Stillgelegte Olympia-Skisprunganlagen Milliardengräber auf Bergen

Stillgelegt, abgerissen, drittklassig: Skisprunganlagen sind oft irre teuer. Anders als in Peking beschworen, enden viele als Ruinen. Bilder historischer Olympiaschanzen – und was aus ihnen wurde.
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Symbol des sinnlosen Blutvergießens: Ruine der einstigen Skisprunganlage der Olympischen Winterspiele 1984 in Sarajevo. Acht Jahre später begann der Bosnienkrieg: Die Schanzen am Berg Igman wurden zerstört, ein Profi-Skispringen fand in Sarajevo nie wieder statt. Die Umbaupläne um das Jahr 2010 blieben folgenlos: Wie fast alle Anlagen der sagenumwobenen Winterspiele sind die Schanzen 38 Jahre nach Jens Weißflogs Olympiasieg gespenstisch anmutende Brachen.

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Einst modernste Schanze der Welt: Der Trampolino Olimpico Italia in Cortina d'Ampezzo wurde eingeweiht anlässlich der Olympischen Winterspiele 1956. Seit 1998 ist die Anlage nicht mehr in Betrieb – bekannt ist sie heute vor allem, weil dort 1981 einige Szenen des James-Bond-Streifens »In tödlicher Mission« gedreht wurden.

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Aus Kostengründen geschlossen: die Alberta Ski Jump Arena in Calgary. Ab 1985 wurden im Olympia-Park für die Winterspiele in Kanada gleich fünf Schanzen errichtet. Nach den Olympischen Winterspielen 1988, bei denen der Finne Matti Nykänen dreimal Gold holte, fand in Calgary nie ein Weltcup statt – dafür war die Anlage aber Schauplatz zahlreicher unterklassiger internationaler Wettbewerbe. 2018 wurden die Schanzen schließlich dichtgemacht.

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Zwei Jahre zu spät fertig – und dann kosteten sie auch noch umgerechnet 230 statt der erwarteten 35 Millionen Euro: die Schanzen von Sotschi, wo 2014 die Olympischen Winterspiele ausgetragen wurden. Der Olympiasieg des deutschen Teams vor acht Jahren war der letzte internationale Wettkampf auf der russischen Anlage. Seitdem geschieht dort wenig, auch weil die Schanzen an ungeeigneter Stelle stehen und der Hang abrutscht. »In zehn Jahren«, scherzte Gian Franco Kasper, Präsident des Internationalen Skiverbandes (Fis) 2014, »werden die Schanzen nicht mehr oben am Berg stehen, sondern unten am Meer.«

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Die Hakuba-Schanzen entstanden für die Olympischen Spiele 1998 in Nagano. Sechs Jahre später fand auf den Anlagen auf der japanischen Hauptinsel Honshu in der Präfektur Nagano der letzte Weltcup statt.

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Heute vor allem Trainingszentrum: Der Whistler Olympic Park mit seinen beiden Schanzen wurde für die Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver gebaut. Das einzige Weltcup-Wochenende der Springer fand noch vor den damaligen Winterspielen statt. Seither gibt es dort vor allem unterklassige Wettbewerbe; zudem dient Whistler den Kanadiern als Trainingszentrum. Kleiner Lichtblick: 2023 wird die Anlage für die Junioren-WM genutzt.

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Zweimal Olympia! Wenn das mal nicht nachhaltig ist – seit 1920 nutzen Sportler die Schanzenanlage in Lake Placid (Bundesstaat New York), 1932 fanden dort erstmals die Olympischen Winterspiele statt. Ein gutes halbes Jahrhundert später wurden dort 1980 erneut die Spiele ausgetragen – Sieger der Sprungwettbewerbe waren Jouko Törmänen (Finnland) und Anton Innauer (Österreich).

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Von wegen grün: der Alpensia Jumping Park im südkoreanischen Pyeongchang (2018). »Es sind Stätten gebaut worden, die man nie wieder braucht«, sagte die DLF-Sportjournalistin Jessica Sturmberg im Interview. Für den Bau der alpinen Skipiste wurden laut Sturmberg 60.000 Bäume gefällt – darunter auch solche, die 500 Jahre alt waren. Sagenhafte eine Milliarde US-Dollar kostete das bis 2009 errichtete Alpensia-Wintersportzentrum, zu dem auch fünf Schanzen gehörten. Der Nutzen war überschaubar: Einziger nacholympischer Wettkampf war – auch pandemiebedingt – ein drittklassiger FIS-Cup 2019.

