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Leicas erste Kleinbildkamera Plötzlich sah die Welt ganz anders aus

Es war das Ende der gestellten Fotografie und die Erfindung des Schnappschusses. Mit der ersten Leica waren Bilder vom wirklichen Leben möglich. Das hatte politische Sprengkraft.
aus SPIEGEL Geschichte 1/2020
Amateurfotografen wie Walter Ballhause aus Hannover dokumentierten mit ihr Zufallsszenen auf der Straße.

Amateurfotografen wie Walter Ballhause aus Hannover dokumentierten mit ihr Zufallsszenen auf der Straße.

Foto:

Walter Ballhause Archiv

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Als Ernst Leitz im März 1925 auf der Leipziger Messe die Kleinbildkamera Leica präsentierte, verspotteten manche das Ding als Spielzeug. Sie lachten zu früh. Denn der kleine Apparat, verkauft mit Ledertasche und Entfernungsmesser für 270 Mark, war eine jener Innovationen, deren Bedeutung weit über ihren eigentlichen Anwendungszweck hinausreicht.

Bis dahin war das Fotografieren eine aufwendige Angelegenheit gewesen: Entweder man nutzte Mittelformat-Rollfilmkameras, die allerdings keine professionelle Qualität boten. Oder man griff zu Großbild-Plattenkameras, die aber Aktentaschengröße erreichten. Gut fünf Kilogramm hatte ein Fotograf mit Platten, Kameras und Stativ zu schleppen, für gerade einmal zwölf Aufnahmen.

Die Kleinbildkamera nahm dem Fotografieren nun Schwere und Umständlichkeit. Leitz' Kamera wog nur 425 Gramm und passte in die Jackentasche. Der neuartige 35-Millimeter-Rollfilm ließ sich nach jedem Bild einfach weiterspulen. Bereits im ersten Jahr verkauften die Leitz-Werke in Wetzlar 900 Apparate. In den Jahren danach löste die Kamera eine regelrechte Massenbewegung aus: Der Apparat wurde zum Handwerkszeug des modernen Bildjournalismus, er befreite die Fotografen – und ihre Bilder.

Ins Rollen gekommen war die Revolution an einem Junitag 1924. In Wetzlar hatte Ernst Leitz, Chef der Leitz-Werke, seine Führungskräfte einbestellt. Bisher hatten die 1700 Mitarbeiter des 1869 gegründeten Optikspezialisten vor allem Mikroskope gebaut, doch die wirtschaftliche Lage war bedenklich. Nun ging es um die Frage, ob die Firma ein Wagnis eingehen und eine Erfindung in Produktion geben sollte, eine Liliputkamera, die es bisher so nicht gab. Der Leiter der Versuchsabteilung, Oskar Barnack, hatte sie entwickelt.

Ur-Leica von 1914. Erste Kleinbildkamera der Welt.

Ur-Leica von 1914. Erste Kleinbildkamera der Welt.

Der Chef saß mit seinem Entwickler vor den Managern, von denen "die meisten gegen den Apparat waren", wie Leitz sich in einem Radiointerview erinnerte. Schließlich hatte die Firma auf dem Massenmarkt bisher keine Erfahrung. Leitz hingegen sah die Vorteile der Neuentwicklung: Sie war leicht zu bedienen, handlich und innerhalb von Sekunden bereit für die nächste Aufnahme. "Die kleine Kamera wird verlangt, da bin ich mir sicher."

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