serviert wird, hat den Schaum leider zuhause vergessen. Aber es gibt mittlerweile viele Bockbiere, Weizen und Märzenbiere, die von amerikanischen Herstellern nach deutscher Braukunst produziert werden.

Vor einigen Jahren hat mein Mann in Fredericksburg zum Kirchweihfest eine Party beliefert. Ich half ihm dabei und wir hatten Barbecue mit Cole Slaw und guten amerikanischen Kartoffelsalat. Das Essen wurde nach einer Auktion in der Halle serviert. Vorher waren darin Kühe, Ochsen, Kälber und andere Tiere versteigert worden. Ein typisches und traditionelles amerikanisches Volksfest eben.

Nach dem Essen trafen wir auf ein paar einheimische Fredricksburger und tranken gemeinsam ein Bier. Wir sprachen Texas German mit Leuten, die nie in Deutschland waren. Die meisten hatten von ihren Großeltern Deutsch gelernt. Obwohl es während des Ersten und Zweiten Weltkriegs Pflicht war, Englisch zu lernen und zu sprechen, haben viele Einwanderer der ersten Generationen diese Sprache nie verwendet.

Auch in San Antonio selber machten die Deutschen lange Zeit einen großen Anteil der Bevölkerung aus. Es gab deutsche Schulen und es gibt bis heute eine Beethoven-Sängerhalle mit Biergarten und Oktoberfest. Dort singen Kinder deutsche Volkslieder und man kann sich an Bratwurst, Kartoffelpfannkuchen und Käsesahne sattessen. Dazu gibt's einen Spaten Bier oder ein Glas Pfälzer Riesling. Es wird sogar oazapft, aber nur symbolisch. Unter all den Frauen in Dirndl und Männern in Lederhosen fühlt man sich fast wie in Bayern. Aber die 40 Grad schwüle Luft und Kakerlaken, die größer sind als mein Fuß, erinnern mich jeweils daran, wo ich bin.

Viele Einwohner der USA haben Urahnen aus Deutschland. Daraus entstanden im Laufe der Jahre die verrücktesten Kombinationen: Irish German, Indian German oder Dutch Spanish German.

Leider sind wir letztes Jahr nach Missouri gezogen, aus beruflichen Gründen. Die Landschaft erinnert mich hier sehr an Deutschland. Deutsch spricht aber kaum einer, nicht wie in Texas. Dafür gibt es in Missouri einen Aldi, aber das ist eine andere Geschichte.



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