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Geschichte-Podcast So rettete Astronom Johannes Kepler seine Mutter vor der Hinrichtung als Hexe

Der berühmte Gelehrte Johannes Kepler forschte über die Erde, Planeten und Sterne. 1615 stellte er sich einer ganz anderen Herausforderung: seine Mutter vor dem Scheiterhaufen zu bewahren.

Durch geschlossene Türen soll sie gegangen sein, unheilvolle Tinkturen gebraut haben, die Krankheit verbreiteten, selbst Wein soll sie verhext haben – das behaupteten im Jahr 1615 Nachbarn über Katharina Kepler. Es hätte ein Hexenprozess wie viele andere zu jener Zeit werden können, wäre nicht zufällig der Sohn der Angeklagten Johannes Kepler gewesen, einer der berühmtesten Astronomen der Weltgeschichte. Und der übernahm persönlich die Verteidigung seiner Mutter: auf erstaunliche, höchst eindrucksvolle Weise .

Ein Jahr lang nahm Kepler sich eine Auszeit von der Forschung, um die Anschuldigungen gegen seine Mutter zu studieren, sich mit den Anklägern vertraut zu machen und juristische Ratschläge einzuholen. Mit streng rationalen Argumenten versuchte er, die Glaubwürdigkeit der Anklage anzufechten – auch wenn einige seiner vermeintlich streng wissenschaftlichen Gedankengänge aus heutiger Sicht kaum weniger befremdlich wirken als der Hexenglaube: So diskreditierte der Wissenschaftler etwa eine Anklägerin damit, diese habe ihre Monatsblutung unterdrückt, wodurch Blut aus ihrem Körper verdunsten wolle und so Verwirrung im Kopf erzeuge.

Familienangelegenheit: Der Wissenschaftler Johannes Kepler kämpfte darum, dass seine Mutter (neben Henker und Folterwerkzeugen) nicht hingerichtet wurde (späteres Fantasiebild)

Familienangelegenheit: Der Wissenschaftler Johannes Kepler kämpfte darum, dass seine Mutter (neben Henker und Folterwerkzeugen) nicht hingerichtet wurde (späteres Fantasiebild)

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akg-images / Science Source

»Diese Theorie war auf der Höhe der Zeit«, sagt die Geschichtsprofessorin Ulinka Rublack im Podcast-Interview, »Kepler hatte sich sogar beraten lassen, um medizinisch auf der Höhe der Zeit zu sein.« Allerdings sei Kepler schlau genug gewesen, keinen »Realitätsfetischismus« zu betreiben, erklärt die Historikerin weiter: »Er war klug genug, darüber nachzudenken, wo die Fragen, was rational ist und was Glaube, auch verschwimmen kann.« So stellte Kepler etwa in seiner umfangreichen Verteidigungsschrift nie den damals verbreiteten Hexenglauben an sich infrage.

Mit Erfolg: Am Ende sollte Katharina Kepler tatsächlich der Folter oder gar der Hinrichtung entgehen – allerdings auf einem anderen Weg, als ihr Sohn es wohl vorgesehen hatte.

Über den Podcast

Alle zwei Wochen gibt es einen ausgewählten historischen Artikel und die Geschichte dahinter – erzählt von den Autorinnen und Autoren und der Redaktion von SPIEGEL Geschichte. Außerdem können Sie zu jeder neuen Ausgabe von SPIEGEL Geschichte ein ausführliches Gespräch zum Titelthema hören.

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