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Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Neues von gestern – der Geschichte-Newsletter Wie reich sind die Royals?

Ihr Königshaus kennen Briten als »die Firma«, die Chefin hat das Betriebskapital robust gemehrt und bewacht. Multimillionärin oder gar Milliardärin – die Schätzungen zum Vermögen von Queen Elizabeth haben eine enorme Spanne.

Liebe Leserin, lieber Leser,

immer wenn die Sprache auf die derzeit dominante Corona-Variante kommt, ist eine Kollegin für einen Moment irritiert: Bei Omikron denkt sie nicht zuerst an das fiese Virus, sondern an eine (Ur-) Großmutter mit Krone. Es handelt sich um, nun bitte einmal durchatmen und laut mitsprechen: »Elizabeth the Second, by the Grace of God, of the United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland and of Her other realms and territories Queen, Head of the Commonwealth, Defender of the Faith«.

Seit sieben Jahrzehnten ist Elizabeth II. Königin und wird Anfang Juni ihr Thronjubiläum feiern, sofern ihr Gesundheitszustand es zulässt. Zugleich ist sie Geschäftsführerin eines mittelständischen Unternehmens, des Hauses Windsor, auch bekannt als »die Firma«. Und als Chefin hat sie das Betriebskapital so robust gemehrt wie bewacht, nicht zuletzt gegen steuerliche Zumutungen. Reich ist die Queen ohne Frage – aber wie reich? Multimillionärin oder gar Milliardärin?

Well, it depends, lautet die Antwort des Kollegen Sebastian Borger: Es hängt ganz davon ab, was man zum royalen Vermögen zählt. Als er das Königshaus einem Finanz-Check unterzog , stieß er auf einen Dunst von obskuren Ausnahmen, Traditionen und historischer Geheimniskrämerei. Die Besitztümer reichen von pompösen Schlössern bis zu einer Briefmarkensammlung (Schätzwert 100 Millionen Pfund), von einem Fuhrpark an Autos bis zu Herden von Rennpferden. Von vielen lästigen Steuern ist das Königshaus befreit, schreibt unser Londoner Autor, und die Queen-Bezüge kennen »nur eine Richtung: aufwärts«.

Beim Krieg in der Ukraine ist weiterhin kein Ende in Sicht. Am »Tag des Sieges« über Nazideutschland, den Russland am Montag feierte, konnte Wladimir Putin keinen militärischen Triumph verkünden. Er verbreitete aber neuerlich seine propagandistische Sicht, zog Parallelen zwischen dem russischen Angriff auf die Ukraine und dem Kampf der Roten Armee gegen Hitler. »Was in Russland als ›historische Wahrheit‹ gilt, kann der Staat willkürlich festlegen. Es sind Mechanismen einer Diktatur «, analysiert Geschichte-Redakteur Christoph Gunkel. »Geschichte wird zur Waffe nach innen, ein Instrument erzwungener Identitätsfindung. Die Waffe kann sich aber auch nach außen richten, wenn sich aus dem verordneten Geschichtsbild politische Ziele ableiten.«

Den Überfall auf die Ukraine versucht der Kreml mit der Behauptung zu rechtfertigen, dort seien Nazis am Werk – obwohl der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj aus einer jüdischen Familie stammt. Die bizarre Geschichtsschreibung erweiterte Außenminister Sergej Lawrow, indem er uralte Gerüchte vom angeblich »jüdischen Blut« Hitlers streute; wenige Tage später soll Putin sich dafür per Telefonat beim zornigen israelischen Ministerpräsidenten Naftali Bennett entschuldigt haben. Die Mutmaßung, ein Großvater Hitlers sei Jude gewesen, kursiert bereits seit den Zwanzigerjahren und blieb immer unbewiesen. Letztlich verliere sie sich »im Mangel überprüfbarer Quellen, im Nebel unvollständiger Archive des 19. Jahrhunderts und einer höchst komplizierten Familiengeschichte«, schreibt unsere Kollegin Solveig Grothe .

Sie ging auch einer weiteren sonderbaren Frage nach: Warum tragen deutsche Panzer Raubtiernamen?  In der Debatte um die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine geht es um Kettenfahrzeuge, die Marder, Gepard oder Leopard heißen. Schon im Zweiten Weltkrieg hatte das Deutsche Reich Tiger und Panther in den Vernichtungskrieg geschickt. Die Tiernamen seien »heute ein Brauch, nicht Tradition«, äußerte das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr etwas spitzfindig – und will damit klarstellen, dass diese Namensgebung politisch unverdächtig sei, die Bundeswehr also keineswegs in der Tradition der Wehrmacht stehe.

Die nächste SPIEGEL-GESCHICHTE-Ausgabe zum Thema »Kriegsgefangene – die vergessenen Soldaten des Zweiten Weltkriegs« wird bereits gedruckt. Bis sie am 24. Mai erscheint, erhalten Sie das Heft über den Islam im Mittelalter weiterhin beim Zeitschriftenhändler Ihres Vertrauens – oder können es hier bestellen . In zwei Wochen kommt der nächste Newsletter. Wir freuen uns über Mails, schreiben Sie uns gern unter spiegelgeschichte@spiegel.de .