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Serie "Friends": Kuschelwelt der Mittzwanziger

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ddp images/ NBC

Kultserie "Friends" Rudelkuscheln im Café

Freaks im Sixpack, Gags in schnellem Takt: "Friends" zelebrierte das Leben einer New Yorker Clique. Die erfolgreichste US-Sitcom der Neunziger lief 1996 auch in Deutschland an.

Für sein Date Elizabeth hat sich Ross Geller fein gemacht. Schickes Hemd, Ärmel hochgekrempelt, dazu eine Lederhose, schwarz, hauteng und ziemlich aufheizend. Im Badezimmer zieht Ross schnell die Hose in die Kniekehlen, um für Belüftung zu sorgen. Nur vertragen aufgewärmte Oberschenkel und enges Leder sich nicht. Ross kriegt die Hose nicht mehr hoch.

Verzweifelt ruft Ross per Handy seinen Kumpel an. "Puder", rät Joey. Schon schüttet Ross sich das Zeug in rauen Mengen auf die Beine. Vergebens. "Lotion", lautet Joeys nächster Tipp. Ross cremt und cremt. Aber die verflixte Hose will nicht hochgehen. Am Ende ist er hosenlos, verschmiert, mit einem Stück Leder in den Händen: "Ich hatte ein Problem", gesteht er Elizabeth.

Solche Missgeschicke waren typisch für die Fernsehserie "Friends". Zehn Staffeln lang hangelten sich Ross und Joey mit ihren Freunden Chandler, Phoebe, Monica und Rachel durch peinliche Situationen. Mal verkleidete sich Ross zu Weihnachten als Gürteltier, mal blieb Joeys Kopf in einem Truthahn stecken - oder die Chaostruppe verlor ein Baby im Bus.

Putzattacken und Dino-Fetischismus

Als "Friends" 1996 erstmals in deutscher Fassung ausgestrahlt wurde, war die Serie in den USA bereits ein Kracher. Dort verfolgten jede Woche gut 30 Millionen US-Fans die erfolgreichste Sitcom der Neunzigerjahre. Und zahlreiche Hollywoodstars hatten Gastauftritte.

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US-Serie: "Friends"-Gastauftritte - wo Stars Schlange standen

Die Serie zeigt das Leben einer New Yorker Clique um die Geschwister Monica (Courtney Cox) und Ross Geller (David Schwimmer). Sie: ein Putzfreak mit Kontrollwahn. Er: ein Paläontologe mit Neigung zu öden Dauermonologen. Kumpel Joey Tribbiani (Matt LeBlanc), Schönling und aufstrebender Seifenoperstar, ist bisweilen schwer von Begriff, aber erfolgreicher Schürzenjäger. Der dritte Mann ist Chandler Muriel Bing (Matthew Perry) mit einem so langweiligen Job in einem New Yorker Wolkenkratzer, dass selbst seine Freunde nicht wissen, was er den ganzen Tag macht. Er hat stets sarkastische Bemerkungen parat.

Hinzu kommen Monicas Ex-Schulfreundin Rachel Green (Jennifer Aniston), die ihren Verlobten am Traualtar stehen ließ - und, kaum mit Monica zusammengezogen, in einem Akt der Emanzipation Daddys Kreditkarten zerstört. Und Phoebe Buffay (Lisa Kudrow), Überlebenskünstlerin, Hippie-Musikerin mit schrägen Katzensongs und Gute-Laune-Frau der Gruppe.

Die On-off-Beziehung zwischen Ross und Rachel stand im Mittelpunkt. Bereits als Teenager war der Dinosaurierforscher in die verwöhnte Arzttochter verliebt, in der Serie fanden und trennten sich die beiden immer wieder - voneinander lassen konnten sie nie. Mal nannte Ross bei seiner Hochzeit mit einer anderen aus Versehen Rachels Namen, mal stürmten die sturzbesoffen verheiratet aus einer Kirche in Las Vegas. Nach 236 Folgen, zehn Jahren und einem gemeinsamen Kind waren sie im Finale wieder vereint.

