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11. März 2008, 11:41 Uhr

Kino-Kitsch

Die grässlichsten Filmplakate aller Zeiten

Von Sebastian Heilig und

Killerfrösche, Sexhexen, lebende Leichen: Kaum zu fassen, womit manche Filmvermarkter ihre Machwerke bewerben. Cineasten haben die schlechtesten Kinoplakate aller Zeiten gesammelt.

Jeder kennt diese Situation: Die Verabredung vor dem Kino, ohne genau zu vereinbaren, was man eigentlich sehen möchte. Im Idealfall das erste Date mit einem Menschen, den man mag, ein Treffen, von dem man sich mehr verspricht. Man zeigt sich von seiner besten Seite, gibt sich weltmännisch und spontan, entscheidet die Filmauswahl nach Gefühl. Was ist denn da auf dem Poster drauf? Was steht da?

"Nur ein Anruf und dieser Mensch wird zur Zeitbombe - TELEFON!" - Charles Bronson hält mir einen explodierenden Telefonhörer entgegen. "Das klingt doch ganz interessant."

Sie ist anderer Meinung.

Gute Filme brauchen keine guten Filmplakate. Filme mit guten Ideen sprechen sich rum. Wir - das geneigte Publikum - kennen die Schauspieler und den Regisseur, und wir wissen sogar, welches Kleid seine Exfrau auf dem roten Teppich bei der Oscar-Verleihung trug. Schlechte Filme hingegen müssen irgendwie zusehen, wie sie ihr Publikum rekrutieren. Schlechte Filme brauchen Plakate, die schreien, Motive, die nicht schön sind, sondern vor allem laut, sehr laut! In der Bilderflut der Werbung stumpft unsere Wahrnehmung ab, Information verflachen oder werden sofort wieder vergessen.

Alle außer Frauen

Die Klassiker unter den Filmpostern halten sich so hartnäckig in WG-Küchen wie ungespülte Geschirrberge. Die Namen dieser Filme sind, ähnlich wie Marken, stark verwoben mit Bildern und mit einem Image: "Frühstück bei Tiffanys", "Metropolis" oder "Easy Rider", "Blues Brothers", "Blade Runner" und "La Boum", "Dirty Dancing", "Pulp Fiction" oder "Trainspotting". Man holt sich die Welt des Films in sein Zimmer - oder man holt sich einfach nur eine schöne Frau in sein Zimmer. Wer erinnert sich nicht an die Augen von Audrey Tautou auf dem Poster zum Film "Die fabelhafte Welt der Amélie?" Welchen kulturellen Stellenwert hätte "Resident Evil" ohne Milla Jovovich?

Aber was tun, wenn man weder eine gute Filmidee noch Milla im Angebot hat? Eine überlebensnotwendige Regel, um im freien Wettbewerb der Geschlechter zu überleben und in diesem Fall Filme an den Mann zu bringen, ist es, sich Nischen zu suchen: Bei Titeln wie "Das Schlitzohr der dritten Kompanie - Eine neue Art, sich vorm Militär zu drücken" oder "Freche Sex-Abenteuer des Sanitätsgefreiten Neumann" ist die Zielgruppe klar: bekiffte Zivis und angetrunkene Bundis auf Heimurlaub. Weitaus professioneller arbeitet "Der Krankenschwestern-Report - Ein wahrhaft außergewöhnlicher Film". Das spricht alle an, außer Frauen.

Alternativ zu Sex kann man Filme auch über den Faktor Größe verkaufen: Das Piratenabenteuer "Master and Commander" machte über das größte Filmposter der Welt auf sich aufmerksam, 11 mal 190 Meter lang prangte das gewaltige Bild vor rund fünf Jahren an der Werftmauer von Blohm & Voss im Hamburger Hafen. Die Platzierung in der Hafenkulisse machte Sinn. Schöner wäre es allerdings auch gewesen, diesen Platz für ein Werbeplakat zum Streifen "Godzilla" oder "The Fishman - Das Grauen aus der Tiefe" zu nutzen. Doch bei "The Fishman" griffen die Macher aus Kostengründen lieber auf den altbewährten Sex zurück und platzierten eine dralle Lady im Vordergrund des Posters.

Mörderhaie, Mörderbienen, Mörderspinnen

Es muss doch andere Möglichkeiten geben, um als Filmschaffender auf sich aufmerksam zu machen!

Der Film "Frogs" wirbt mit der Abbildung eines Riesenfrosches, dem ein abgeknabberter Menschenarm aus dem Maul ragt. Hübsch, oder? Die Unterzeile "Die Rache der Natur! Horror, Panik, Entsetzen" hätten die Plakatmaler sich allerdings sparen können, das glaubt man auch so. Die deutschen Übersetzer der meist amerikanischen Filmtitel sind überhaupt sehr spendabel mit Worten: Die Streifen "Sharks Treasure", "Savage Bees" und "Spiders 2" liefen in Deutschland unter den Titeln "Angriff der Mörderhaie", "Angriff der Mörderbienen" und "Angriff der Mörderspinnen".

Wer jetzt unterstellt, hier wälze sich einer durch die Untiefen der B-Movie-Branche, dem halte ich folgendes Beispiel entgegen: "Der Dialog" mit Gene Hackman, ausgezeichnet mit der goldenen Palme in Cannes 1974, entstand unter der Regie von Francis Ford Coppola. Auf dem Filmplakat jedoch liegt ein Mann mit Glatze und Schnurrbart neben einem Klo auf dem Boden. Ausgerüstet mit einem Stetoskop und einem Tonbandgerät hört er heimlich die Toilettenschüssel ab. Natürlich macht das neugierig - aber da denkt doch jeder an Slapstik statt an Krimi!

Vielleicht sollte man beim ersten Date doch lieber zum Italiener gehen.

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