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Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Neues von gestern – der Geschichte-Newsletter Die Deutschen und der Sklavenhandel

Sklaven? Gab's in Deutschland nicht. Noch vor einigen Jahren hätten selbst Fachleute das so unterschrieben. Doch nun ist die Forschung weiter und weiß: Deutsche Adelige und Bürger waren tief verstrickt in die Sklavenwirtschaft.

Liebe Leserin, lieber Leser,

seit Dienstag liegt die neue Ausgabe von SPIEGEL GESCHICHTE am Kiosk. Und wir sind ziemlich sicher: Über die Themen, über die wir darin schreiben, wussten Sie bisher noch wenig bis gar nichts. Denn wenn es um Deutschlands Rolle im System der Sklaverei geht, waren selbst Fachleute bis vor Kurzem sicher: Damit hatten wir nichts zu tun.

Doch neuere Forschungen zeigen: Deutsche waren von Beginn an tief verstrickt in die Sklavenwirtschaft . Sie lieferten Rohstoffe, die in Afrika gegen Menschen getauscht wurden , sie besaßen Plantagen in der Karibik, auf denen Versklavte schuften mussten , und sie verschleppten unfreie Menschen in deutsche Lande .

Waren das nur wenige Ausnahmefälle? Nein, auch das stimmt nicht: »Deutsche waren massenhaft am Sklavengeschäft beteiligt«, sagt die Bremer Historikerin Rebekka von Mallinckrodt, Expertin für die deutsche Verwicklung in die Sklaverei, die wir für das Heft interviewt haben . Allein in der niederländischen Kolonie Surinam waren rund ein Drittel der europäischen Einwohner deutsch – Sklavenhaltung war dort Alltag. Und ihr Kollege Michael Zeuske berichtet, wie er in kubanischen Archiven immer wieder auf Namen deutscher Sklavenhalter stößt, die bisher nicht bekannt waren.

Und wussten Sie, dass die Sklaverei schon nach dem Ende der Antike einfach weiterging? Die mittelalterlichen Franken verdienten gutes Geld mit dem Menschenhandel , ebenso die Wikinger . Es gibt sogar Historiker, die glauben, damit sei die Basis für den europäischen Wohlstand gelegt worden.

Zwangsarbeiter im kolonialen Deutsch-Ostafrika, ca. 1906/1914

Zwangsarbeiter im kolonialen Deutsch-Ostafrika, ca. 1906/1914

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Dobbertin; Walther / Bundesarchiv, Signatur Bild 105-DOA3491

Sie selbst habe bei der Arbeit an diesem Heft viel dazu gelernt, schrieb unsere Kollegin Jasmin Lörchner auf Twitter  – sie hat gemeinsam mit Frank Patalong das Heft konzipiert. Die Debatte über die Deutschen in der Sklavenwirtschaft beginnt gerade erst, die aktuelle Ausgabe von SPIEGEL GESCHICHTE liefert das nötige Hintergrundwissen dafür.

Es gibt auch eine Verbindung zu einem zweiten Heft, das wir Ihnen ans Herz legen wollen: Die brandenburgischen Hohenzollern waren als Akteure nämlich ebenfalls im Sklavengeschäft aktiv . Aber das ist eher ein Seitenaspekt der Geschichte dieser Dynastie und des Landes Preußen.

In der aktuellen Ausgabe von SPIEGEL GESCHICHTE EDITION erzählen wir, wie aus einem lokalen Herrschaftsgebiet erst ein Königreich und dann eine europäische Weltmacht wurde . Wir zeichnen nach, wie sich Preußens Gesellschaft entwickelte, wie die Bauern gegen die Junker rebellierten , wie die Herrscher die demokratische Revolution von 1848 niederschlugen  und wie Berlin zur Großstadt  und später zur Metropole des Nachtlebens  wurde. Der Historiker Stephan Malinowski erklärt im Interview, warum wir die Bedeutung Preußens für die deutschen Geschichte überbewerten  – und unser Kollege Dirk Kurbjuweit hat sich Gedanken darüber gemacht, ob preußische Tugenden wieder in Mode kommen sollten  (Spoiler: nein!).

Wir schlagen also für das kommende Wochenende folgenden Plan vor: zum gut sortierten Kiosk Ihres Vertrauens gehen und eines oder am besten beide Hefte kaufen (oder schnell noch online bestellen ), dann heißen Tee kochen, in eine Decke einkuscheln und ab aufs Sofa und lesen. Es ist ja jetzt auch offiziell Herbst …

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre. Und wenn Sie alle zwei Wochen unseren Newsletter erhalten möchten, klicken Sie bitte hier . Feedback gern direkt an uns unter spiegelgeschichte@spiegel.de , wir melden uns in zwei Wochen wieder!

Ihr SPIEGEL-GESCHICHTE-Team

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