Zum 100. Geburtstag von Judy Garland Die Königin des Comebacks

Im »Zauberer von Oz« wurde Judy Garland mit »Somewhere over the Rainbow« zum Kinderstar, an der miesen Behandlung durch Studiobosse trug sie ihr Leben lang. Trotz Sucht und Selbstzweifeln kehrte sie zurück – ein ums andere Mal.
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Die ewige »Dorothy«: Judy Garland, vor hundert Jahren geboren, verzauberte 1939 in »Der Zauberer von Oz« das Publikum in der Rolle von Dorothy Gale. Sechs Jahre nach dem Leinwanddebüt hatte sie einen Vertrag mit Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) ergattert. Das Filmstudio machte aus der Buchvorlage von L. Frank Baum aus dem Jahr 1900 ein Fantasy-Musical, einen der ersten großen Farbfilme.

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Fantastischer Erfolg mit Fantasy: Vor allem das Lied »Somewhere over the Rainbow« machte Judy Garland zum Star – sie sang es bis an ihr Lebensende. »Der Zauberer von Oz« war einer der ersten Filme in Technicolor, der sich dank Dorothys roter Schuhe und der gelben Steinstraße farbenprächtig im kulturellen Gedächtnis der Amerikaner festsetzte. Bis heute ist der Film ein Klassiker, sogar von der Unesco als Weltdokumentenerbe anerkannt.

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Kinderstar aus dem Mittleren Westen: Zur Welt kam Judy Garland als Frances Ethel Gumm am 10. Juni 1922 in Grand Rapids (Minnesota). 1926 zog die Familie nach Kalifornien, um dort ihr Glück im Showbusiness zu versuchen – oder, glaubt man Gerüchten, um einem Skandal um homosexuelle Neigungen des Vaters zu entkommen. In Kalifornien trat Judy mit ihren Schwestern Dorothy Virginia (M.) und Mary Jane (r.) als »Gumm Sisters« auf. Die Schwestern hatten 1929 ihr Leinwanddebüt in der Fernsehshow »The Big Revue« (hier im Bild) und sangen 1933 bei der Weltausstellung in Chicago. Mitte der Dreißigerjahre änderten sie ihren Namen in »Garland Sisters«. Aus Frances Ethel Gumm wurde Judy Garland.

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Narben fürs Leben: Garlands Filmkarriere nahm an der Seite von Mickey Rooney (l.) Fahrt auf, mit dem sie zwischen 1937 und 1941 neunmal vor der Kamera stand. Als Garland 1935 zu MGM kam, war sie mit ihren 13 Jahren eigentlich schon zu alt für eine Karriere als Kinderstar. Die Studiobosse verlangten von dem Mädchen, ständig Diät zu halten und Sport zu treiben. Auf der Leinwand trug sie Gesichtsprothesen. Auch für »Der Zauberer von Oz« bekam sie falsche Zähne und eine Nasenprothese, ein Korsett machte den Busen der inzwischen 17-Jährigen unsichtbar. Ihrem dritten Ehemanns Sid Luft zufolge wurde Garland am Set sexuell belästigt. Um Diäten und Filmalltag zu überstehen, versorgten das Studio und ihre Mutter sie mit Appetitzüglern und Amphetaminen – der Beginn einer jahrzehntelangen Suchtkrankheit.

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Keine Privatsphäre: In den Vierzigerjahren war Judy Garland eine der erfolgreichsten Schauspielerinnen, die bei MGM unter Vertrag waren. Um den Erfolg nicht zu gefährden, redete das Filmstudio auch im Privatleben des Stars mit. 1940 verlobte sich Garland mit dem Musiker David Rose – doch ihnen wurde eine einjährige Wartezeit auferlegt, weil Rose noch nicht offiziell geschieden war. Als Judy Garland in der Ehe schwanger wurde, überredeten ihre Mutter und das Filmstudio sie zu einer Abtreibung. Insgesamt war Garland fünfmal verheiratet. Das Foto zeigt sie mit ihrem zweiten Ehemann, Regisseur Vincente Minnelli, am Tag der Hochzeit 1945.

