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Geschichte-Podcast Typisch mittelalterlich? Die Legende der Eisernen Jungfrau

Kein Folterinstrument verkörpert das »finstere« Mittelalter so wie die Eiserne Jungfrau. Im Podcast-Interview sagt Frank Patalong, warum der grausame Schnetzelapparat womöglich nur ein Horrormärchen ist.

In diesen Sarkophag, so hieß es, kam man lebend hinein – aber nur tot wieder heraus. Wenn sich die Deckel der Eisernen Jungfrau schlossen, sollen Klingen und Stacheln im Inneren die Folteropfer aufgespießt und zerschnitten haben, die Überreste der Getöteten schließlich durch eine verborgene Falltür ins Wasser gefallen sein. Ein typisches Beispiel der im vermeintlich so finsteren Mittelalter herrschenden Grausamkeiten, die zumeist im Namen der Frömmigkeit verübt wurden. So die landläufige Meinung.

Tatsächlich jedoch war der einschüchternde Apparat keineswegs ein gängiges Exekutionswerkzeug und auch alles andere als mittelalterlich: Er tauchte erst ab 1792 in Schriften auf. Und reale Exemplare wurden erst im 19. Jahrhundert gefunden, in der Blütezeit der Schauerliteratur – wobei die historische Authentizität dieser Exponate durchaus zweifelhaft war.

Gab es die Eiserne Jungfrau überhaupt, wurden Delinquenten wirklich damit zu Tode geschnetzelt? Dass Geschichten darüber – ob fiktiv oder real – gerade in dieser Zeit ein großes Echo auslösten, erklärt SPIEGEL-Redakteur Frank Patalong im Podcast-Interview so: »Hier kommt die perverse Faszination am Foltertod zusammen mit dem neuen Zeitalter der Maschine. Der grausame Akt wurde gewissermaßen einer Maschine überlassen, das hatte noch eine zusätzliche Kälte.«

Allerdings seien die Besucher von Schauerausstellungen, auf denen damals angeblich authentische Eiserne Jungfrauen gezeigt wurden, im 19. Jahrhundert bereits viel stärker als zuvor in der Lage gewesen, diese historisierten Exponate mit einem gewissen Augenzwinkern zu betrachten. Selbst der Gelehrte Christian Siebenkees, der dieses Folterinstrument erstmals schriftlich erwähnte, habe »eine augenzwinkernde Warnung hinterhergeschickt. Er schrieb damals: ›Sollte vielleicht die ganze Sache eine Legende sein?‹«

Über den Podcast

Alle zwei Wochen gibt es einen ausgewählten historischen Artikel und die Geschichte dahinter – erzählt von den Autorinnen und Autoren und der Redaktion von SPIEGEL Geschichte. Außerdem können Sie zu jeder neuen Ausgabe von SPIEGEL Geschichte ein ausführliches Gespräch zum Titelthema hören.

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