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"White Album": " I am the Walrus - Gu-gu-gutschub"

Foto: John Lindsay/ AP

Legendäres Beatles-Album Schlachtplatte einer ganzen Generation

Weißer Hype zwischen Genialität und Gejohle: 1968 revolutionierte das "White Album" der Beatles die Popmusik - und wurde zum Soundtrack der Happening-Protestkultur. Dabei war einer der Songs alles andere als politisch korrekt.

"Gu-gu-gutschuub", grölt Charly den Polizisten entgegen. Keine Ahnung, was das zu bedeuten hat - aber es klingt gut, wie er das über die Barrikade schreit: "Gu-gu-gutschuub!" Zu viel gehascht, oder was?

Es ist Ostern 1968, und wir demonstrieren in Frankfurt am Main vor der Societäts-Druckerei, um die Auslieferung der "Bild"-Zeitung zu verhindern. Charly ist der Lauteste und Verrückteste von uns. Die Ausfahrt haben wir mit allerlei Sperrmüllgerümpel blockiert, ein Bauwagen von einer nahen Baustelle kippt unter Gejohle vor die Ausfahrt. "See how they run / like pigs from a gun", singt Charly in Richtung Polizisten: "Hihihi, hahaha, hohoho."

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Textbrocken aus dem Beatles-Song "I Am The Walrus" als Schlachtruf - warum, weiß Charly wohl selbst nicht so genau. Aber der passt in seiner Absurdität prächtig zu dieser Demo mit Happening-Charakter. Als berittene Polizei in die Menge galoppiert, stürmt die in Panik auseinander. Unsere Karriere als Freizeit-Straßenkämpfer ist beendet, die geballte Faust bleibt künftig in der Hosentasche.

Irrwitziges Klangwunderwerk

Als akustische Erinnerung an jene wilden Demo-Tage bleibt auf dem Endlosband im Kopf kein einziger Satz der damals bewunderten Studentenführer - nur das Rückkopplungsfiepen ihrer Megaphone und das "Gu-gu-gutschuub" aus dem irrwitzigen und grandiosen Klangwunderwerk von Lennon & Co, "I Am The Walrus", erschienen im Dezember 1967. Dieser und andere Songs aus der "Magical Mystery Tour", dem Soundtrack aus dem gleichnamigen TV-Film, wirken noch lange in das Jahr 1968 hinein. Und die Beatles sollten sich in diesem turbulenten Jahr noch übertreffen - mit einem bis heute unerreichten musikalischen Meilenstein: der Doppel-LP in einem schlichten, weißen Cover mit dem Titel "The Beatles", allgemein bekannt als das Weiße Album.

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"White Album": " I am the Walrus - Gu-gu-gutschub"

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Diese Platte ist das vielgestaltigste, widersprüchlichste und großartigste popmusikalische Zeitdokument des Jahres 1968. Andere mochten radikaler, pointierter, konsequenter gewesen sein - Steppenwolf im Mai 1968 mit "Born To Be Wild", Jimi Hendrix im Juli mit "All Along The Watchtower", die Rolling Stones im August mit "Street Fighting Man". Aber es waren die Beatles, die Ende August 1968 den Zeitgeist trafen, wie sonst niemand. Denn die Single "Hey Jude" mit der B-Seite "Revolution", die drei Monate vor dem Album erschien, kündigte an, was die Hörer mit dem Album erwarten würde. Die beiden während der "White Album"-Sessions entstandenen Songs changierten zwischen Romantik und Revolte, privatem Glücksversprechen und der Suche nach dem Weg zur gesellschaftlichen Veränderung.

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Vom 30. Mai bis zum 16. Oktober arbeiteten die Beatles an den Songs ihres Doppelalbums, das Popgeschichte schreiben würde. Ausgerechnet am 21. August 1968, an dem Tag, als sowjetische Panzer in der Tschechoslowakei einrollten und den Prager Frühling brutal beendeten, nahmen die Beatles im Abbey Road Studio 2 ihren witzig gemeinten Rocker "Back In The USSR" auf. Dessen Refrainzeile "Ihr wisst gar nicht, wie gut ihr's habt in der UdSSR" klang plötzlich eher makaber als lustig.

Steinerweichendes Gitarrenspiel

Aber ansonsten traf fast jeder Song ins Mark. Lennons "Revolution", eine mildere und langsamere Version im Vergleich zur Single, wo die Gitarrensaiten unter Starkstrom zu stehen scheinen und eine Klangkathedrale aus erhabenem Lärm und zornigem Geschrei entsteht. Pauls federleichtes Akustikjuwel "Blackbird" und sein romantisch-naiver Sing-along-Song "I Will". Das steinerweichende Gitarrenspiel von Eric Clapton auf "While My Guitar Gently Weeps" von George. Und schließlich das absurde Musiktheater der experimentellen Klangcollage "Revolution No. 9", bei dem man fast glaubt, die Chaostheorie in Noten zu erleben.

Das Lebensgefühl dieser turbulenten, schillernden Monate knistert in jedem Sound-Partikel dieses phänomenalen Albums. Phänomenal? Ja, das "Weiße Album" ein Phänomen, eine kaleidoskopartige Spiegelung all dessen, was die Pop- und Jugendkultur jener Tage prägte. In seiner Widersprüchlichkeit, in der bunten bis fahrigen Mischung aus vielen grandiosen Klassikern und ein paar hingerotzten Songs, im Kontrast zwischen empfindsamen Liedern und gewaltvoll-lärmenden Verzerrerorgien ist das "White Album" der große Abgesang auf die naive Hippie-Seligkeit des "Summer Of Love". Und zugleich ist diese unvergleichliche Doppel-LP ein suchender, vager Vorgriff auf Künftiges.

Was sich auch an unserem Freund Charly manifestierte: Er gab den abstrakten "Walrus"-Schlachtruf "Gu-gu-gutschub" auf, zugunsten einer sehr viel konkreter formulierten Forderung, die er aus dem gleichnamigen Song auf dem "White Album" übernahm: "Why don't we do it in the road?"

Anm. d. Red., 23.11.2008: In der ursprünglichen Textfassung waren einige Angaben zum Erscheinen der Songs missverständlich. Die Fehler wurden korrigiert.

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