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Led-Zeppelin-Sänger Robert Plant: Goldlöckchen und der Heavy Metal

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Led-Zeppelin-Sänger Robert Plant "Ich hatte ein übertrieben großes Ego"

Er galt als Sexsymbol der Siebziger, mit Hits wie "Whole Lotta Love" wurde er zum Wegbereiter des Hardrock. Hier spricht Robert Plant über seine Tolkien-Leidenschaft - und musikalischen Anfänge als Waschbrettspieler.
Zur Person
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Robert Plant wurde am 20. August 1948 in West Bromwich, Staffordshire geboren. Bereits mit 14 Jahren sang er in diversen Bluesbands, ab 1968 war er Sänger der Rockband Led Zeppelin, die eine der einflussreichsten Bands der Musikgeschichte wurde. Dort schuf Plant mit Gitarrist Jimmy Page, Bassist John Paul Jones und Drummer John Bonham Hits wie "Whole lotta Love" und "Stairway to Heaven". Nach dem Tod Bonhams löste sich die Band 1980 auf, Plant startete eine Solokarriere. Bis heute hat der Vater von vier Kindern elf Studio-Alben veröffentlicht. Plant lebt mit seiner Familie in der Nähe von Birmingham.

einestages: Herr Plant, als Frontmann von Led Zeppelin wurden sie zum Rockstar und schrieben Musikgeschichte. Hätten Sie sich das als Junge im England der dürren Nachkriegsjahre je erträumt?

Robert Plant: Nie. Ich stamme aus Black Country, einer harten Kohlebergbauregion westlich von Birmingham. Das war wenig glamourös. Aber ich hatte dort, im ländlichen Kidderminster, eine relativ unbeschwerte Kindheit in einer ziemlich schweren Zeit. Der Krieg hatte seine Spuren hinterlassen. Mein Vater war Ingenieur, konstruierte Dämme und Wasserreservoirs. Mit Musik hatte er wenig am Hut.

einestages: Und Sie? Steckte damals schon ein Rockstar in Ihnen?

Plant: Ich war vollkommen normal, keineswegs auffällig. Ich habe viele Bücher gelesen, am liebsten Fantasyromane, habe Bilder gemalt, hatte eine Briefmarkensammlung. Mit meinen Eltern habe ich oft Wandertouren gemacht, in den Hügeln und Bergen von Wales mit ihren Burgen und Brücken. Für mich als glühenden Fan von J.R.R. Tolkien waren das die "Misty Mountains" aus "Der Herr der Ringe". Und zu Wales habe ich bis heute eine besondere Beziehung. Auch Teile meines neuen Albums "Carry Fire" sind dort entstanden.

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einestages: Tolkien und seine Welt der Drachen, Elfen, Zwerge und Zauberer hat sie bekanntlich zu einigen Zeppelin-Klassikern inspiriert, etwa "Ramble on" oder "The Battle Of Evermore".

Plant: Er hat meine Fantasie nachhaltig geprägt. Tolkien wuchs auch im Black Country auf, sowohl sein Auenland als auch Mittelerde basierten auf der ländlichen Idylle. Seine Geschichten passten sehr gut zu unserem Sound.

einestages: Und ihre musikalischen Einflüsse? Stimmt es, dass Ihr Großvater Ihr erstes musikalisches Vorbild wurde?

Plant: Ja, er war ein in der ganzen Region angesehener Musiker. Er spielte Geige, Piano und Posaune. Ein witziger Typ, der immer bodenständig blieb, obwohl er ziemlich bekannt war. Von ihm muss ich mein musikalisches Talent geerbt haben, sicher nicht von meinen Eltern.

einestages: Geige und Posaune war ja nicht so ihr Ding. Wie landeten Sie beim Rock'n'Roll?

Plant: Mit zwölf Jahren entdeckte ich den Rock'n'Roll rein zufällig bei den Sendern Radio Luxemburg und dem American Forces Network (AFN). Da liefen Sendungen nur mit schwarzer Musik: Little Richard, Muddy Waters, Duke Ellington, John Coltrane. Das war für mich wie eine Offenbarung.

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einestages: Wann beschlossen Sie, Sänger zu werden?

Plant: Ich war weder im Schulchor noch hatte ich Gesangsunterricht. Als ich etwa 13 war, begann ich, mich heimlich in Folk-Clubs zu schmuggeln und die Musikerszene zu beobachten. Bis heute habe ich einen Blues-Song von Big Bill Broonzy im Ohr, der hieß "Black, brown and white". Darin wurde drastisch geschildert, welchen Problemen, natürlich primär rassistischen, Schwarze ausgesetzt waren. Das war etwas ganz anderes als dieser seichte Pop, der sonst zu hören war. Songs mit tiefergehenden Texten sprachen junge Menschen wie mich an, die politisch etwas links von der Mitte standen. So etwas wollte ich auch machen.

einestages: Und gründeten als Sänger Ihre erste Band?

Plant: Ich stieg bei einer Amateurgruppe namens Delta Blues Band ein - als Waschbrettspieler. Sänger war ich noch lange nicht. Aber ich liebte diese unkonventionelle Underground-Szene und wollte mitmischen.

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einestages: Was wollten Sie als junger Mensch beruflich machen, bevor sie schließlich mit Led Zeppelin die Rock-Welt eroberten?