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Unglückliche Ehen, stolze Mutter: Mit dem aufstrebenden Hollywoodregisseur Vincente Minnelli bekam Garland 1946 die Tochter Liza Minnelli (l.), die später als Sängerin Weltkarriere machte, vor allem durch ihren Auftritt im Musical »Cabaret«. Nach der Scheidung von Minnelli 1951 heiratete Garland schon ein Jahr später Sidney Luft, der jahrelang ihr Manager war. Mit Luft bekam sie die gemeinsamen Kinder Lorna (r.) und Joey (M.). Garland warf Sid Luft später Gewalt in der Ehe vor. Mitte der Sechzigerjahre folgte eine Blitzehe mit ihrem Tourpromoter Mark Herron, wenige Monate vor ihrem Tod 1969 gab sie Musiker Mickey Deans das Jawort.

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Griff nach seriösen Rollen: Zwei Jahre hatte sie dafür gekämpft, 1945 durfte Garland dann ihre erste ernste Hauptrolle übernehmen. In »The Clock« (deutscher Titel: »Urlaub für die Liebe«) spielte die 23-Jährige eine New Yorker Büroangestellte, die sich in einen US-Soldaten auf Heimaturlaub (Robert Walker, l.) verliebt. Ihre Darstellung überzeugte die Kritiker. Doch das Publikum vermisste eine Gesangseinlage. Erst 16 Jahre später wagte Garland sich erneut an einen Film, in dem sie nicht sang.

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Zerstörerisches Muster: Weil »The Clock« nicht den erhofften Durchbruch ins seröse Filmgeschäft brachte, hing Garland in seichten Musikfilmen fest. Selbstzweifel nagten an ihr. Immer häufiger griff sie zu Medikamenten und Alkohol, um Frust und Ängste zu betäuben. 1948 erlitt sie am Set des Musikfilms »The Pirate« einen Nervenzusammenbruch und musste sich im Sanatorium erholen; im selben Jahr unternahm sie einen ersten Suizidversuch. Zurück am Set erschien sie entweder zu spät oder gar nicht. 1950 trennte sich das Filmstudio MGM nach 15 gemeinsamen Jahren ganz von ihr. Garland verletzte sich mit einem zerbrochenen Glas selbst am Hals – die Sensationspresse behauptete, sie habe sich die Kehle durchschneiden wollen.

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Wiedergeborener Star: Nach vierjähriger Drehpause kehrte Garland 1954 mit »A Star is Born« (deutsch: »Ein neuer Stern am Himmel«) auf die Leinwand zurück. Der Film erzählt die Geschichte vom Aufstieg einer talentierten Sängerin und der Liebe zu dem Mann, der ihr erst zum Erfolg verhilft und dann in ihrem Schatten steht. Filmkritiker waren von den ersten Aufführungen begeistert, der Oscar als beste Hauptdarstellerin schien ihr sicher. Doch Kinobetreiber beschwerten sich, der Streifen sei zu lang. »A Star is Born« wurde von 196 Minuten auf 154 Minuten gekürzt und verlor dabei an Dramatik. Der Oscar als beste Hauptdarstellerin ging am Ende an Grace Kelly. 2018 erlebte der Film mit Lady Gaga und Bradley Cooper in den Hauptrollen eine Neuauflage.

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Privatkonzert am Telefon: Zu Garlands Bewunderern gehörte auch der spätere US-Präsident John F. Kennedy. In den Fünfzigern bat Kennedy seinen Schwager Peter Lawford, einen Freund von Judy Garland, ihm »Dorothy« vorzustellen. Zwischen den beiden entwickelte sich eine herzliche Freundschaft. Garland – ganz Entertainerin – unterhielt Kennedy humorvoll und unterstützte seine politischen Ambitionen, trat sogar im Wahlkampf für ihn auf. Glaubt man Judy Garlands drittem Ehemann Sid Luft, klingelte Kennedy aus dem Weißen Haus wiederholt bei Garland durch und bat sie, am Telefon für ihn zu singen. Garland hob dann zu »Somewhere over the Rainbow« an.

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Die große Bühne: Bevor Tom Jones und Elvis Presley in Las Vegas groß auftrumpften, lockte Judy Garland das Publikum in die Wüstenstadt. 1956 engagierte das New Frontier Hotel die Sängerin für vier Wochen und zahlte ihr sagenhafte 55.000 Dollar Gage pro Woche – so viel wie noch keinem Star zuvor. Das erfolgreiche Engagement bewies einmal mehr, dass Garland als Entertainerin auf der Bühne ein Naturtalent war. Sie habe die Auftritte für ihr Publikum geliebt, sagte Garland in ihrem letzten Interview im März 1969.

