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Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Neues von gestern – der Geschichte-Newsletter Liberté, Égalité, Fragilité

Gut ein Drittel hat in Frankreichs erster Wahlrunde für Rechtsaußen votiert. Kann Marine Le Pen Präsident Emmanuel Macron verdrängen? Und warum ticken die Franzosen so extrem?

Liebe Leserin, lieber Leser,

wir haben ziemlich erleichtert aufgeatmet am Sonntagabend, als klar war, dass Emmanuel Macron die Wahl in Frankreich gewonnen hatte, nicht die rechtsextreme Kandidatin Marine Le Pen. Im ersten Wahlgang hatte es noch knapper ausgesehen. Und wir fragten uns: Wie kommt das eigentlich, dass die Franzosen und Französinnen so extrem ticken? Gibt es historische Erklärungen dafür?

Wie der Vater, so die Tochter: Jean-Marie und Marine Le Pen (2015)

Wie der Vater, so die Tochter: Jean-Marie und Marine Le Pen (2015)

Foto: YOAN VALAT / EPA

Katja Iken aus dem Geschichte-Team rief den Historiker und Frankreichkenner Matthias Waechter an und sprach mit ihm genau darüber. Und auch, wenn die Wahl dann doch auf Macron fiel, dieses Hintergrundwissen lohnt sich. Das ganze Interview lesen Sie hier. 

Ist Ihnen etwas aufgefallen? Genau, zum ersten Mal seit mehreren Ausgaben fängt dieser Newsletter nicht mit dem Ukraine-Krieg an. Aber natürlich beschäftigt uns vom Geschichte-Team beim SPIEGEL der Konflikt weiter, immer noch sind Historikerinnen und Politikwissenschaftler äußerst hilfreich, wenn es darum geht, den Krieg und seine historischen Dimensionen einzuordnen und zu verstehen. Deshalb möchten wir Ihnen auch diese Woche wieder einige Gespräche zum Lesen empfehlen, Sie wissen schon, Hintergrundwissen und so:

Mit dem Konfliktforscher Andreas Heinemann-Grüner sprachen wir darüber, welche Auswege es aus dem Krieg geben kann. Er sagt: Eine Blaupause gibt es nicht, aber verschiedene Arten, wie man den Konflikt befrieden kann. Und zudem: Eine auch militärische Stärkung der Ukraine sei dafür unerlässlich. Hier lesen Sie mehr. 

Vom Potsdamer Militärhistoriker Sönke Neitzel wollten wir wissen, mit welchem historischen Szenario die russische Großoffensive gegen die Ukraine vergleichbar ist. Ihm fiel der sowjetisch-finnische Winterkrieg von 1939 ein, allerdings warnt er auch vor zu viel historischer Parallelsetzerei: Vergleiche Putins mit Hitler oder Stalin halte er für »völlig unsinnig«. Bitte hier entlang, wenn Sie mehr wissen wollen. 

Und der Bildhistoriker (ja, die gibt es auch) Gerhard Paul erklärte im Interview, ob und wie weit man den oft grausamen und immer eindrücklichen Fotos aus dem Krieg trauen darf, etwa jenen der Opfer in Butscha. Die Bilder gäben keinen unverstellten Blick auf die Realität, warnt Paul, sie verfolgten immer einen Zweck: »Beim Betrachten dieser Bilder haben wir den Eindruck, unmittelbar am Geschehen zu sein – das ist ihre Funktion. Sie sind die höchste Stufe der Emotionalisierung, weil sie uns zur Identifikation anregen oder sogar zwingen«, sagt Paul. Das erklärt er auch mit der Rolle, die Kriegsfotografie in früheren Kriegen und Konflikten spielte .

Nach einem weiteren Thema haben uns viele historisch interessierte Leserinnen und Leser gefragt: Stepan Bandera, der umstrittene Nationalheld der Ukraine – und wie er historisch einzuordnen ist. Der Historiker Grzegorz Rossoliński-Liebe erklärt die verwickelte Geschichte in einem Gastbeitrag .

Falls Sie nach historischem Lesestoff suchen, der Hintergrundwissen liefert, aber nicht unmittelbar mit dem aktuellen Geschehen zu tun hat, empfehlen wir Ihnen noch einmal die aktuelle Ausgabe von SPIEGEL GESCHICHTE: Der Islam im Mittelalter – vom Aufstieg einer neuen Macht. Bestellen können Sie das Heft unkompliziert hier. 

Wir melden uns in zwei Wochen wieder. Genießen Sie den Frühling, und wenn Sie uns schreiben mögen, richten Sie Ihre Mail an spiegelgeschichte@spiegel.de .