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25. November 2008, 19:10 Uhr

Künstliche Sprachen

"nuqDaq 'oH puchpa''e' ?"

Von Ariane Stürmer

Sprechen Sie Volapük? Oder Loglan? Seit mehr als hundert Jahren tüfteln Wissenschaftler und Visionäre an einer Sprache für alle. Einigen konnten sie sich bislang nicht, doch ein Zungenschlag ist stark im Kommen - Zehntausende sprechen klingonisch.

So hatte der liebe Gott sich das eigentlich nicht vorgestellt. Ganz ohne anzuklopfen wollten die Menschen ins Himmelreich platzen, damals, in Babylon, und zwar mit Hilfe eines gigantischen Turms. Das war nicht nur unhöflich, sondern auch ziemlich anmaßend. Also zürnte Gott und strafte: Er griff in den Baukasten für Homo sapiens, kramte allerlei Sprachen hervor und schüttete sie über der Baustelle aus. Sollten die Menschen doch zusehen, wie sie klarkamen, wenn sie einander nicht mehr verstanden! Der Turm zu Babel blieb unvollendet.

Es war einige tausend Jahre später, um 1875 in Litzelstetten am Bodensee, als Gott seine Strafe wohl ein wenig zu mildern gedachte. Jedenfalls schickte er dem katholischen Priester Johann Martin Schleyer eine Eingebung, wie der babylonischen Sprachverwirrung ein Ende zu machen sei. Und so schuf Pfarrer Schleyer "Volapük" - die erste bedeutende internationale Kunstsprache.

Nur wenige Jahre später beherrschten bereits 210.000 Menschen das neue Idiom, wie das "Handbook of Volapük" mitteilt. Sie lasen in elf Volapük-Magazinen und tauschten sich auf Kongressen aus. Volapük - das war 1888 die Zukunft. Und Ausdruck der beginnenden Globalisierung. Händler, Politiker, Banker, Wissenschaftler - sie alle sollten eine Sprache sprechen und endlich das Trauma Babylon besiegen.

Eine neue Sprache für alle

Das jedenfalls war die Vision. Die Wirklichkeit sah etwas anders aus: Parallel zu Volapük wurden allerlei weitere Kunstsprachen erfunden, die einander Konkurrenz machten. So stand die Welt im Jahr 1900 zunächst einmal vor der grundlegenden Frage, welche der Sprachen sie zur offiziellen Weltsprache küren sollten. Musste es überhaupt eine Kunstsprache sein? Ja, es musste! Schon der ausgeprägte Nationalstolz jener Tage verbot es schlicht, eine einzige Sprache über alle anderen zu stellen. Englisch als universelles Kommunikationsmittel? Nein danke.

Eine Alternative boten eigens erdachte Sprachen, die verschiedene Elemente romanischer, germanischer und slawischer Sprachen in sich vereinten. Um die beste unter allen Entwürfen zu finden, bildeten Wissenschaftler während der Pariser Weltausstellung 1900 eine "Delegation zur Annahme einer internationalen Hilfssprache".

Die Arbeitsgruppe bestand aus Wissenschaftlern verschiedener Fächer, darunter auch der spätere Chemie-Nobelpreisträger Wilhelm Ostwald. Auf ihrer siebenjährigen Suche nach der geeigneten Sprache befragten die Experten Schüler, Abgeordnete, Händler, Stenografen, Korrespondenten, Pädagogen und Kirchenvertreter; sie lauschten den Klängen europäischer Sprachen ebenso wie slawischer, südamerikanischer und nordafrikanischer. Die neue internationale Sprache sollte "einfach sein und klar wie die grundlegenden Naturgesetze". Und "von allen zivilisierten Nationen verstanden werden" - und zwar "inklusive der Japaner", wie es im Abschlussbericht der Delegation zu lesen steht.

Plaudern mit Außerirdischen

Am Ende stand fest: Keine der neueren Sprachschöpfungen war perfekt. Volapük nicht, und auch nicht Occidental, das der Mathematiker und Physiker Edgar von Wahl der Kommission vorgeschlagen hatte. Immerhin: Das 1887 von dem polnischen Augenarzt Ludwik Lejzer Zamenhof erfundene Esperanto entsprach in Ansätzen dem Wunsch der Delegierten. Esperanto basierte wie Volapük und Occidental auf europäischen Sprachen, bedürfte aber weiterer Entwicklung. Der Welt präsentierten die Sprachexperten schließlich ein reformiertes Esperanto, das sie "Ido" nannten.

