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Kult-Comedygruppe Monty Python: "Chleudert den Purchen zu Poden"

Foto: Sony Pictures

Kult-Comedygruppe Monty Python Mit Hase, Gral und Handgranate

1975 machte ihr Film "Die Ritter der Kokosnuss" die Komikertruppe Monty Python zu Weltstars. Dabei waren manche der schönsten Gags aus reiner Geldnot geboren - hier die größten Momente der revolutionären Briten.

Im alten Rom waren einst zwei Ringer derart ineinander verkeilt, dass sie sich nicht mehr bewegen konnten. Stundenlang verharrten sie, schließlich gab einer auf. Als der Kampfrichter den anderen zum Sieger erklären wollte, stellte er fest: Der arme Mann war tot.

Wahr oder nicht, die Story will John Cleese von seinem Englischlehrer gehört haben. "Sie blieb mir jahrelang im Gedächtnis", erinnerte sich der Komiker später. Bis sie ihm eines Tages zupass kam: "Daraus entstand der Sketch mit dem schwarzen Ritter."

Dieser überaus hartnäckige Kämpfer in schwarzer Rüstung wurde zur Kultfigur von "Die Ritter der Kokosnuss", dem ersten eigenständigen Kinofilm der britischen Klamauktruppe Monty Python. Im Duell mit König Artus gibt er selbst nicht auf, als der ihm alle Glieder abgeschlagen hat: "Der schwarze Ritter triumphiert immer!"

"Die Ritter der Kokosnuss" (Originaltitel: "Monty Python and the Holy Grail") hatte am 9. April 1975 Premiere, sechs Jahre nach Gründung der Gruppe. Die war da schon berühmt, dank ihrer TV-Serie "Monty Python's Flying Circus". Doch erst die Kokosnuss-Ritter kondensierten das Genie hinter dem Sextett aus Cleese, Graham Chapman, Terry Gilliam, Eric Idle, Terry Jones und Michael Palin: Ihre Kalauer waren subversive Sozialkritik, akribisch choreografiert. Der Film machte Monty Python zum globalen Phänomen, das bis heute kopiert, dessen Klasse aber nie erreicht wird.

Begonnen hatte die Humor-Revolution an den Elite-Universitäten Großbritanniens: Cleese und Chapman kannten sich von der Cambridge University, die auch Idle besucht hatte. Jones und Palin waren Oxford-Buddys. Den Illustrator Gilliam wiederum - den einzigen Amerikaner im Bunde - traf Cleese in New York.

Irgendwie landeten sie alle beim "Frost Report", der BBC-Satireserie von David Frost, der später mit seinen Richard-Nixon-Interviews Geschichte schreiben würde. Der "Frost Report" - eine Art Vorfahr heutiger Shows wie der amerikanischen "Daily Show" - wurde zum Inkubator für Monty Python.

Die Idee soll ihnen im Mai 1969 gekommen sein, im "Light of Kashmir Tandoori", einem indischen Restaurant bei London: Eine eigene TV-Sendung, die Tabus und Konventionen brach, die britische Contenance auf die Schippe nahm und Chaos und Anarchie kultivierte.

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Kult-Comedygruppe Monty Python: "Chleudert den Purchen zu Poden"

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An der Geburt des Namens Monty Python scheiden sich die Erinnerungen. Fest steht: Die Komiker diskutierten viele andere. Etwa A Horse, a Spoon and a Basin. Owl Stretching Time. The Toad Elevating Moment. Der Name "Monty" war - je nachdem, wem man glaubt - entweder ein "Tribut" an den Weltkriegsgeneral Lord Bernard Montgomery oder der Name eines alten Zechkumpans. Und Python? Einfach, weil es so schön hinterhältig-schleimig klang.

"Monty Python's Flying Circus" debütierte 1969, spätabends, sonntags, vor dem Wetter. Die BBC wusste nicht recht, was sie damit anfangen sollte - und gab dennoch eine zweite Staffel in Auftrag, der später eine dritte und vierte folgen sollten.

