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Fotofund aus dem Ersten Weltkrieg: Bilder aus dem Kriegsalltag

Foto: REUTERS/ Archive of Modern Conflict London

Fotofund aus dem Ersten Weltkrieg Spielen und Sterben

Flugzeugabstürze und Wildschweinritte: Jetzt aufgetauchte Fotos dokumentieren den Ersten Weltkrieg auf besonders verstörende Art. Denn sie zeigen, wie während des Gemetzels das Leben weiterging.

Die Scheitel der Herren waren säuberlich gekämmt, und der Wein in ihren Gläsern verfehlte seine Wirkung offenbar nicht: Gleich zehn Offiziere der deutschen Flieger-Abteilung 280 hatten sich an diesem Sommertag im Kriegsjahr 1918 in einem schick eingerichteten Haus an der Westfront getroffen, sie feixten und lachten. Glaubt man dem Foto, auf dem diese fröhliche Szene festgehalten ist, dann gab es für Soldaten wie sie so kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs noch viel Grund zur Freude. Ein dramatisch falscher Eindruck.

Von der Nachrichtenagentur Reuters erstmals veröffentlichte Aufnahmen zeigen das Alltagsleben im Ersten Weltkrieg abseits der Schlachtfelder: Etwa Turnübungen an der Front, Geselligkeit mit Gasmasken oder einen auf einem toten Wildschwein reitenden Soldaten. Es ist eine verstörende Mischung aus Alltäglichkeit und Grauen, aus Tod und Spielen. Denn die heiteren Weltkriegsaugenblicke werden konterkariert von Dutzenden weiteren Aufnahmen von Flugzeugabstürzen und verwüsteten Schützengräben, auf denen die finstere Realität des Krieges gezeigt wird.

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Fotofund aus dem Ersten Weltkrieg: Bilder aus dem Kriegsalltag

Foto: REUTERS/ Archive of Modern Conflict London

Die Fotos stammen aus einer bislang unbekannten Privatsammlung, wie Reuters in einem Blogeintrag  mitteilt. Wer die Bilder gemacht hat, ist zwar nicht bekannt - klar ist aber: Sie können kaum das Werk eines einzigen Fotografen sein. Denn während einige Aufnahmen den Alltag deutscher Frontsoldaten dokumentieren, sind auf anderen US-Amerikaner, Briten in Schützengräben oder Frauen in französischen Fabriken zu sehen.

Gasmasken-Schau in Philadelphia

Viele der rund 40 Bilder zeigen abseitige und weitgehend unbekannte Aspekte jenes Krieges, bei dem über 14 Millionen Menschen ums Leben kamen. So zeigt eine Aufnahme von 1916 etwa einen Verschlag hinter der deutschen Front, den die Reichswehr für ihre Brieftauben nutzte - denn die Vögel zählten zu den verlässlichsten Kommunikationsmitteln in den Weiten des Feindeslands. Dutzende auf ihren Stangen hockende Tauben zeigt das Foto, bewacht von einem Soldaten. Ein trügerisches Idyll.

Deutlich näher an die grausame Kriegsrealität führt ein bizarres Gruppenbild von US-Soldaten heran. 19 uniformierte Männer sind darauf zu sehen, sitzend oder stehend in drei Reihen, jeweils mit einer Gasmaske vor dem Gesicht. Wer genauer hinschaut, sieht : Alle 19 Modelle unterscheiden sich voneinander. Denn das Foto entstand kurz nach dem Krieg in einem Chemielabor in Philadelphia und zeigt einen Vergleich international verwendeter Gasmasken-Modelle.

Die Reuters-Bilder ergänzen ähnliche Funde zum Ersten Weltkrieg aus der jüngsten Vergangenheit: Erst Ende Mai hatte eine Journalistin aus Koffern in ihrem Elternhaus in Frankreich einen Foto-Schatz gehoben, zudem hatte der französische TV-Sender "France 2" wenige Wochen zuvor kolorierte und nachvertonte Filmaufnahmen veröffentlicht.

Der nun geborgene Fund ist zwar schwarzweiß und stumm, hat aber eine andere Eigenheit: Er zeigt lachende, turnende und blödelnde Menschen inmitten des kollektiven Tötens und Sterbens - wodurch gerade diese Fotos sonderbar grausam wirken.

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