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CHRONIK 1096-1480 GELDHANDEL IM MITTELALTER

aus SPIEGEL Geschichte 4/2009

1096

Der Beginn der christlichen Kreuzzüge in den Nahen Osten bringt das Geldsystem in Mitteleuropa in Bewegung. Die Finanzierung des Krieges gegen den Islam, die militärischen Beutefeldzüge und die christliche Rückeroberung von bis dahin muslimischen Mittelmeerstädten lassen Handel und Geldgeschäfte vor allem in Oberitalien aufblühen.

ab 1100

Auf Tischen und Bänken unter freiem Himmel werden in Florenz, Venedig, Siena, Lucca und Mailand von Kaufleuten Kredit- und Wechselgeschäfte abgewickelt. Obwohl die Städte größtenteils nicht in der Lombardei liegen, bürgert sich aufgrund eines geografischen Irrtums für Kreditgeber das Wort »Lombarden« ein.

12. Jahrhundert

Im Überseehandel italienischer Stadtstaaten wie Venedig und Genua verbreitet sich in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts der Seehandelskredit (Prestito Maritimo oder Commenda) mit Risikoteilung zwischen Unternehmer und Kreditgeber.

1156

In der Republik Venedig, die durch teure Kriege mit dem Byzantinischen Reich in Finanznot ist, wird der Monte Vecchio gegründet - eine Staatsgläubigerversammlung vermögender Bürger, die als erste Vorläuferbank in die Geschichte des Abendlandes eingeht. Anfangs sind die Anleihen freiwillig, später gibt es Zwangsanleihen.

um 1180

König Heinrich II. von England lässt eine neue Silbermünze schlagen, die später unter dem Namen »Sterling« berühmt wird. Einige Wissenschaftler glauben, dass der Name von »Easterling« kommt, weil die Münzpräger aus dem Osten (East) kamen.

um 1202

Leonardo da Pisa, genannt Fibonacci, veröffentlicht das »Liber Abaci« ("Buch der Rechenkunst"), das anstelle des unpraktischen römischen Ziffernsystems die indisch-arabische Zählweise in Mitteleuropa einführt und die numerischen Voraussetzungen des modernen Finanzwesens schafft.

1240

Frankfurt am Main erhält als erste deutsche Stadt das urkundlich belegte Messeprivileg und entwickelt sich zu einem Zentrum des europäischen Warenhandels.

1295

Marco Polo berichtet von seiner China-Reise über Erfindung und Gebrauch des Papiergeldes.

1285 bis 1314

König Philipp der Schöne von Frankreich erhält wegen seiner skrupellosen Münz-Verschlechterungen den Beinamen »der Falschmünzer« - und löst Hortungen von Gold aus.

1292

König Adolf von Nassau finanziert seine Wahl durch ein verzinstes Darlehen von Frankfurter Bürgern.

um 1300

In oberitalienischen und flämischen Städten florieren Geldgeschäfte - meist verleihen Kaufleute ihre flüssigen Reserven an Kollegen. In Florenz entstehen die ersten Banken.

1343 bis 1346

Währungsspekulationen und die Zahlungsunfähigkeit des englischen Königs, dem die Florentiner Bankiersfamilien der Bardi und Peruzzi riesige Summen geliehen haben, ziehen deren Ruin und den ersten Bankenkrach des Frühkapitalismus nach sich.

1402

Der Rat der Stadt Frankfurt am Main beschließt, eine Wechselbank mit festgelegtem Grundkapital zu gründen. Der »Wessil« gilt als erste Bank der deutschen Geschichte.

1409

In Brügge entsteht Europas erste Börse.

1434

In Florenz kommt der Bankier Cosimo de' Medici als Führer der Volkspartei an die Macht.

1457 bis 1460

Dramatischer Geldwertverfall in den Habsburger Ländern, weil Kaiser Friedrich III. einen Erbstreit mit seinem Bruder Herzog Albrecht über die Münzverschlechterung austrägt. Die Zeit der schlechten Münzen, Schinderlinge, gilt als erste große Inflation auf deutschem Boden.

1462

In Perugia wird, um die Ärmeren vor Wucherern zu schützen, eine neuartige Bank, Monte di Pietà, gegründet. Sie bezieht ihr Kapital aus Schenkungen und soll es zu möglichst niedrigen Zinsen verleihen. Mancherorts entwickeln sich solche Wohltätigkeitseinrichtungen zu Geschäftsbanken.

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