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Hoch hinaus: Die Utah Olympic Park Jumps sind mit 2237 Metern die höchstgelegenen Wettkampfschanzen der Welt. Die kleine stammt von 1993, die große wurde für die Winterspiele 2002 in Salt Lake City (Utah) erbaut. Genutzt wurde sie bis 2008 regelmäßig, seitdem tat sich in Utah mit Ausnahme der Junioren-WM 2017 und einem Gastspiel des drittklassigen FIS-Cups im Folgejahr international nichts mehr. Heute nutzt der US-Verband die Anlage für Wettkämpfe.

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Jahrelanges Schattendasein: die Anlage im französischen Courchevel, die ursprünglich aus den Vierzigerjahren stammt und für die Olympischen Winterspiele 1992 in Albertville neu bebaut wurde. Erst nach einem Umbau 2011 ist das Tremplin du Praz zentraler Bestandteil des Sommer-Grand-Prix.

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Unbemanntes Flugobjekt: Die Schanzen von Courchevel, errichtet für die Olympischen Winterspiele in Albertville 1992. Besonders gnadenlos ging der Tiroler Fotograf Lois Hechenblaikner mit den französischen Olympiastätten ins Gericht: »Das Negativ-Beispiel schlechthin ist für mich Albertville«, sagte Hechenblaikner 2013 dem Schweizer »Tagesanzeiger«. »Also so etwas von schrecklich und traurig, unfassbar! Stadien, die wie ein deplatziertes Ufo vor sich hinrosten, ein Ortszentrum wie eine heruntergekommene Wildwest-Stadt, architektonisch vermurkst ohne Ende.«

Foto: Sirotti / IMAGO
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Gut ausgelastet: Ein Beispiel für gute Nachnutzung sind die »Lysgaardsbakken«, für die norwegischen Winterspiele 1994 in Lillehammer gebaute Schanzen. Sie sind bis heute Stammschauplatz nordischer Weltcups. Die Frauen sprangen dort zuletzt im Dezember, die Männer sind am ersten Märzwochenende zu Gast.

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Feierliche Eröffnung: Auch diese Anlage wurde zweimal für Olympische Winterspiele genutzt – die Bergisel-Schanze in Innsbruck, Schauplatz der Spiele von Innsbruck 1964 und 1976 (Foto) und seit Jahrzehnten auch Teil der Vierschanzentournee, die jährlich um den Jahreswechsel stattfindet.

Foto: RDB / ullstein bild
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Kommt ein Menschlein geflogen: Arttu Mäkiaho aus Finnland springt von der Bergisel-Schanze in Innsbruck (Foto von 2019). 1988 kam Papst Johannes Paul II. und zeigte, wie man eine Olympiaschanze noch so nutzen kann: Das Oberhaupt der katholischen Kirche feierte auf dem Bergisel eine Messe mit rund 60.000 Menschen.

Foto: Hendrik Schmidt / dpa
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Tote Hose im Tal der Squaw: Auch die Anlagen von Squaw Valley (Kalifornien), errichtet zu den Olympischen Winterspielen 1960, wurden stillgelegt – heute wird die zurückgebaute Schanze als Skipiste genutzt.

Foto: San Francisco Chronicle / Getty Images
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»Nachhaltigkeit für die Zukunft«? Die Olympischen Winterspiele von Peking 2022 werden als komplett klimaneutral beworben – was schon allein angesichts des tonnenweise produzierten Kunstschnees ein Witz ist. Für den Bau der monströsen Schanze musste ein Dorf umgesiedelt werden, die genauen Baukosten sind nicht bekannt, sollen aber bei etwa hundert Millionen Dollar liegen. Ob auf der an einen Donut erinnernden Anlage in der schneearmen Region von Zhangjiakou jemals ein Weltcup stattfinden wird, scheint zumindest fraglich.

Foto: Lintao Zhang / Getty Images

Mit Material von sid

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