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Triumphales Comeback: Das Konzert in der Carnegie Hall 1961 ging in die Musikgeschichte ein: Noch mit Lockenwicklern im Haar hatte Judy Garland an jenem 23. April den berühmten Veranstaltungsort in New York betreten und wenig später in einem zweistündigen Konzert alle Kritiker beschämt. Im Publikum klatschten Stars wie Leonard Bernstein und Lauren Bacall begeistert mit. Es war ein unwahrscheinliches Comeback: Noch 1959 hatte sie mit akuter Hepatitis dem Tode nah im Krankenhaus gelegen und stand wegen Steuerschulden vor dem Ruin. Ihre Genesung glich schon einem kleinen Wunder, der Auftritt in der Carnegie Hall war dann eine Sensation. Für das Album »Judy at Carnegie Hall« gewann sie vier Grammys.

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Vom Western verdrängt: Auf den Erfolg in der Carnegie Hall folgten neue Engagements. 1961 war sie nach 16 Jahren erstmals wieder in einem Film ohne Gesangseinlage zu sehen. Für ihre Nebenrolle im Holocaust-Drama »Das Urteil von Nürnberg« erhielt Garland eine Oscarnominierung. Der TV-Sender CBS gab dem Bühnenstar eine eigene TV-Show, dort begrüßte sie Gesangsstars wie Dean Martin (l.) und Frank Sinatra (r.). Die Show war erfolgreich, doch CBS positionierte sie als Konkurrenz zur zeitgleich laufenden Westernserie »Bonanza«. Am Ende siegten die Cowboys. Garlands Show wurde nach 26 Folgen abgesetzt.

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Engagement für Bürgerrechte: Als in den Sechzigerjahren der Kampf für die Bürgerrechte von Afroamerikanern das Land spaltete, bezog Garland Stellung und unterstützte die Forderungen der Bewegung. Gemeinsam mit anderen Hollywood- und Musikgrößen wollte sie beim »March on Washington for Jobs and Freedom« am 28. August 1963 auftreten. Das Foto zeigt sie bei einem organisatorischen Treffen mit Charlton Heston, Ertha Kitt und Marlon Brando (v.l.) wenige Wochen vor dem Marsch. Garland selbst konnte am Ende nicht teilnehmen, weil sie bereits eine Verpflichtung bei CBS hatte.

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Stiller Tod und großer Abschied: Mit erst 47 Jahren starb Judy Garland am 22. Juni 1969 im Badezimmer der Mietwohnung in ihrer Wahlheimat London. Als ihr Leichnam am 27. Juni von Großbritannien nach New York überführt wurde, säumten mehr als 20.000 Menschen die Straßen Manhattans. Garland hatte eine große Fangemeinde in der schwulen Community. Bis heute hält sich das Gerücht, die Trauer über den Tod der Ikone habe den Aufstand in der LGBTQ-Bar »Stonewall Inn« in der folgenden Nacht mit verursacht, der 1969 zu den Christopher-Street-Unruhen führte.

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Große Fußstapfen: Wie presst man eine Karriere mit über 30 Filmen, 30 TV-Shows, mehr als 1000 Konzerten und Dutzenden Alben in einen Film? Wie erzählt man das Leben einer Frau, die fünfmal verheiratet war, höchste Höhen und tiefste Tiefen erlebt hat? René Zellweger verkörperte Judy Garland 2019 im Biopic »Judy« und legte eine Performance hin, die ihr einen Oscar einbrachte. Zellwegers Spiel fing ein, was Garland in ihrem letzten Interview sagte: »Mein Leben war wie meine Karriere: eine Achterbahn. Ich bin entweder ein enormer Erfolg oder eine absolute Versagerin.«

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Mysteriöser Diebstahl: Die paillettenbesetzten »Ruby Red Slippers« aus »Der Zauberer von Oz« schrieben Filmgeschichte. Für die Dreharbeiten gab es mindestens vier Paar Schuhe, heute wertvolle Sammlerstücke. Eines davon wurde 2005 aus dem Judy Garland Museum in ihrer Geburtsstadt Grand Rapids gestohlen. Die Verdächtigungen reichten von einem Dummejungenstreich bis zu Versicherungsbetrug. Nach 13 Jahren erklärte das FBI 2018 überraschend, die Schuhe wieder aufgetrieben zu haben. Die mysteriösen Umstände des Diebstahls lieferten Stoff für einen ganzen Podcast: »No Place Like Home«.

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