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Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Neues von gestern – der Geschichte-Newsletter Wir wissen, was Sie letzte Woche besprochen haben (oder?)

Liebe Leserin, lieber Leser,

Von Eva-Maria Schnurr und Jochen Leffers, Ressortleitung SPIEGEL GESCHICHTE

wir würden ja fast wetten, wir wissen, worüber Sie kürzlich gesprochen haben. Oder zumindest nachgedacht haben. Halloween. Wann das eigentlich angefangen hat. Ob es da historische Wurzeln gibt. Oder ob die Gruselparty eine Erfindung der Kostüm- und Schminkehersteller war, um den Absatz abseits der üblichen Verkleidungssaison zu steigern. Haben Sie besprochen/bedacht? Vielleicht wenigstens so ähnlich? Na gut, also wir haben diese Gespräche in verschiedenen Varianten geführt. Und deshalb unseren Kollegen Frank Patalong gebeten, der Sache mal nachzugehen.

Frank hat familiäre Beziehungen nach Irland, ist allein dadurch also definitiv ein Experte. Denn ein paar der Wurzeln dieses Fests sind keltisch (das Samhain-Fest), und in Irland gibt es heute noch (bzw. wieder) Orte, die feiern Halloween mindestens ebenso heftig wie die Kölner ihren Karneval. Unter der Überschrift »Ist das keltisch, katholisch oder Kokolores«  hat Frank zusammengetragen, was man über die Ursprünge des Spektakels eigentlich genau weiß und wie es vor einigen Jahren (über den Umweg USA) nach Deutschland schwappte, sein Text sei hier sehr zum Lesen empfohlen.

Aber, mal ganz generell: Wäre es eigentlich schlimm, wenn Halloween schlicht eine Erfindung feierlustiger Menschen der Neuzeit gewesen wäre? Irgendwann muss jede Tradition ja mal angefangen haben.

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Rolex dela Pena / EPA

Auch die Sache mit dem Graffiti hat mal begonnen, Mitte der Sechzigerjahre in den USA, sagen Kundige. In den Achtzigerjahren schwappte die Spray-Kunst-Welle nach Deutschland – und die Städte wurden zur Leinwand. Wie es in Hamburg losging mit der anfangs höchst illegalen Jugendkultur, das haben Pioniere der Szene in einem opulenten (und schweren: 4,7 Kilogramm wiegt das Buch) Bildband dokumentiert.

Unsere Kollegin Katja Iken traf zwei der Macher. Auf Kampnagel, einer alten (mittlerweile zur Kreativstätte mutierten) Fabrik, bestaunte sie die Pieces und Tags von einst, wie die Graffiti und Markierungen in der Szenesprache heißen. Viel ist es nicht mehr, was aus der Anfangszeit der Hamburger Graffiti erhalten ist, schließlich sind die Sprühwerke gerade durch ihre Vergänglichkeit geprägt. Aber man ahnt, mit welcher Energie die meist jungen Männer damals zu Werke gingen – und mit welchen Schwierigkeiten die Bildbandmacher zu kämpfen hatten: »Eigentlich haben sie sich eine Quadratur des Kreises vorgenommen«, sagt Katja, »eine auf Verborgenheit und Vergänglichkeit gepolte Ausdrucksform zu dokumentieren und so dauerhaft greifbar zu machen«. Das Verrückte: Es klappte. Katjas Text (klicken Sie unbedingt auch auf die Bildstrecke darin!) lesen Sie hier .

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EINE STADT WIRD BUNT

Wenn Sie mögen, lesen Sie uns in zwei Wochen wieder. Feedback (zum Beispiel: Haben Sie wirklich über Halloween gesprochen?) und Anregungen erreichen uns unter der Mailadresse spiegelgeschichte@spiegel.de .

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Rykoff Collection / Getty Images

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