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23. Juli 2016, 10:13 Uhr

Jugoslawien-Krieg

"Als brannte ein Teil meines Körpers"

Im Mai 1992 sah Architekt Lidumil Alikalfic sein Lebenswerk in Flammen aufgehen: Die Zetra-Arena - gebaut für die Olympischen Spiele 1984 in Sarajevo - wurde bombardiert. Ebenso sein Zuhause.

Ich war noch sehr jung, Mitte 30, als ich mich Mitte der Siebzigerjahre mit meinem Kollegen um die Ausschreibung für den Bau einer Mehrzweckhalle in Sarajevo bewarb. Dass wir die Halle dann bauen durften, kam völlig überraschend.

Eigentlich sollte sie auch gar nicht so groß werden. Doch nachdem Sarajevo 1978 den Zuschlag für die Olympischen Winterspiele 1984 erhalten hatte, mussten wir unsere Pläne erweitern: Für die Eishockey-Wettbewerbe und die Abschlussfeier brauchte die Halle 12.000 Sitzplätze.

Besonders stolz bin ich auf unsere Idee, auf dem Dach der Zetra, wie die Olympiahalle dann hieß, eine zweite Eisfläche anzulegen. Auf diesem 400 Meter langen Oval fanden die Eisschnelllauf-Wettbewerbe statt, so etwas hatte es vorher noch nicht gegeben. Mein Lieblingsplatz war allerdings unten, auf dem Parkett der Halle, ich habe früher selbst Basketball gespielt. Sportlern gefällt es da unten am besten, wenn sie sehen, dass oben alle Plätze besetzt sind.

Zetra ist die Abkürzung für "zelena transversala", das bedeutet: grüne Gerade. Dieses grüne Band zieht sich durch Sarajevo, von den Bergen auf der einen Seite über den Stadtkessel bis rüber zu den Bergen auf der anderen Seite. Mitten hinein haben wir die Halle gebaut. Die Rasenplätze vor der Halle fügen sich sehr gut in diesen grünen Gürtel der Stadt.

Auch heute kann man noch immer einen fast fünf Kilometer langen Spaziergang quer durch Sarajevo machen, und man ist dabei immer im Grünen und muss kaum eine Straße benutzen. Die Sportplätze sind heute aber Friedhöfe. Mir gefällt die Abkürzung Zetra bis heute, auch wenn einige den Namen missinterpretieren und behaupten, das Grün stehe für den Islam, und das grüne Band ziehe sich von Sarajevo über Albanien bis zur Türkei und sei Symbol für ein neues Osmanisches Reich.

An das Friedenskonzert "Yutel za mir" im Sommer 1991 kann ich mich kaum erinnern, ich weiß aber, dass es ein Riesenereignis war. Und die Zetra war ein würdiger Ort dafür. Keine neun Monate später wurde sie mit Granaten beschossen. Das war am 21. Mai 1992. Ein Tag, den ich nicht vergesse, weil auch meine Wohnung zerstört wurde. Ich kann gar nicht sagen, was schlimmer war, dass mein Zuhause weg war oder mein Lebenswerk.

Wie ferngesteuert haben wir versucht, die Halle zu löschen, aber das machte uns nur zu Zielen für Scharfschützen. Ein schlauer Mensch hat mal gesagt, wir alle haben Hörner, sie müssen uns nur wachsen. Es liegt also an uns, wie wir werden. Die Belagerer haben uns jedenfalls den Brand nicht löschen lassen, die Zetra brannte aus. Als ich davor stand, fühlte es sich an, als brannte ein Teil meines Körpers.

Ich war seitdem nicht mehr dort. Was auch daran liegt, dass uns keiner gefragt hatte, als die Halle 1999 wieder aufgebaut wurde. Wir sind komplett ignoriert worden, das hat mich sehr verletzt. Denn Zetra ist immer noch meine Halle. Man kann sich von seinem Kind doch nicht lossagen, egal ob es nach links geht oder nach rechts, ob es sich als schwul outet oder was auch immer. Es bleibt dein Kind.

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