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Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Neues von gestern – der Geschichte-Newsletter Sommercocktail gegen kognitive Dissonanz

Warum sich Sonne, Freibad, Ferien gerade für viele seltsam anfühlen, was dagegen helfen könnte: das und mehr im Newsletter.

Liebe Leserin, lieber Leser,

draußen Sommer, große Ferien, Schwimmbadwetter – und gleichzeitig immer noch Corona, immer noch Klimawandel, immer noch Krieg in der Ukraine. Wenn Sie das alles auch nicht so richtig zusammenkriegen, können wir Ihnen zumindest den Fachbegriff für das komische Gefühl liefern, das diese Widersprüchlichkeit hervorruft: kognitive Dissonanz. Und für ein paar Momente der Vereinbarkeit können wir vielleicht auch sorgen: Setzen Sie sich draußen in den Schatten und lesen Sie etwas zu einem der obigen Themen. Zum Beispiel bei SPIEGEL GESCHICHTE, zum Beispiel über die Ukraine.

Größeren Ärger gab es ja um Andrij Melnik. Der (mittlerweile abberufene) ukrainische Botschafter in Deutschland hatte sich wieder einmal fragwürdig über Stepan Bandera geäußert, der in der Zeit unter deutscher Besatzung mit Nationalsozialisten kollaborierte. Die Historikerin Franziska Davies hat bei uns einen Gastbeitrag dazu veröffentlicht: Es sei inakzeptabel, dass Melnyk den Faschisten Bandera verteidigt. Und doch sollten sich die Deutschen ihren erhobenen Zeigefinger sparen, meint sie. Hier lesen Sie den gesamten Text. 

Zu wissen, wie genau die deutsche mit der ukrainischen Geschichte zusammenhängt, ist natürlich nicht nur beim Thema Bandera nützlich. Die heutige Stadt Lwiw hieß früher Lemberg und gehörte zum Habsburgerreich, nach dem Ersten Weltkrieg wurde sie polnisch. Als Deutschland und die Sowjetunion Polen im August 1939 untereinander aufteilten (durch den »Hitler-Stalin-Pakt«, auch »Molotow-Ribbentrop-Pakt« genannt), wurde Lwow, wie der Ort nun hieß, von sowjetischen Truppen besetzt.

1941 kamen dann die Deutschen und errichteten in Lemberg nicht nur ein Konzentrationslager, in dem sie Jüdinnen und Juden ermordeten. Sie installierten auch ein Lager für sowjetische (unter ihnen auch viele ukrainische) Kriegsgefangene. Im »Stammlager 328« wurden Soldaten unter unvorstellbaren Bedingungen eingesperrt – und von den Deutschen systematisch ausgehungert. Allein dort starben mehr als 100.000 Menschen, bis die Rote Armee das Lager im Sommer 1944 befreite, beschreibt der Autor Lutz C. Kleveman .

Zu düster für strahlenden Sonnenschein? Geschichte kann man sich nicht aussuchen, noch weniger als die Gegenwart. Aber wenn Ihnen der Sinn nach Leichterem steht, haben wir auch etwas im historischen Angebot: unsere neue Rubrik »Schräge Geschichte«. Dieses Format ist so was wie der Sommercocktail unter den SPIEGEL-GESCHICHTE-Geschichten und liefert, was der Titel verspricht. In der aktuellen Folge ist unser Kollege Danny Kringiel der Merkwürdigkeit nachgegangen, dass im Städtchen Circleville im amerikanischen Bundesstaat Ohio auffällig viele Straßen und Plätze nach Hitler benannt sind. Wie das kommt? Das erfahren Sie hier .

Wir melden uns in zwei Wochen wieder, behalten Sie einen kühlen Kopf, schreiben Sie uns gern (wir freuen uns!) unter spiegelgeschichte@spiegel.de . Und wenn Sie unseren Newsletter bestellen möchten, klicken Sie einfach hier .

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