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"Ich lebte mit Elvis in einer Seifenblase!"

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Priscilla Presley "Im Herzen blieb Elvis der Junge vom Land"

Elvis Presley wurde am 8. Januar 1935 geboren, Priscilla Presley als seine Ehefrau selbst weltberühmt. Hier erzählt sie vom ersten Treffen mit dem "King", dem Leben auf Graceland, Elvis' frühem Tod und seinem Erbe.
Ein Interview von Alex Gernandt
Zur Person
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Priscilla Presley (geboren am 24. Mai 1945 in New York) lebte mit ihrer Mutter Anna und Stiefvater Paul Beaulieu, einem kanadischen Luftwaffenoffizier, in Wiesbaden und lernte 1959 Elvis Presley kennen. Nach seinem Austritt aus der US-Army zog Priscilla zum "King" nach Graceland. 1967 heirateten sie in Las Vegas, 1968 wurde Tochter Lisa Marie geboren. 1973 ließen das Paar sich scheiden, am 16. August 1977 starb Elvis Presley mit erst 42 Jahren an Herzversagen. Im Januar 2020 hätte er seinen 85. Geburtstag gefeiert. Die Schauspielerin verwaltet sein Erbe.

SPIEGEL: Mrs. Presley, auch heute ist Elvis unvergessen. Erinnern Sie sich an Ihr erstes Treffen?

Priscilla Presley: Das war 1959. Ich lebte mit meiner Familie in Wiesbaden. Mein Vater war als Luftwaffenoffizier der kanadischen Armee in Deutschland stationiert, Elvis als GI der US-Army. Eines Tages durfte ich ihn zu Hause in Bad Nauheim besuchen, wo er mit seinem Vater Vernon und seiner Großmutter Minnie wohnte. Seine geliebte Mutter Gladys war im Jahr zuvor verstorben. Ich war 14, total schüchtern und nervös, denn Elvis war ja bereits ein berühmter Star.

SPIEGEL: Waren Sie Elvis-Fan?

Presley: Nicht direkt - aber wie fast alle Mädchen in dieser Zeit fasziniert von ihm. Ich hörte seine Songs, hatte ihn im Film "Love Me Tender" gesehen. Niemals hätte ich gedacht, dass wir mal ein Paar werden würden. Als ich ihm vorgestellt wurde, war mein erster Gedanke: Oh mein Gott, der sieht ja noch besser aus als auf Fotos! Elvis war sehr nett, höflich und zuvorkommend, ein echter Gentleman. Das hat mich beeindruckt. Wir haben uns über alles Mögliche unterhalten. Er gab mir dabei ein gutes Gefühl, ich fühlte mich nicht mehr so unsicher.

SPIEGEL: Was können Sie über den privaten Elvis verraten?

Presley: Da er überall, wo er in der Öffentlichkeit auftauchte, im Mittelpunkt stand, war ihm seine Privatsphäre äußerst wichtig. Deshalb hat er sich nach jedem Auftritt, jeder Tour nach Graceland zurückgezogen. Nur hinter den bewachten Toren hatte er seine Ruhe. Es war sein Rückzugsort. Ich kam mir auf Graceland vor wie in einer Seifenblase. Wir konnten nie ausgehen, in Restaurants oder ins Kino, weil er überall von Menschen umringt wurde. Manchmal mietete Elvis spätabends ein ganzes Kino nur für uns. Wir mussten unser Privatleben anders gestalten. Ich kann es eigentlich gar nicht unser Leben nennen, denn ich lebte sein Leben - Elvis war der Anführer, und ich folgte ihm.

SPIEGEL: Graceland ist heute eine Touristenattraktion. Wie war das Anwesen damals?

Presley: Es gab Luxus im Überfluss, eine Köchin, Bedienstete, ein Gym, den Fernsehraum mit mehreren TV-Geräten, ein Musikzimmer, den Jungle Room mit tropischen Pflanzen, sogar eine Pferdekoppel. Und auf dem Gelände parkte ein Privatflugzeug. Ab und zu flogen wir auch mal Linie. Aber die anderen Passagiere wurden unruhig, sobald sie erfuhren, dass Elvis Presley an Bord ist (lacht). Trotz all des Luxus war dieses Leben nicht immer einfach für mich.

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"Ich lebte mit Elvis in einer Seifenblase"

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SPIEGEL: Wie haben Sie Elvis erlebt?

Presley: Er war ein guter, großherziger Mensch. Aber eben auch ein Loner, ein Einzelgänger, der nur wenige an sich ranließ. Im Herzen ist er immer der Junge vom Land geblieben. Die Glamourwelt war ihm suspekt. Elvis war real und das Showbiz in seinen Augen oftmals fake, falsch! Er fühlte sich zeitlebens oft unverstanden. Sein Aufstieg begann Mitte der Fünfzigerjahre, da war er noch sehr jung. Die Presse hat ihn verteufelt, als Rebell, der die Jugend verderbe. Prediger sagten, er sei der Teufel. Das hat ihm schwer zugesetzt, seiner Mutter auch. Von da an hat er Medien stets misstraut.

SPIEGEL: Unter Ihrer Obhut erschien das Elvis-Album "The Wonder Of You", darauf begleitet das Londoner Royal Philharmonic Orchestra seine Stimme. Die Aufnahmen liefen in den Abbey Road Studios, dem Stammstudio der Beatles, die Elvis verehrten.

Presley: Ja, Elvis hat die Beatles zu Beginn stark beeinflusst - aber auch jede Menge anderer Künstler wie Bruce Springsteen, David Bowie oder Robert Plant. Sie alle sagen, dass Elvis sie animiert hat, Musik zu machen.

SPIEGEL: Für Kritiker wie Fans war seine Stimme einzigartig. Er schien wirklich alles singen zu können.