45 Folgen liefen bis 1974, eine schräger als die andere. Die Sketche, flankiert von Gilliams anarchischen Cartoons, gingen an die Grenzen des Geschmacks und darüber hinaus. Sie karikierten alle TV-Stilformen: bierernste Dokumentationen ("Mosquito Hunting with Roy and Hank Spim"), hirnlose Sitcoms ("The Attila the Hun Show"), wichtigtuerische Nachrichtensendungen ("The News for Parrots") - und die pompöse BBC selbst, die sich immer mehr als Zensor aufblähte und ihnen selbst das Wort "Masturbation" verbot.

Ein Teil des Erfolgsrezepts waren die widersprüchlichen Naturelle der sechs: heiß und kalt, leise und laut. Monty-Python-Experten trennen sie gerne nach Alma Mater: Aggressiv-verbale Cambridge-Absolventen, konzeptuell-visuelle Oxford-Alumni.

Da krachte es auch schon mal. Trotz des strikten Arbeitsrituals - asketisch (sie schrieben täglich von 9 bis 17 Uhr) und demokratisch (über alle Gags stimmten sie ab). "Wir haben uns in der Gruppe oft gestritten", sagte Cleese, der größte Star der Gruppe, dem SPIEGEL kürzlich . "Wir waren nicht besonders gut im Kommunizieren." Ein britisches Understatement: Manchmal kommunizierten sie gar nicht mehr.

Kein Geld für Pferde

Hinzu kam Chapmans wachsende Sucht: "Wenn man zu sechst ist, und einer der sechs ist Alkoholiker, dann geht es eben nicht mehr so harmonisch zu wie vorher", sagte Cleese. Nach der dritten Staffel hatte er genug und ging. Nur für die Filme kehrte er noch mal zurück.

Nach der Sketchsammlung "Monty Pythons wunderbare Welt der Schwerkraft" (1971) waren dies "Die Ritter der Kokosnuss" (1975), die Jesus-Parodie "Das Leben des Brian" (1979) und "Der Sinn des Lebens" (1983). Sie machten die Gruppe zu Stars. In den Filmen finden sich die meisten der bis heute verehrten Kult-Sketche (siehe Fotostrecke) - sowie den Kreuzigungs-Hit "Always Look on the Bright Side of Life".

Dabei hatten die Komiker selbst da noch kaum Geld. "Die Ritter der Kokosnuss", eine Persiflage der Artus-Legende und später Inspiration für Idles Broadway-Musical "Spamalot", entstand für gerade mal 400.000 Dollar. So sehr mussten sie sparen, dass sie sich nicht einmal Pferde leisten konnten für König Artus und seine Runde. Deshalb hüpften die Schauspieler herum, als ritten sie, gefolgt von Dienern, die mit Kokosnussschalen klapperten, um Hufgeräusche zu simulieren - der Ursprung des deutschen Filmtitels.

Späte Millionäre

Bei den vielen Burgen, die im Film zu sehen waren, handelte es sich tatsächlich stets um dieselbe - oder ein Sperrholzmodell. Die Kuh, die von einer Burg herabkatapultiert wird, war eine Spielzeugkuh. Und bei der berühmten Szene mit dem schwarzen Ritter war ihnen das Geld ausgegangen. Die Kultfigur wurde im Wechsel von Cleese, einem einbeinigen Schmied aus dem Dorf namens Richard Burton und einer Marionette dargestellt.

Den spottbilligen Vorspann drehten sie ganz zum Schluss, als das Budget völlig erschöpft war. Trotzdem wurde "Die Ritter der Kokosnuss" 1975 zum erfolgreichsten britischen Film in den USA.

Nach Chapmans Krebstod 1989 löste sich die Gruppe auf. Vor allem Cleese, der sich immer öfters überstimmt sah und lieber in Hollywood Karriere machte, hatte die Nase voll. In der Popkultur aber lebte Monty Python weiter.

Erst mit "Spamalot", das 2005 am Broadway Premiere hatte und viele Preise abräumte, wurden die überlebenden Fünf zu Millionären. Eine Comeback-Tour im vorigen Jahr machten sie trotzdem nur widerwillig: Viele Sketche, fand Michael Palin im Nachhinein, seien "wirklich Mist" gewesen.

Die anderen aber, die kein Mist waren, die werden ewig bestehen.

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