Lego vs. Playmobil Autos zu Raumschiffen!

Das Grinsen war bei allen gleich. Ansonsten sind Lego und Playmobil grundverschieden - ebenso wie die Fans und ihre Vorlieben. Tobi Weidekemper errichtete ganze Städte aus Lego. Seine Playmo-Männchen landeten allerdings immer im Knast.

Playmobil

Durch unsere Grundschulklasse ging ein tiefer Riss. Anfang der neunziger Jahre, teilten wir uns nicht etwa in Mädchen und Jungen oder in Dortmund- und Schalke-Fans. Nein, bei uns wurde nur eine Frage gestellt: Spielst du mit Lego oder Playmobil?

Wir Lego-Bauer blickten auf die Playmobil-Kinder herab. Ihr Spielzeug war nicht nur plump, sondern lud auch kein bisschen zum Ausleben der Kreativität ein. Ein Playmobil-Auto war ein Auto, ein Lego-Auto hingegen konnte - mit etwas Phantasie oder den auf der Packung angegebenen Vorschlägen - in ein Flugzeug, Raumschiff oder ein Ferienhaus verwandelt werden. Zudem konnten alle Ausschweifungen kindlicher Vorstellungskraft direkt in Taten umgesetzt werden. Der Baubetrieb wurde meistens einzig von einer begrenzten Zahl vorhandener Achter-, Sechser- oder Vierer-Steine gebremst.

Wir kombinierten Feuerwehr, Polizeistation, Hafen und zahllose Eigenkreationen durch Straßenplatten zu einer großen Stadt, in der unsere kleinen Männchen mit Monopoly-Geld ihr Glück suchten (und dies natürlich in der Regel auch fanden).

Der Bodensatz der Kinderspielzeug-Gesellschaft

Die dänische Firma Lego begann damals, ihr Sortiment in Themenbereiche wie Ritter, Piraten oder Weltraum aufzuteilen. War ein Space-Shuttle für unsere Stadt eine durchaus willkommene Attraktion, wurde die Ritterburg umgehend zum Gefängnis umgebaut. Hier saßen bezeichnenderweise ausschließlich Playmobil-Figuren ein, die uns von unwissenden Erwachsenen geschenkt worden waren. Sie waren der Bodensatz unserer kleinen Kinderspielzeug-Gesellschaft.

Derartige Kombinationsmöglichkeiten waren den meisten Playmobil-Kindern fremd, in ihrem Spiel existierten Ritter und Polizeiwagen, Indianer und Astronauten nebeneinander. Zudem nannten sie ihr Spielzeug nur kurz "Playmo" und sprachen es wegen nicht vorhandener Englisch-Kenntnisse auch noch "Plehmoh" aus - was sie endgültig als simple Geister outete.

Unsere Lego-Stadt indes wurde regelmäßig von Naturkatastrophen heimgesucht, um dem Zerstörungstrieb freien Lauf zu lassen und neue Bauvorhaben zu ermöglichen. Irgendwoher mussten die benötigten Steine ja kommen. Ein Playmobil-Haus konnte nur einmal zerstört werden (Stichwort: Silvesterkracher!), ein Lego-Haus jedoch regelmäßig und ohne den Zorn der Eltern auf sich zu ziehen.

Monotone Schürfgeräusche und Einer-Stein-Überraschungen

Im Übrigen waren wir uns nicht sicher, ob unsere Eltern unsere Vorlieben nachvollziehen konnten. Denn jeder von uns bekam hin und wieder Playmobil-Männchen geschenkt, die umgehend ins Gefängnis verfrachtet wurden. Zudem wirkten die Erwachsenen bisweilen genervt von den monotonen Schürfgeräuschen, erzeugt durch das stundenlange Wühlen in riesigen Lego-Kisten erzeugt. Oder sie litten unter darunter, morgens um sechs einen lange vermissten Einer-Stein wiederzufinden - dadurch, dass sie barfuß drauftraten.

Wenn jedoch an Weihnachten oder Geburtstagen ein weiteres Gebäude oder Fahrzeug aus Lego verschenkt wurde und zusammengebaut werden musste, entdeckten Väter wieder den kleinen Jungen in sich und versuchten stundenlang, die Aufbauanleitung nachzuvollziehen.

Im Teenager-Alter ließ das Interesse langsam nach, doch sämtliche Lego-Steine warten im Keller darauf, irgendwann einmal an die eigenen Kinder weitergegeben zu werden und so eine Vorliebe für Playmobil zu verhindern.

insgesamt 3 Beiträge
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Heinz Haydn, 23.05.2015
1. Eine Frage des IQs
Gibt es Studien zu dem IQ von mit Lego, Playmobil oder Fischertechnik spielenden Kindern? Playmobil hat den Charme von Debilität...
Sven Rost, 21.12.2015
2. Lego VS Playmobil
Schöner Artikel, der an die eigene Kindheit erinnert. Und er ist so wahr! Lego ist für die Förderung der Fantasie (aber auch so) einfach das bessere Spielzeug ;)
Benjamin Glock, 08.05.2019
3. Albern...
... dieses Rumgehacke auf Playmobil. Ich hatte eine glückliche Kindheit mit Playmobil, und wer sagt denn, dass Kreativität nur im Bauen ausgedrückt werden kann? Ich habe mit den Playmobil Figuren Geschichten nachgespielt, die ich mir ausgedacht habe, und das war weder unkreativ noch langweilig. Habe ich deswegen einen niedrigeren IQ? Ich denke nicht. Kreativität ist, was man draus macht.
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