Doch weder Ido noch das rund fünfzig Jahre später erfundene IALA-Interlingua setzten sich je als Weltsprache durch. Allein Esperanto ist heute immerhin so weit verbreitet, dass optimistischste Schätzungen von bis zu zehn Millionen Nutzern ausgehen. Radio Vatikan sendet regelmäßig in dieser Sprache, und die deutsche Esperanto-Bibliothek im württembergischen Aalen besitzt heute rund 40.000 Titel.

Aber warum auf eine Weltsprache beschränken? Angesichts des über den Mond hüpfenden US-Astronauten Neil Armstrong deuchte es manchen Visionär, das bald eine einheitliche Galaxiesprache gebraucht werden würde. Zum Glück hatte die der deutsche Mathematiker Hans Freudenthal bereits erfunden: "Lincos - Design of a Language for Cosmic Intercourse", hieß sein 1960 erschienenes Buch. Lincos sollte jedem intelligenten Wesen verständlich zu machen sein - sofern dieses mathematische Grundsätze versteht: o + o = oo, oo + o = ooo und ooo - o = oo.

Logisch, logischer, Loglan

Fast vierzig Jahre nach Freudenthals Erfindung jagte der kanadischen Astrophysiker Yvan Dutil 1999 erstmals eine Lincos-Nachricht ins Weltall. Sie enthielt neben mathematischen Grundsätzen wie dem Satz des Pythagoras auch eine Beschreibung des Menschen inklusive DNA. Zu guter Letzt forderte Dutil den Empfänger der Nachricht auf, die gleichen Informationen über sich preiszugeben und zurückzuschicken. Die Koordinaten der Erde hatte er seiner interstellaren Nachricht selbstverständlich beigelegt. Noch allerdings wartet er auf Antwort.

Sehr viel irdischer war das Experiment, das der Soziologe James Cooke Brown 1960 im "Scientific American" beschrieb. Er wollte überprüfen, ob die jeweilige Sprache das Denken von Menschen beeinflusst. Zu diesem Zweck entwickelte Brown eine Kunstsprache, die so neutral und logisch sein sollte, dass sie das Denken in keine Richtung beeinflussen würde: Loglan.

Bis heute feilt die "Logical Language Group" an Loglan, das inzwischen Lojban genannt wird. Ihre Mitglieder sprechen eine Sprache, die ohne Substantive, Verben und Zeiten auskommt, und Sätze so exakt und neutral ausdrückt, dass in Zukunft sogar eine Kommunikation mit Computern möglich sein soll.

"nuqDaq 'oH puchpa''e' ?"

Davor aber müsste sich Lojban wohl erst einmal bei den Menschen durchsetzen. Eine andere Spracherfindung ist da immerhin auf gutem Wege: Weit mehr Erdlinge als man meinen würde, können auf die Frage "nuqDaq 'oH puchpa''e' ?" die richtige Antwort geben. Das würde den Fragesteller vermutlich freuen, denn "Wo ist das Klo?" wäre für einen Klingonen nach der langen Reise quer durch die Galaxis zweifelsfrei eine dringende Frage.

Klingonen, das wissen wir seit den interstellaren Abenteuern des glatzköpfigen Captain Picard in "Star Trek", sind menschenähnliche Wesen mit ausgeprägter Sorgenfaltenanatomie und Grummellaune vom Planeten Kronos. Für sie ließ der Filmgigant Paramount Pictures 1984 eigens eine komplette Sprache ersinnen, gespickt mit Ausdrücken, die der menschlichen Zunge Akrobatisches abverlangen und unweigerlich zu einer feuchten Aussprache führen.

Dennoch entwickelte die Hollywood-Erfindung deutlich mehr Dynamik als ihre eher wissenschaftlichen Vorläufer. Laut "Klingon Language Institute" ist Klingonisch heute die "am schnellsten wachsende Sprache der Galaxie" - auch wenn das Institut nicht mitteilt, auf welchen Daten diese Behauptung basiert. Immerhin gibt es sogar ein Klingonisches Google, und sogar die Internet-Seite der hochrespektablen Deutschen Welle war 2004 zeitweise auf Klingonisch verfügbar. Der sozialpsychiatrische Dienst des Multnomah County im US-Bundesstaat Oregon suchte laut CNN 2003 einen Betreuer mit klingonischem Wortschatz, Begründung: "Wir müssen die Sprache unserer Klienten sprechen."

