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Lästereien vor offenem Mikro: Wenn plötzlich alle mithören

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Mikrofonpannen von Prominenten Verbale Erstschläge

Am 11. August 1984 verkündete US-Präsident Reagan die Bombardierung der Sowjetunion. Ein Scherz, doch das Mikrofon war eingeschaltet. einestages zeigt, wie eindrucksvoll Prominente verbal entgleisen können.

Der Präsident war zum Scherzen aufgelegt. Ronald Reagan machte sich gerade warm für die Aufzeichnung seiner Rede an das amerikanische Volk. Techniker hatten die dafür nötige Ausrüstung an jenem 11. August 1984 zu Reagans Landsitz im sonnigen Bundesstaat Kalifornien geschafft. Wie so oft übte der ehemalige Schauspieler zunächst einige Sätze, bevor die eigentliche Ansprache losging.

"Meine lieben Amerikaner", begann der Präsident, "es ist mir ein Vergnügen, Ihnen heute mitzuteilen, dass ich ein Gesetz unterzeichnet habe, das Russland für immer für vogelfrei erklärt." Während im Hintergrund bereits unterdrücktes Gelächter von Reagans Beratern zu vernehmen war, sollte der wahre verbale Sprengsatz noch folgen: "Wir beginnen mit der Bombardierung in fünf Minuten."

Die Berater kannten ihren Chef gut. In weiser Voraussicht hatten sie bereits zu einem früheren Zeitpunkt sämtliche Sprechübungen des Präsidenten für "off the record" erklärt. In diesem Fall aber konnten sie nicht verhindern, dass die Aufnahme dennoch in die Öffentlichkeit gelangte. Die Tontechniker waren angesichts des drastischen Inhalts dieser Ankündigung wohl derart besorgt, dass sie - entgegen der offiziellen Anweisung zur Diskretion - für eine Verbreitung der vermeintlichen Bombardierungsabsichten sorgten.

In der aufgeheizten Atmosphäre des Kalten Kriegs und der ständigen Drohung eines Atomkriegs zwischen den USA und der Sowjetunion kam der Scherz des US-Präsidenten gar nicht gut an. Vor allem die Sowjets teilten den Humor des amerikanischen Komikers nicht: "Ein beispiellos feindseliger und für die Sache des Friedens gefährlicher Ausfall", kommentierte etwa die sowjetische Nachrichtenagentur Tass die präsidiale Entgleisung.

einestages präsentiert eine Auswahl der peinlichsten verbalen Ausrutscher, die der Öffentlichkeit eigentlich niemals zu Ohren hätten kommen sollen.

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Lästereien vor offenem Mikro: Wenn plötzlich alle mithören

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Zwar war auch dort bald klar, dass Reagan gewitzelt hatte, lustig fand man die Äußerung aber weder jenseits noch diesseits des Eisernen Vorhangs. In der mit den USA verbündeten Bundesrepublik fand der SPD-Pressedienst deutliche Worte und attestierte Reagan ein "Maß an Zynismus und eiskalter Menschenverachtung, wie es sonst nur bei Schwerkriminellen und Massenmördern angetroffen wird".

Den so Gescholtenen allerdings beeindruckte die Empörung über seine verbale Entgleisung am offenen Mikrofon keineswegs. Zwei Jahre später nannte der wiedergewählte Präsident beim Verlassen des Rednerpodiums einige unliebsame Journalisten leise in sein Mikro murmelnd "Hurensöhne". 1982 hatte bereits die polnische Staatsführung seinen zweifelhaften Humor zu spüren bekommen. Ebenfalls in einer Hörprobe bezeichnete er sie als einen "Haufen nichtsnutziger, lausiger Penner".

Obwohl Reagans "Bombendrohung" in ihrer Tragweite ziemlich einzigartig war, war dieser US-Präsident nicht der einzige, der ein eingeschaltetes Mikrofon oder eine laufende Kamera übersah - und mit seinen freimütigen Äußerungen ins Fettnäpfchen trat. Reagans Nachfolger George W. Bush nannte 2000 gut hörbar für die Öffentlichkeit einen Journalisten ein "Riesenarschloch", Barack Obama raunte 2012 bei offenem Mikro seinem russischen Amtskollegen Dmitrij Medwedew vertraulich zu, dass er nach seiner nächsten - und letzten Wahl - mehr "Flexibilität" hätte.

Doch es waren nicht nur Politiker, die im entscheidenden Augenblick übersahen, dass ein Mikro "mithörte". Die RTL-Moderatorin Katja Burkard bemerkte 2012 angesichts der freizügigen Sängerin Kesha für alle Zuschauer vernehmbar: "Wat 'ne Schlampe!"

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