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Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Neues von gestern – der Geschichte-Newsletter Der Moment des Untergangs

Pompeji hatte alles, was das Römerherz begehrte. Bis der Vesuv mit 360 km/h den Tod brachte. Was man über Politik, Wirtschaft und Alltag, Sex und Drogen im Schatten des Vulkans heute weiß: das und mehr im Newsletter.

Liebe Leserin, lieber Leser,

vor 2000 Jahren galt Pompeji als eine der schönsten Siedlungen des römischen Imperiums. »Campania felix«, glückliches Kampanien, nannte man die Gegend. Der Boden fruchtbar, das Klima mild, das Meer nah – und es gab alles, was das Römerherz begehrte: ein stattliches Forum, Thermen und Theater, Läden, Garküchen und Aquädukte für frisches Wasser. In dieser Hafenstadt am Golf von Neapel ließ es sich leben.

Bis der Tod kam. Mit 360 Kilometern pro Stunde.

Die Stadt lag in einer geologischen Risikozone, im Schatten des Vesuvs. Bereits im Jahr 62 n. Chr. meldete sich die Natur mit einem mächtigen Erdbeben. 17 Jahre später erwischte die nächste Katastrophe Pompeji, diesmal von apokalyptischen Ausmaßen: Der Vulkan brach aus, gewaltige Gesteinsmassen sprengten sich ihren Weg frei. Dann vernichtete eine Glutlawine aus Gas, Asche und Lavasteinchen Pompeji. Und die Zeit blieb stehen.

Im Schatten des Vesuvs: Die Überreste der einst stolzen Stadt Pompeji

Im Schatten des Vesuvs: Die Überreste der einst stolzen Stadt Pompeji

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bloodua / IMAGO

Für das neue SPIEGEL-GESCHICHTE-Heft haben unsere Kollegen Martin Pfaffenzeller und Frank Hornig die Überreste von Pompeji besucht und mit Forschungsteams gesprochen. Denn was für die Einwohner das jähe Ende bedeutete, wurde später für die Wissenschaft zum Glücksfall – die Vulkanasche konservierte die stolze Stadt im Moment ihres Untergangs. Daher lassen sich heute zahlreiche Details zur Lebenswelt vor zwei Jahrtausenden ermitteln.

Sex in der Antike: »Tausend Spiele kennt Venus«

In der druckfrischen Ausgabe schildert Martin, wie ein verzweifelter Mann zu flüchten versuchte , als Steinhagel und Glutlawinen Pompeji trafen – ein Grabungsteam hat seine letzten Stunden rekonstruiert. Frank recherchierte die Umtriebe von Raubgräbern , denn Fresken, Statuen und Schmuck aus der Ruinenstadt sind heute ein Millionengeschäft, für das sich auch die Mafia interessiert.

Das neue Heft: Jetzt überall, wo es gute Magazine gibt, digital hier

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SPIEGEL-Autorinnen und Wissenschaftler beschreiben auch die damalige Wohnsituation  (angespannt), die Lage der Versklavten  (besser als gemeinhin angenommen), die ärztliche Versorgung  (nur für Mutige) oder das Zechen und Zocken in Tavernen  (nicht durchweg friedlich).

Geschichte-Redakteurin Katja Iken berichtet über Sexualität im römischen Alltag, zwischen Schamhaftigkeit, Fleischeslust und derben erotischen Darstellungen: »Tausend Spiele kennt Venus« . Allerlei Drogen gab es auch bereits – für den Rausch alla romana . Und Peter Ahrens schreibt über Fankrawalle im Amphitheater ; schon in der Antike gingen Zuschauer von Gladiatorenkämpfen aufeinander los. Dieser Beitrag verpasste Heftredakteur Martin auch einen Ohrwurm: Wenn die Fußballmannschaft des SSC Neapel zu Auswärtsspielen antritt, singen gegnerische Fans bis heute gern »O Vesuvio, lavali col fuoco« (»O Vesuv, wasche sie mit Feuer«) – fies, aber leider eingängig.

Königin Fußball

Apropos, damit zum Spocht: Haben Sie Mittwochabend auch dieses mitreißende, intensive, hochklassige Halbfinale gesehen? 2:1 gewannen die deutschen Fußballerinnen gegen Frankreich und können nun Europameisterinnen werden, es wäre bereits das neunte Mal. Die Partie entschied Alexandra Popp, Kapitänin und dienstälteste Spielerin. Heute kaum vorstellbar, dass es noch wenige Jahre vor ihrer Geburt gar keine Nationalelf gab – weil der DFB das jahrzehntelang verhindert hatte. Es ist eine Geschichte von Fußballfunktionären zum Fremdschämen.

Umso schöner eine wenig bekannte Episode von 1981: Mangels Nationalteam reiste der beste deutsche Klub, die SSG 09 Bergisch Gladbach, zur inoffiziellen WM nach Asien. Prompt gelang den Frauen um Spielertrainerin Anne Trabant-Haarbach das »Wunder von Taipeh«. Drei Jahre später holten sie den Pokal gleich noch einmal. Und das kam so .

Falls Sie am Sonntagabend beim EM-Finale Deutschland gegen England mitfiebern: Die Pionierinnen der Fünfziger- bis Achtzigerjahre haben diesen Spielerinnen den Weg freigeräumt, sie ließen sich von keinem Verbands-Apparatschik den Ball wegnehmen.

Sie müssen noch Ihren Koffer packen? Vielleicht hilft Ihnen dabei, was berühmte Abenteuerreisende in ihr Gepäck taten . Die passende Sommer- und Urlaubslektüre ist natürlich unser aktuelles Heft »Die letzten Tage von Pompeji«. Bleiben Sie gesund und schreiben uns gern unter spiegelgeschichte@spiegel.de . Und wenn Sie unseren Newsletter bestellen möchten, klicken Sie einfach hier .

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