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Archäologe besiegt Nazi – Abenteuerheld Indiana Joes

Foto: interTOPICS / LMK Media / ddp images

Kultfilmreihe »Indiana Jones« Der Mann mit Hut und Peitsche

Verräter, Spinnen, fiese Nazis? »Indiana Jones« erledigt alle. 1981 entführte der furchtlose Archäologe das Kinopublikum erstmals in ferne Abenteuer. »Star Wars«-Regisseur George Lucas nannte den Helden nach seinem Hund.

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Der berühmteste Archäologe der Filmgeschichte wird am Strand von Hawaii erschaffen. Dort sitzt Filmemacher George Lucas mit seinem Kumpel Steven Spielberg und baut Sandburgen. Wir schreiben das Jahr 1977. Lucas hat gerade erfahren, dass sein Film »Star Wars« alle Kassenrekorde bricht. Spielberg sucht ein neues Projekt.

Ihm schwebt eine Art James-Bond-Film vor, nachdem er für das Original noch nicht als Regisseur berücksichtigt wurde. »Ich habe da etwas«, sagt Lucas zu ihm. »Etwas wie Bond. Nur besser. Eine Art metaphysischer Abenteuerfilm.« Auch den Namen des Helden wisse er schon: Indiana, wie sein Hund. Spielberg horcht auf.

Die beiden holen die Autoren Philip Kaufman und Lawrence Kasdan hinzu. Sie nisten sich für eine Woche bei Lucas ein und werfen mit Ideen um sich. »Am Ende beanspruchte jeder die guten für sich und wollte mit den schlechten nichts zu tun haben«, erzählt Spielberg in der Arte-Dokumentation »Indiana Jones – eine Saga erobert die Welt« von 2020. Kaufman bringt die Peitsche ins Spiel, alle sind begeistert.

Draufgängertum und Abenteuerlust

Soll Indiana auch ein Zocker, Womanizer und sogar Kung-Fu-Experte sein? Eher nicht. Ein Archäologe mit Charme, einem Schuss Draufgängertum und Abenteuerlust, das soll er sein – Kasdan schreibt das Drehbuch. Lucas spannt ihn gleich auch als Autor für »Das Imperium schlägt zurück« ein, den düstersten und zugleich schönsten Film der »Star Wars«-Reihe.

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Am 12. Juni 1981 kam »Jäger des verlorenen Schatzes« in den USA in die Kinos – noch ohne den Namen des Helden im Titel wie bei den späteren Filmen. Schnell wurde klar, dass Lucas und Spielberg mehr geschaffen haben als nur einen weiteren Blockbuster. Sie kreierten eine Figur, die auch 40 Jahre später noch jeder kennt.

Eine Figur, wie sie nur das Kino hervorbringt – und die schnell charakterisiert ist. Hut, Peitsche, Lederjacke: Wer da noch im Dunklen tappt, dem hilft der Begriff »Archäologe« oder die eingängige Titelmusik schnell auf die Sprünge.

Filme altern manchmal schnell. Filmsprache, Ästhetik, Effekte und Zeitgeist ändern sich ständig. Umso verwunderlicher ist es, dass der erste Indiana Jones nach vier Jahrzehnten wenig von seinem Zauber eingebüßt hat.

Zeitlose Unterhaltung

Liegt es daran, dass man ihn zwischendurch ab und zu im Fernsehen gesehen hat und der Film einen in die eigene Kindheit zurückversetzt? Oder daran, dass er zeitlos ist und einfach einige Meister ihres Fachs mitgewirkt haben?

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Archäologe besiegt Nazi – Abenteuerheld Indiana Joes

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Vielleicht kommt beides zusammen. Denn der Film wollte und sollte nie mehr sein als grandiose Unterhaltung, taucht wohl auch deshalb nie auf irgendwelchen Listen der besten Filme aller Zeiten auf. Lucas und Spielberg hatten als Heranwachsende gern »Serials« geschaut, kurze Fortsetzungsfilme in den Kinos mit einem »Cliffhanger« am Ende jeder Folge – damit die Zuschauer auch wiederkamen.

Die »Serials« boten Helden, Abenteuer und ferne Welten. All das und noch mehr packten Lucas und Spielberg in »Jäger des verlorenen Schatzes«. Und schoben den mythologischen Überbau mit der Jagd nach der Bundeslade und ihren zehn Geboten gleich hinterher.

Archäologe besiegt Nazi

Schon die Eröffnungsszene des Films hätte in vielen anderen Streifen für einen furiosen Showdown gereicht. Hier stiehlt Indiana Jones im Urwald von Peru aus einer Höhle ein wertvolles Artefakt, setzt sich dabei gegen Verräter, Spinnen und fiese Fallen zur Wehr – um es am Ende doch seinem charmanten Gegenspieler und Nazi-Kollaborateur Beloq aushändigen zu müssen.

»Es gibt nichts, was Sie besitzen, was ich Ihnen nicht wegnehmen kann«, sagt Beloq zu Indiana Jones. Dieser Satz wurde ein Leitthema für die Handlung aller Filme der Reihe.

