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Hausmitteilung Gebrochen an Körper und Seele

aus SPIEGEL Geschichte 3/2022
Kapitulation: Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs ergaben sich Hunderttausende deutsche Soldaten, wie hier in Remagen im März 1945. Die US-Armee errichtete daraufhin die »Rheinwiesenlager«, in denen sie etwa eine Million Deutsche inhaftierte.

Kapitulation: Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs ergaben sich Hunderttausende deutsche Soldaten, wie hier in Remagen im März 1945. Die US-Armee errichtete daraufhin die »Rheinwiesenlager«, in denen sie etwa eine Million Deutsche inhaftierte.

Foto: Bridgeman Art Library

Hunger, Angst und harte Arbeit gehörten zum Haftalltag der etwa 35 Millionen Kriegsgefangenen im Zweiten Weltkrieg. Unter ihnen waren mehr als elf Millionen Deutsche; die letzten kehrten erst Mitte der Fünfzigerjahre nach Hause zurück. Viele verdrängten das Erlebte, andere schwiegen aus Scham, weil sie im deutschen Rassen- und Vernichtungskrieg Schuld auf sich geladen hatten. Vor ihren Angehörigen aber konnten die Zurückgekehrten ihr Leid häufig nicht verbergen. Sie wachten nachts schreiend auf, weil sie Albträume hatten, oder ertränkten ihre Sorgen in Alkohol.

Heute hat ein Großteil der Deutschen einen Vater, Großvater oder Urgroßvater , der selbst Kriegsgefangenschaft erlebt hat. In dieser Ausgabe möchten wir den Erlebnissen und Erinnerungen unserer Vorfahren  nachspüren, deren Traumata viele Nachkommen bis in die Gegenwart beschäftigen . Zugleich zeigt das Heft aber auch, welche Qualen Millionen ausländische Kriegsgefangene in deutschen Lagern auszuhalten hatten, wo sie Zwangsarbeit leisten mussten . Mitunter kam es zu Massenmorden durch Aushungern  oder Vergasung .

Die Täter kamen in den allermeisten Fällen ungestraft davon. Erst jetzt wird die Justiz tätig: Seit April dieses Jahres ermitteln deutsche Staatsanwaltschaften gegen deutsche Wachleute aus Wehrmacht-Kriegsgefangenenlagern. Im Gespräch erklären die Historikerinnen Elke Gryglewski und Barbara Stelzl-Marx, warum das Thema Kriegsgefangenschaft in Deutschland und Österreich jahrzehntelang verdrängt wurde .

Zu den Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkriegs zählten neben männlichen Frontkämpfern auch sowjetische Soldatinnen , Wissenschaftler  und jüdische Flüchtlinge aus Deutschland, die in Großbritannien als »feindliche Ausländer« verfolgt  wurden – auch ihr Schicksal beschreibt dieses Heft.

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre!

Ihr Team von SPIEGEL GESCHICHTE

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