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Mit der Ente in Afrika: Abenteuer in der Sahara

Foto: Roland Klose

Mein erstes Auto Ente im Sand

Singende Grenzpolizisten, afrikanische Paul-Breitner-Fans und heitere Hippies: Auf einer Abenteuerfahrt in die Sahara erlebte Roland Klose den ganzen Charme Nordafrikas - und sorgte für Aufsehen: Er fuhr in einer Ente. Mit drei Freunden.

Vier Leute in einer winzigen Ente auf großer Fahrt von Heidelberg nach Nordafrika - das ist meine schönste Erinnerung an mein erstes Auto. Ich hatte damals einen beigefarbenen Citroën 2CV, genauer ein 2CV4, die Luxusausgabe mit 435 Kubikzentimetern. Die hatte im Unterschied zur einfachen 16-PS-Version immerhin 23 PS. Zusammen mit drei Freunden reiste ich, damals 22 Jahre alt, im Frühjahr 1972 nach Marokko und Algerien. Vier Personen und ihr Gepäck mussten in der Ente Platz finden.

Wir fuhren über Besançon und Lyon entlang der Rhone in die Provence, für Heidelberger Studenten fast noch eine Heimstrecke. In Spanien passierten wir Barcelona und Valencia und machten Halt im winterlich menschenleeren Torremolinos. Wir überquerten die Straße von Gibraltar mit der Fähre und landeten endlich in Tetuan, der ersten Stadt in Nordafrika, die uns mit orientalischem Zauber einfing - und verwirrte.

In Marokko trug uns die Ente über den Atlas, wir lernten die verwinkelte Altstadt von Fez und die Medina in Marrakesch kennen und ließen nördlich von Agadir am Atlantik die Seele baumeln - wie die Hippies, die sich dort aus angespültem Strandgut gehobene Sandburgen bauten. Am Südrand des Atlasgebirges kamen wir vorbei am malerischen Ouarzazate und überquerten schließlich bei der Oase Figuig die marokkanisch-algerische Grenze. Immer weiter tasteten wir uns nach Süden vor, bis wir nach einigen Tagen die wunderschöne Oase Timimoun erreichten.

Wüstenkunde für Anfänger

Wir lernten die verschiedenen Wüstenformen der Sahara kennen, abwechslungsreich in den großen Linien, manchmal aber auch tagelang der gleiche Anblick. Vorsichtig wagten wir uns auf Spaziergängen ein paar Meter vor in die unendliche Weite der Sanddünen.

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Mit der Ente in Afrika: Abenteuer in der Sahara

Foto: Roland Klose

Ich möchte die Tour heute nicht nachträglich zur gefährlichen Abenteuerreise verklären. Uns war sehr wohl bewusst, dass wir zu viert in einem voll gepackten Kleinwagen reisten. Deshalb fuhren wir stets auf den großen, asphaltierten Nationalstrassen. Die Streckenabschnitte betrugen in der Sahara maximal 400 Kilometer - ein Limit, das uns durch die Reichweite des Tanks und unsere geringen Benzinreserven vorgegeben war.

Natürlich kann man so einen Streckenabschnitt trotz gut ausgebauter Straße nicht mit der A7 zwischen Hamburg und Würzburg vergleichen. Man fuhr besser bei Tageslicht, weil immer wieder überraschend Sandverwehungen auftreten konnten - einmal erlebten wir sogar einen richtigen Sandsturm. An manchen Tagen trafen wir nur ein oder zwei Autos, meistens große Wüsten-Trucks, die modernen Nachfahren der alten Karawanen. Einmal machten wir gerade Pause am Straßenrand, als von Ferne ein großer Lastwagen heranrauschte. Auf unserer Höhe blieb der Fahrer stehen und fragte, ob wir eine Panne hätten und er uns helfen könne. Man konnte also dort auf die Hilfsbereitschaft der Leute zählen. Außerdem gab es in jeder kleinen Oasen-Stadt mindestens eine Werkstatt, die sich gut mit französischen Autos auskannte.

Deutschland-Sympathie dank FC Bayern

Dass wir gut mit den jungen Leuten auskamen, lag daran, dass wir selbst noch jung waren - und am 1. FC Bayern München. Kein "Café du Sport", in dem nicht neben den Porträts der Lokalmatadoren auch großformatige Bilder von Paul Breitner und Franz Beckenbauer hingen.

Von Timimoun fuhren wir in nordöstlicher Richtung über verschiedene Oasen zurück ans Mittelmeer und dort an der Küste von Constantine nach Algier. Dort erhielt ich auf dem Postamt einen Brief von meiner Mutter - Monsieur Klose, Postes Restantes Algier, Algerien, Afrika. Es gab damals eben weder Handys noch Internet-Cafés. Mit der Fähre überquerten wir das Mittelmeer und betraten in Marseilles wieder europäischen Boden. Nach einem Blick in den Spiegel befürchteten wir langwierige Einreiseprozeduren. Doch der Zollbeamte betrachtete das Nummernschild und sang in gutem Deutsch mit leicht französischem Akzent: "Ich hab' mein Herz in Heidelberg verloren" - und winkte uns lachend durch. 16 Stunden später waren wir zu Hause.

Die Ente musste ich bald verkaufen - ich war blank und konnte die nach der langen Reise notwendige Überholung für den TÜV nicht mehr bezahlen. Für den Erlös kaufte ich mir einen alten, etwas rostigen R4, der noch eineinhalb Jahre TÜV hatte. Immerhin blieb ich so der Spazierstock-Schaltung treu. Mein älterer Bruder meinte, ich solle mich nach diesem Ausflug ins Hippie-Leben nun wieder um mein Mathematikstudium kümmern, das Leben sei zu kurz. Ein gutes Jahr später hielt ich meine Diplomurkunde in Händen.

Heute denke ich, ich hätte mein Diplom auch eine Reise später machen können - aus genau demselben Grund, den mein Bruder anführte.

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