Tom Selleck stellte sich als der ideale Indiana Jones heraus – nun ja, fast. Er war der Favorit für die Rolle, in der Arte-Dokumentation über »Indiana Jones« gibt es die Testaufnahmen mit ihm zu sehen. Sein Problem war, dass er kurz zuvor bei einer Fernsehserie zugesagt hatte, die nun in die Produktion ging. So schrieb er als »Magnum« Fernsehgeschichte – und Harrison Ford übernahm seinen Part als Indiana Jones. Eine gute Wahl, wie sich zeigte.

Mit Chuzpe und Cleverness

Wer hätte den Jedermann-Held Indiana Jones besser verkörpern können? Einer, der von seinem Job immer ein wenig gelangweilt ist und dann einfach einen Hut aufsetzt, eine Lederjacke überstreift und eine Peitsche mitnimmt, um ins nächste Abenteuer aufzubrechen.

Tut's sehr weh? Rührend versorgt Marion Ravenwood (Karen Allen) den lädierten Indiana Jones (Harrison Ford).

Tut's sehr weh? Rührend versorgt Marion Ravenwood (Karen Allen) den lädierten Indiana Jones (Harrison Ford).

Foto: interTOPICS / LMK Media / ddp images

Einer, der keine Superkräfte hat, aber mit Chuzpe und Cleverness die gefährlichsten Situationen übersteht. Und der ein Charmeur ist, aber bei Frauen nie in Bond'sche Playboy-Gebiete abdriftet. Einzige Schwäche: seine Angst vor Schlangen.

Was zu zwei weiteren Qualitäten von »Jäger des verlorenen Schatzes« führt: zum Humor und zur Echtheit der Stunts und Effekte. Wenn sich Indiana Jones etwa in eine Grube voller Schlangen abseilen muss, dann kriechen dort echte Schlangen herum. Und wenn Regisseur Spielberg meint, die Grube wirke nicht voll genug, ordert er einfach ein paar Tausend Schlangen nach. Der Humor setzt schon vorher ein, wenn Indys Sidekick Sallah beim Blick in die Grube mit schelmischem Blick zu ihm sagt: »You go first!«

Äffchen mit Hitlergruß

Diese Einfälle ziehen sich durch den ganzen Film. Der großartigste und witzigste ist natürlich der, die Nazis als Gegner zu nehmen. Der Film spielt im Jahr 1936, da bot sich das einfach an. Dachten sich zumindest Lucas, Spielberg und Kasdan.

Hau den Nazi: Abenteurer Indy und sein fieser Gegenspieler

Hau den Nazi: Abenteurer Indy und sein fieser Gegenspieler

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Sie nur als Bösewichte darzustellen, war ihnen zu wenig. So lassen sie ein Äffchen den Hitlergruß zeigen, machen herrliche Witzfiguren aus Nazis und gönnen jedem ein fieses und effektreiches Ableben. Dass es dadurch einige Splatterszenen gab, brachte den Film in den USA fast um die Jugendfreigabe. Aber bei Nazis als Gegnern drückten die Behörden ein Auge zu.

Beim erneuten, genaueren Hinsehen fällt auf, wie der Film vor Ideen aller Art nur so überquillt. Spielberg war auf dem Zenit seines Könnens. Sein Talent für Technik und Montage, seine Begeisterung für Details und sein filmhistorisches Wissen verschmelzen hier auf ideale Weise.

Mangold statt Tarantino für »Indiana Jones 5«

Die Dreharbeiten zum nächsten Indiana-Jones-Film haben soeben begonnen, anvisierter Kinostart ist der 28. Juli 2022 – erste Bilder vom Set sind bereits auf Twitter aufgetaucht.

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Besonders reizvoll wäre es gewesen, wenn Quentin Tarantino als Spielbergs legitimer Nachfolger die Regie geführt hätte. Er liebt ebenfalls Nazis als Witzfiguren, Splatterszenen, hat sich zuletzt auch an historische Stoffe gewagt und ihnen seinen eigenen Stempel aufgedrückt. Aber der Job als Regisseur für »Indiana Jones 5« ist schon an James Mangold vergeben.

Angesichts des wunderbaren ersten Teils könnte man fast vergessen, dass es noch drei weitere Indiana-Jones-Filme gab. »Indiana Jones und der Tempel des Todes« war zu wirr und überdreht, er trug den Machern sogar Rassismusvorwürfe ein.

Dafür versöhnte »Indiana Jones und der letzte Kreuzzug« die Fans wieder, im Prinzip eine Neuverfilmung des ersten Teils: Wieder sind die Nazis die Gegner, diesmal ist Sean Connery als Indys Vater mit an Bord. River Phoenix spielt den jungen Indiana. Und »Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels?« Zu viele CGI-Effekte, zu viel Zeitgeist, kein Charme.

Aber trotz der schwächeren Teile waren die Filme nie peinlich, es kam nie Übersättigung auf wie bei den »Avengers« oder zuletzt bei der »Star Wars«-Reihe, wo man schnell den Überblick verliert. Vier Teile in 40 Jahren sind wirklich nicht viel, und trotz desselben Hauptdarstellers ist Indy kaum gealtert.

Hoffen wir, dass das so bleibt, wenn Harrison Ford in »Indiana Jones 5« nächstes Jahr als dann 80-Jähriger (!) noch einmal die Peitsche schwingt. Bis dahin lohnt sich das Wiedersehen mit der Urversion, die vor 40 Jahren in die Kinos kam.

Also: Hut auf, Lederjacke an – und auf ins nächste Abenteuer!

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