Presley: Und das wollte er auch. Elvis war interessiert an jeglicher Musik. Er hörte sich alles an, blieb neugierig, akzeptierte keine Limits und legte sich selbst nie auf eine Stilrichtung fest: Er sang Rock'n'Roll, Gospel, R'n'B, Country. Elvis hatte auch viel für klassische Musik übrig. Sein "It’s Now Or Never" war eine Coverversion von "O sole mio", das später auch große Tenöre wie Pavarotti sangen. Anfang der Sechzigerjahre veröffentlichte er ein Album mit dem Titel "Something For Everybody", das trifft es gut: Für jeden war etwas dabei. Elvis war viel mehr als nur Rock'n'Roll.

SPIEGEL: Bei Konzerten in den Siebzigerjahren ließ er sich vom Joe Guercio Orchestra begleiten.

Presley: Ja, aber das war nur ein kleines Orchester, neben seiner Band. Elvis hätte zu gern mal mit einem richtig großen Orchester performt. Dieser Wunsch blieb ihm leider verwehrt. Sein Manager und die Plattenfirma meinten: "Die Fans wollen dich Rock'n'Roll singen hören, sie wollen nur deine Stimme hören. Die Musiker sind zweitrangig." Elvis liebte und schätzte aber seine Musiker, er war eins mit ihnen, egal ob Band, Background-Chor oder Orchester.

SPIEGEL: Haben Sie persönliche Lieblingslieder?

Presley: Die Ballade "Don't" mag ich besonders. Er liebte es, diesen Song zu singen. Wenn ich "Don't" heute höre, denke ich: Mein Gott, Elvis war 21, als er das aufnahm... Noch immer spüre ich die Hingabe, mit der er singt. Gut gefallen mir auch "Kentucky Rain", "Memories" und "In The Ghetto". Ich war im Studio, als Elvis die Nummern einsang.

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SPIEGEL: Wollte sein Manager Colonel Tom Parker die Single "In the Ghetto" wirklich verhindern?

Presley: Ja. Er versuchte mit allen Mitteln, Elvis diesen Song zu verbieten.

SPIEGEL: Warum?

Presley: Weil der Text sozialkritisch war. Das wollte sein Manager nicht. Er befürchtete, es könnte die Fans irritieren. Elvis wurde immer angeraten, sich nicht öffentlich zu Themen wie Politik oder Religion zu äußern. Aber es waren politisch unruhige Zeiten Ende der Sechzigerjahre, im Grunde ähnlich wie heute, und Elvis bestand vehement auf "In The Ghetto". "Ich muss dieses Lied singen", sagte er. Nur gut, dass er sich durchgesetzt hat. Der Erfolg gab ihm recht.

SPIEGEL: Nach seiner Army-Zeit in Deutschland ist er nie als Performer nach Europa zurückgekehrt. Wieso nicht?

Presley: Nur wenige Monate vor seinem Tod wurde noch über die Möglichkeit einer Europatournee diskutiert, da war was in Planung. Aber tatsächlich ist Elvis nie außerhalb Amerikas aufgetreten.

SPIEGEL: Auch dahinter soll der umstrittene Colonel Tom Parker gesteckt haben.

Presley: Er begründete die Entscheidung damit, dass er in den USA überall seine Security und Helfer hatte. Er kannte dort alle, die auf Tour für Elvis Sicherheit sorgen konnten. In Europa kenne er keinen, sagte Parker. Er hatte nicht das Netzwerk wie in Amerika und traute sich keine Welttournee mit Elvis zu.

SPIEGEL: Der Song "The Wonder Of You" stammt von 1969, als Sie und Elvis zwei Jahre verheirate waren. Ist es eine Liebeserklärung an Sie?

Presley: (lacht verlegen) Nein, glaube ich nicht. Ich denke, Elvis hat diesen Song seinen Fans gewidmet. Er hat sie geliebt und war sich bewusst, dass er ohne sie ein Nichts wäre. Wenn er im Lied also "Your love to me means everything" singt, dann dürfen sich seine Fans angesprochen fühlen. Sie gingen ihm über alles. Das war schon so, als ich Elvis in Deutschland kennengelernt hatte. Damals zweifelte er, ob die Fans nach seiner Army-Zeit noch da sein würden. Immerhin war er als Soldat fast zwei Jahre mehr oder weniger weg vom Fenster. Dieser Gedanke hat ihn richtig nervös gemacht. Die Unterstützung seiner Fans sah er nie als selbstverständlich an.

SPIEGEL: Wie haben Sie den 16. August 1977 in Erinnerung, den Tag, an dem Elvis in Graceland starb?

Presley: Ich war - wie wohl der Rest der Welt - total geschockt und konnte es nicht glauben. Als ich die Nachricht erhielt, hoffte ich, es sei nur ein böser Traum. Sein Tod wiegt heute noch schwer, Elvis war ein wichtiger Teil meines Lebens. Als ich ihn kennenlernte, war ich noch so jung, und er hat mich in so vielen Dingen beeinflusst. Ich habe sehr viel von ihm gelernt.

SPIEGEL: Immer mal wieder behauptet jemand, Elvis kürzlich im Supermarkt gesehen zu haben. Wie gehen Sie damit um?

Presley: Oh well, das kommt von Menschen, die einfach nicht loslassen können. Sie fantasieren, dass Elvis plötzlich irgendwo auftaucht. Ich habe dafür irgendwie Verständnis, aber leider entspricht es nicht der Wahrheit. Ich stand damals mit unserer Tochter Lisa Marie an Elvis' Sarg. Wir haben seine Hand gehalten. Und ihm ein letztes Mal gesagt, wie sehr wir ihn lieben.