Auf den nächsten Seiten: Elfmal das "Vaterunser" in elf Kunstsprachen

Esperanto vs. Ido

Die Sprache Ido entstand auf Basis von Esperanto. Während sich Esperanto gleichermaßen an romanischen, germanischen und slawischen Sprachen orientiert, ist bei Ido vor allem der slawische Einfluss verringert.

Esperanto Audio

Patro nia, kiu estas en la ?ielo.

Via nomo estu sanktigita.

Venu via regno,

plenumi?u Via volo,

kiel en la ?ielo, tiel anka? sur la tero.

Nian panon ?iutagan donu al ni hodia?.

Kaj pardonu al ni niajn ?uldojn,

kiel anka? ni pardonas al niaj ?uldantoj.

Kaj ne konduktu nin en tenton,

sed liberigu nin de la malbono.

Quelle: prayer.su

Ido Audio

Patro nia, qua esas en la cielo,

tua nomo santigesez,

tua regno advenez,

tua volo facesez quale en la cielo

tale anke sur la tero.

Donez a ni cadie l'omnadiala pano,

e pardonez a ni nia ofensi,

quale anke ni pardonas a nia ofensanti,

e ne duktez ni aden la tento,

ma liberigez ni del malajo.

Quelle: prayer.su

Auf der nächsten Seite: Interlingua und Interlingue im Vergleich

Interlingue-Occidental vs. IALA-Interlingua vs. Latino sine flexione

Interlingue-Occidental vs. IALA-Interlingua vs. Latino sine flexione

Interlingue und Interlingua haben trotz ihres ähnlichen Namens keine gemeinsame Entstehungsgeschichte. Interlingue hieß anfangs Occidental und wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von Edgar von Wahl erfunden. Auf europäischen Sprachen basierend, bildet die Sprache keine gänzlich neuen Worte wie Ido, Esperanto und Interlingua, sondern übernimmt Wortstämme unverändert.

IALA-Interlingua ist das Ergebnis einer offiziellen Suche der International Auxiliary Language Association (IALA) nach einer internationalen Kunstsprache. Interlingua wurde 1951 von Alexander Gode erstmals vorgestellt und basiert wie Interlingue-Occidental auf europäischen Sprachen, vor allem aber südromanischen.

Latino sine flexione ist der Versuch des Italieners Guiseppe Peano, aus dem Lateinischen eine einfache internationale Sprache zu entwickeln. Die Sprache wurde Anfang des 20. Jahrhunderts vorgestellt. Bei Latino sine flexione fällt die Beugung von Verben und Substantiven wie im Lateinischen weg. Interessant ist der direkte Vergleich mit dem jüngeren Interlingua.

Ingerlingue-Occidental

Patre nor, qui es in li cieles.

Mey tui nómine esser sanctificat,

mey tui regnia venir.

Mey tui vole esser fat

qualmen in li cieles talmen anc sur li terre.

Da nos hodie nor pan omnidial,

e pardona nor débites,

qualmen anc noi pardona nor debitores.

E ne inducte nos in tentation,

ma libera nos de lu mal.

Quelle: wikipedia.org

IALA-Interlingua Audio

Nostre Patre, qui es in le celos,

que tu nomine sia sanctificate;

que tu regno veni;

que tu voluntate sia facite

super le terra como etiam in le celo.

Da nos hodie nostre pan quotidian,

e pardona a nos nostre debitas

como nos pardona a nostre debitores,

e non duce nos in tentation,

sed libera nos del mal.

Quelle: youtube.de

Latino sine flexione

Patre nostro, qui es in celos,

que tuo nomine fi sanctificato;

que tuo regno adveni,

que tua voluntate es facta

sicut in terra et in celo.

Da hodie ad nos nostro pane quotidiano.

Et remitte ad nos nostros debitos,

sicut et nos remitte ad nostros debitores.

Et non induce nos in tentationes,

sed libera nos ab malo.

Quelle: interlingua.fi

Auf der nächsten Seite: Loglan und Lojban im Vergleich

Loglan vs. Lojban

Lojban ist eine Weiterentwicklung von Loglan. Beide Sprachen haben keine "historischen Sprachen" als Wurzeln, sondern basieren auf Logik. Loglan wurde seit 1955 von James Cooke Brown entwickelt.