Plant: Na ja, direkt nach der Schule arbeitete ich kurz in einem Wirtschaftsprüferbüro. Das war alles andere als aufregend. Wenn ich diesen Job durchgehalten hätte, wäre ich bestimmt ein guter Banker geworden. Aber das Geld anderer Leute zu zählen, ödete mich schnell an.

einestages: Vom Wirtschaftsprüfer stiegen sie in den Siebzigerjahren dann zum größten männlichen Sexsymbol des Rock'n'Roll auf. Wegen ihrer blonden Mähne nannte man sie auch "Golden God". Wie haben sie diesen Sprung verkraftet?

Plant: Sexsymbol?? (lacht). Na ja. Ich erinnere mich, dass ich 1970 zur "Brust des Jahres" gekürt wurde, weil ich damals mit offenem Hemd oder ganz ohne aufgetreten bin. Aber das ist lange her. Und "Golden God"? Ich weiss ja nicht, wie viele andere "goldene Götter" es noch so gibt. Mit dem, was ich tue, hat das wenig zu tun. Es sind Phrasen, die sich Journalisten ausdenken. Man nannte mich auch mal den "King of Cock Rock" - das ist doch mal eine coole Berufsbezeichnung! Ich hatte kurzzeitig überlegt, mir Visitenkarten anfertigen zu lassen.

einestages: Sie werden nächstes Jahr 70. Verändert sich das Songschreiben mit dem Alter?

Plant: Ich verarbeite Erfahrungen mit Humor und Ironie. Man muss ein gewisses Alter erreichen, um wirklich in sich reinschauen zu können. Früher hatte ich ein übertrieben großes Ego, aber das ist wohl normal, wenn man sich auf dem Scheiß-Terrain bewegt, auf dem ich lange unterwegs war, dem Rock-Business. Man muss letztendlich damit fertig werden und menschlich wachsen. Ich denke, das habe ich geschafft.

einestages: Bei neuen Musikvideos wie etwa "Bones Of Saints" oder "The May Queen" aus ihrem jüngsten Solo-Album "Carry Fire" fällt auf, dass Sie nicht mehr selbst auftreten. Sind Sie kamerascheuer geworden?

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Plant: Ha, ich will mit meiner Schönheit nicht zu verschwenderisch umgehen (lacht). Nein, im Ernst, ich habe genug Clips gedreht in meinem Leben. Als der "Vokuhila"-Look Ende der Achtzigerjahre aus der Mode kam, dachte ich mir, ich muss mich jetzt auch etwas weiterentwickeln (lacht). Die neuen Clips basieren auf kunstvollen Zeichentrick-Motiven. Das finde ich mittlerweile viel spannender, als immer selbst durchs Bild zu huschen.

einestages: Klingt, als wäre Personenkult nicht Ihre Sache.

Plant: Ich lebe heute mit meiner Familie wieder in derselben Umgebung, in der ich aufgewachsen bin, im Black Country. In dieser Gegend fühlt man sich sicher nicht als Star, und dafür bin ich dankbar.

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einestages: In letzter Zeit sind viele Ihrer Zeitgenossen wie David Bowie, Leonard Cohen, zuletzt Tom Petty verstorben. Beschäftigt Sie das Thema Tod?

Plant: Ich denke, dass wir hier alle nur auf der Durchreise sind. Dieser Transfer in andere Sphären ist für mich etwas völlig Normales. Im Übrigen ist mein heutiger Lebensstil längst nicht mehr so extrem wie der vieler Kollegen. Aber wer weiß, vielleicht wird mich irgendjemand schon bald rausfischen aus diesem Leben.

einestages: Früher mit Led Zeppelin gehörten Extreme hingegen zu Ihrem Alltag. Sie traten weltweit in den größten Arenen auf, im Mai 1973 in Tampa, Florida brachen Sie sogar den Zuschauerrekord der Beatles. Bei Ihrer aktuellen Solo-Tour treten Sie eher in Clubs und kleineren Hallen auf. Was von beidem liegt Ihnen mehr?

Plant: Es geht mir längst nicht mehr um die Größe der Bühne, sondern um eine Verbindung zum Publikum. Massenhysterie ist ein ulkiges Phänomen, ich habe es früher ja oft live erlebt und erlebe es heute selbst als Fußballfan: Ich schaue mir viele Spiele an, sehe die Begeisterung der Fans, die La-Ola-Wellen bei meinem Team, den Wolverhampton Wanderers. Unser Stadion ist ein goldener Tempel, der das ganze Black Country überstrahlt (grinst).

einestages: Blicken Sie heute wehmütig auf die Zeit mit Led Zeppelin zurück?

Plant: Nein, absolut positiv. Es ist ein großer Teil meines Lebens mit vielen schönen Erinnerungen.

einestages: Wenn Sie nun immer noch auf der Bühne stehen, spüren Sie da gar keine Ermüdungserscheinungen nach so vielen Jahren Rock-Zirkus?

Plant: Nein. Obwohl mir meine Tochter schon öfter nahegelegt hat, etwas kürzer zu treten. Aber das kommt nicht in Frage. Ich singe besser denn je, meine Stimme ist gereift, meine Musik auch. Ich habe noch so viele Songs in mir.