Autor und Filmemacher Georg Stefan Troller: »Die Leute hungerten und waren in einem Zombiezustand«

Autor und Filmemacher Georg Stefan Troller: »Die Leute hungerten und waren in einem Zombiezustand«

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Jakob Schnetz und Janek Stroisch / DER SPIEGEL

Georg Stefan Troller erinnert sich an den Sommer 1945 »Wo blieb das Schuldgefühl, das Bekennen, die Reue, verdammt noch mal?«

Er war bei der Befreiung Dachaus dabei und stöberte in Hitlers Wohnung. Hier erzählt der Filmemacher Georg Stefan Troller, was er dabei fand und wie er die Deutschen nach Kriegsende erlebte.
Ein Interview von Hauke Goos und Alexander Smoltczyk

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Georg Stefan Troller hat ein Jahrhundertleben geführt: Als Jude floh er vor den Nazis aus Wien, als US-Soldat half er, das KZ Dachau zu befreien, als Schriftsteller und Dokumentarfilmer traf er Muhammad Ali und Romy Schneider, Woody Allen, Pablo Picasso und hunderte andere. Am 10. Dezember 2021 feierte er seinen 100. Geburtstag. Für das SPIEGEL-Buch »›Ein Sommer wie seither kein anderer‹. Wie in Deutschland 1945 der Frieden begann – Zeitzeugen berichten«  besuchten Alexander Smoltczyk und Hauke Goos ihn in seiner Pariser Wohnung.

Dieses Gespräch wurde erstmals im Juli 2020 veröffentlicht.

Troller: 1. Mai 1945, kurz nach der Befreiung von Dachau. Da war ich da. Und das war für mich das Kriegsende. Am gleichen Tag erfuhren wir, dass Hitler »im Felde gefallen« war. Für uns war das der entscheidende Tag.

SPIEGEL: Sie sind mit Ihrer Truppe nach München eingezogen, wann war das?

Troller: München wurde etwa am 28. April erobert. Und am 1. Mai bin ich nach Dachau gefahren mit unserem Team von Kriegsgefangenen-Vernehmern, in unserem Jeep.

SPIEGEL: Hatten Sie eine Ahnung, was Sie in Dachau erwartete?

Troller: Nicht auf diese Art, nicht in diesem Ausmaß. Diese Hunderte von Skeletten, mit gelber Haut überzogen, die da herumlagen. Ich glaube auch, ich habe hier das Wort Auschwitz zum ersten Mal gehört. Ich bin ziemlich sicher, dass mein Vater nach der Reichskristallnacht eine Woche in Dachau verbrachte, nur hat er nie ein Wort darüber verloren. Aber natürlich kannte jeder damals den Reim: »Lieber Herrgott, mach mich stumm, dass ich nicht nach Dachau kumm.«

SPIEGEL: Den Spruch kannten auch die Münchner?

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