Loglan

Hoi Memio Farfu, ji vi le skatyhaa gu,

Eo ga nu sentydju ga letu namci.

I eo letu nu bragai fa fadkaa.

I eo lotu nu furmoi ga nu durzo vi la Ter, ciuvi le skatyhaa.

I donsu mio na levi denli lemio rardei breba.

I tsenordri mio lopo mio dasysru gu,

ciu lepo mio tsenordri raba ji dasysru mio.

I glida mio no nepo nu zavdazmao,

Ibuo fremao mio lopo muerzavkao,

Imoi tu ponsu le nu bragai, e lopu porli, e lopu graflo gu rana,

I eo tio dzabi.

Quelle: James Jennings/loglan.org

Lojban Audio

doi cevrirni .iu noi zvati le do cevzda do'u

fu'e .aicai .e'ecai lo do cmene ru'i censa

.i le do nobli turni be la ter. ku se cfari

.i loi do se djica ba snada mulno vi'e le cevzda .e .a'o la ter.

.i fu'e .e'o ko dunda ca le cabdei le ri nanba mi'a

.i ko fraxu mi loi ri zu'o palci

.ijo mi fraxu roda poi pacyzu'e xrani mi

.i ko lidne mi fa'anai loi pacyxlu

.i ko sepri'a mi loi palci

.i .uicai ni'ike loi se turni .e loi vlipa .e loi mi'orselsi'a me le do romei

Quelle: lojban.org (Text), wikimedia.org (Audio)

Auf der nächsten Seite: Klingonisch und Sindarin

Klingonisch und Sindarin

Klingonisch ist die im Auftrag der Filmfirma Paramount Pictures für die Fernsehserie "Star Trek - Das nächste Jahrhundert" von dem Linguisten Mark Okrand entwickelte Sprache. Sie entstand in den achtziger Jahren.

Sindarin ist von dem britischen Schriftsteller J.R.R. Tolkien erfunden worden. Sie ist eine Sprache der Elben.

Klingonisch

vavma' QI'tu'Daq, quvjaj ponglIj:

ghoSjaj wo'lIj, qaSjaj Dochmey DaneHbogh

tera'Daq QI'tu'Daq je.

DaHjaj maHvaD DaHjaj Soj yInobneS,

'ej yemmeymaj tIbIneSQo'

maHvaD yembogh nuvpu' DIbIjbe'moH.

ghotlhu'moHneSQo', 'ach mIghghachvo' ghotoDneS.

reH SoHvaD wo', HoS je, batlh je.

Quelle: ta7.de

Sindarin Audio

Ae Adar nín i vi Menel

no aer i eneth lín

tolo i arnad lín

caro den i innas lín

bo Ceven sui vi Menel.

Anno ammen sír i mbas ilaurui vín

ar díheno ammen i úgerth vín

sui mín i gohenam di ai gerir úgerth ammen.

Ar avdogo ven nan úthaes, dan togo ven uin um.

Lín i arnad, ar i vâl, ar i aglar, nan-uir.

Quelle: ellamath.de

Auf der nächsten Seite: Volapük, Slovio und Latino sine flexione

Volapük und Slovio

Volapük eine der ersten Kunstsprachen zur internationalen Verständigung. Sie wurde 1880 von dem Priester Johann Martin Schleyer vorgestellt.

Slovio ist eine der jüngsten Plansprachen und richtet sich vor allem an den slawischen Sprachraum. Wie Volapük basiert es auf historisch entstandenen Sprachen. Slovio wurde 2001 veröffentlicht.

Volapük

O Fat obas, kel binol in süls, paisaludomöz nem ola!

Kömomöd monargän ola!

Jenomöz vil olik, äs in sül, i su tal!

Bodi obsik vädeliki govolös obes adelo!

E pardolös obes debis obsik,

äs id obs aipardobs debeles obas.

E no obis nindukolös in tendadi;

sod aidalivolös obis de bas.

Quelle: prayer.su

Slovio

Nasx otec ktor es om nebes,

Sviatju es tvoi imen,

Tvoi krolenie pridib,

Tvoi vola bu na Zemla takak om nebes,

Darij nams nasx denju hleb,

I uprostij nams nasx grehis,

takak mi uprostime,

tamktor grehijut proti nams,

I ne vestij nams v pokusenie,

no spasij nams ot zlo.

Quelle: balkanforum.info

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