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aus SPIEGEL Geschichte 2/2021
Falsches Idyll: Amely Johannes war die Gattin des Stationschefs der Stadt Moshi im damaligen Deutsch-Ostafrika (siehe Titelbild), dem heutigen Tansania. In ihrer Freizeit ging sie auf die Jagd. Für Deutsche bedeutete der Dienst in den Kolonien oft sozialen Aufstieg – er war mit Ausbeutung erkauft.

Falsches Idyll: Amely Johannes war die Gattin des Stationschefs der Stadt Moshi im damaligen Deutsch-Ostafrika (siehe Titelbild), dem heutigen Tansania. In ihrer Freizeit ging sie auf die Jagd. Für Deutsche bedeutete der Dienst in den Kolonien oft sozialen Aufstieg – er war mit Ausbeutung erkauft.

Foto:

Sammlung Hans Meyer / SLUB Dresden / Deutsche Fotothek

Deutschland – eine Kolonialmacht? Das war das Kaiserreich seit 1884 ohne Frage. Doch während 2020 die »Black Lives Matter«-Bewegung die Folgen des Kolonialismus und der Sklaverei in den USA und in England lautstark thematisierte, blieb es in Deutschland merkwürdig ruhig. Das mag auch mit Unwissen oder falschen Vorstellungen zu tun haben: Bei vielen kamen die deutschen Kolonien im Geschichtsunterricht kaum zur Sprache, in der öffentlichen Debatte ebenso wenig. Und so behaupten einige bis heute, Deutschland sei kolonial unbedeutend oder weniger aggressiv gewesen als andere Staaten.

Dieses Heft erklärt, welche Rolle Deutschland im Kolonialismus  tatsächlich gespielt hat – und warum die Wirkungen des Systems globaler Ungleichheit  auch hierzulande bis in die Gegenwart reichen. Es zeigt, dass der Wunsch nach Beherrschung ferner Länder  nicht »von oben« aus der Politik kam, sondern in der Gesellschaft tief verwurzelt war. Es erläutert, warum der Rassismus eine entscheidende Grundlage für die koloniale Ausbeutung war (zum Artikel ). Und es macht deutlich, welche Verbrechen deutsche Beamte  und Soldaten  in den Kolonien begingen.

Im Mittelpunkt dieses Heftes steht die Perspektive der Menschen aus den Kolonien: Am Beispiel der Schicksale einzelner Personen und der Schilderungen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen beschreiben wir, was die Einheimischen nach der Besetzung ihrer Länder durch die Deutschen erlebten (zum Artikel ), wie sie etwa von Missionaren behandelt  wurden oder warum sie sich gegen die Besatzer wehrten  .

In der Gesamtschau wird deutlich: Die Deutschen profitierten nicht erst seit 1884 vom Kolonialismus, und der koloniale Gedanke endete nicht 1918. Eine gesellschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Kapitel der Vergangenheit ist überfällig – dieses Heft liefert dafür Impulse.

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre, Ihr Team von SPIEGEL GESCHICHTE

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