Staatsanwalt im Prozess gegen NS-Verbrecher Eichmann-Ankläger Gabriel Bach stirbt im Alter von 94 Jahren

Als Organisator des Massenmordes an Millionen europäischen Juden wurde Adolf Eichmann 1962 hingerichtet. Der stellvertretende Chefankläger Bach ist nun gestorben – ein Jahr vor Kriegsbeginn war er aus Deutschland geflohen.
Gabriel Bach war israelischer Jurist und früherer stellvertretender Ankläger im Prozess gegen den NS-Verbrecher Adolf Eichmann (Archivbild)

Gabriel Bach war israelischer Jurist und früherer stellvertretender Ankläger im Prozess gegen den NS-Verbrecher Adolf Eichmann (Archivbild)

Foto: Menahem Kahana / AFP

Der stellvertretende Chefankläger von NS-Verbrecher Adolf Eichmann ist tot. Der aus Halberstadt stammende Jurist Gabriel Bach starb am Freitag im Alter von 94 Jahren, wie mehrere israelische Medien berichteten. Die Todesursache war zunächst unklar.

Der von Bach und anderen Juristen angestrengte Prozess gegen Eichmann – den Organisator des Massenmordes an Millionen europäischer Juden – begann im April 1961 in Jerusalem. Im Jahr zuvor hatten israelische Agenten Adolf Hitlers »Spediteur des Todes« aus Argentinien entführt. Eichmann war einer der Hauptverantwortlichen für die Deportation der europäischen Juden in die Vernichtungslager.

»Wenn jemand den Tod verdient hat, dann war er es«

Gabriel Bach über den NS-Verbrecher Adolf Eichmann

Wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Verbrechen gegen das jüdische Volk und Kriegsverbrechen wurde Eichmann für schuldig befunden und 1962 hingerichtet. »Wenn jemand den Tod verdient hat, dann war er es«, sagte Bach 2017 in einem Interview der Holocaust-Gedenkorganisation International March of the Living.

Der Prozess sorgte weltweit für Aufsehen und gilt als Auslöser der Aufarbeitung der Verbrechen der Nationalsozialisten.

Aufgewachsen in Berlin, 1938 Flucht aus Nazi-Deutschland

Bach lobte zu seinen Lebzeiten die konsequente Strafverfolgung von Verbrechern der Nazi-Zeit im heutigen Deutschland. Der Träger des Bundesverdienstkreuzes setzte sich zudem für eine Annäherung zwischen Israel und seiner deutschen Heimat ein.

Er wuchs in Berlin auf und flüchtete 1938 mit seiner Familie aus Nazi-Deutschland. 1940 kam Bach ins damalige Palästina. Er studierte später in London Jura, arbeitete ab 1953 bei der Staatsanwaltschaft und war von 1982 bis 1997 Richter am Obersten Gerichtshof in Israel.

Der Jurist Bach war eigenen Angaben zufolge seit seiner Kindheit großer Fan des FC Schalke 04. Einst überraschte ihn das Team bei einem seiner Deutschland-Besuche und schenkte Bach Fanshirts mit seinem Namen. Der 94-Jährige hinterlässt seine Frau Ruth, Kinder und Enkelkinder.

tfb/AP/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.