Zu wenige Lacher? Neuer Gag kommt sofort

Dass die Serie in New York spielte, hing mit den Jugenderfahrungen der "Friends"-Erfinder zusammen. Zehn Jahre lang hatten Marta Kauffman und David Crane dort gelebt und ein eigenes Freunde-Sextett geformt, bevor sie aus Jobgründen nach Los Angeles zogen. Ihre Serie setzte Trends: Der Haarschnitt von Jennifer Anniston - benannt nach ihrer Serienfigur Rachel - wurde zum Renner in Friseursalons. Und Männer nutzten den Anmachspruch "How you doin" von Womanizer Joey.

1994 war die Serie in den USA ohne einen einzigen Star angelaufen. Als erfolgreichste Schauspielerin des Sextetts galt noch Courteney Cox, zuvor in der Sitcom "Familienbande" mit Michael J. Fox zu sehen. Aber erst "Friends" war ihr Durchbruch. Zum Schluss verdienten die sechs Schauspieler eine Million Dollar - jeder, pro Folge.

"Friends": Die besten Szenen in 236 Sekunden

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Zentraler Schauplatz war das fiktive Café "Central Perk". Hier philosophierte die Clique über das Leben, während sie Kaffee nippend auf dem Sofa saß - "Friends" war im wahrsten Wortsinn eine "Sitcom".

Im Audiokommentar zur Serie erklärte Marta Kauffman, dass die Show ein Tempo haben sollte, "als hätten die Macher zu viel Koffein getrunken". Ein Witz sollte auf den nächsten folgen. Aufgenommen wurde vor Publikum; die Autoren warteten im Backstage-Bereich. Gab es zu wenig Lacher, wurde die Aufzeichnung unterbrochen und der Gag sofort umgeschrieben. Erst dann ging es weiter. So dauerte es oft bis zu fünf Stunden, eine 22-Minuten-Folge aufzunehmen.

Verhaltenes Echo in Deutschland

Vor den kalifornischen Warner Brothers Studios standen die Besucher Schlange, um eine der Shows mitzuerleben. Nach den USA erfasste der "Friends"-Hype Großbritannien. Darum wurde die letzte Folge der vierten Staffel in London gedreht. Hier sollte Ross seine britische Freundin Emily heiraten - was Rachel durch ihr plötzliches Erscheinen sabotierte.

Die gesamte Crew flog nach England, bis auf die hochschwangere Phoebe-Darstellerin Lisa Kudrow. Natürlich wurde das auch Thema in der Serie: Phoebe war ebenfalls schwanger - allerdings mit Drillingen, als Leihmutter für die Kinder ihres Bruders. Zu skurril? Nicht bei "Friends".

In Deutschland ließ die Begeisterung zunächst auf sich warten. Die ersten Staffeln liefen bei Sat.1 ab 1996 am Samstagnachmittag; erst 2003 schob Pro7 die Serie in die Primetime, damit kam der Publikumserfolg - und viele sahen "Friends" auch auf Video oder DVD im englischen Original. Das geringere Echo von Sitcoms in Deutschland erklärte Ralf Husman, Entwickler des Comedy-Formats "Stromberg", in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung" so: "Amis und Engländer bewältigen viel mit Humor. Die Deutschen bewältigen durch Krimis."

Als 2004 die letzte "Friends"-Folge ausgestrahlt wurde, saßen 51 Millionen US-Zuschauer vor dem Fernseher. Seitdem gab es immer wieder Forderungen nach einem Revival.

Bisher kam es dazu nicht - und wahrscheinlich ist das besser so. Einfach so in einem Café sitzen, das wäre für die sechs Freunde heute kaum mehr möglich. Spätestens nach ein paar Minuten hätte der erste sein Smartphone gezückt. Wer würde dann noch zuschauen wollen?

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