Olympia-Attentat 1972 Bundesregierung einigt sich offenbar mit Opferfamilien auf Entschädigung

Die Gedenkfeier zum 50. Jahrestag des Olympia-Attentats drohte zur Farce zu werden – wegen des Entschädigungsstreits zwischen Hinterbliebenen und der Bundesregierung. Nun gibt es wohl doch noch rechtzeitig eine Lösung.
Ankie Spitzer

Ankie Spitzer

Foto: Jonas Opperskalski / laif / DER SPIEGEL

Die Münchner Gedenkfeier zum 50. Jahrestag drohte zuletzt, durch den Streit über die Aufarbeitung des Olympia-Attentats 1972 zu einer unwürdigen Veranstaltung zu werden. Nun gibt es in der Frage nach einer angemessenen Entschädigung der Opferfamilien offenbar doch noch eine rechtzeitige Einigung.

Nach SPIEGEL-Informationen sollen die Hinterbliebenen der elf Ermordeten 28 Millionen Euro bekommen. Dem habe die Sprecherin der Familien, Ankie Spitzer, heute im Laufe des Tages zugestimmt, bestätigten Regierungskreise am Dienstag dem SPIEGEL. Ankie Spitzer selbst teilte dem SPIEGEL am Abend mit, man sei »dem Deal sehr nahe«, müsse aber noch einige Papiere und Vereinbarungen unterschreiben. Eine Summe nannte die Witwe des bei dem Attentat ermordeten israelischen Fechttrainers Andre Spitzer nicht.

Auch die »Süddeutsche Zeitung«  berichtete über das neue Angebot in Höhe von 28 Millionen Euro, vermeldete zunächst aber noch keine Einigung. Nach SPIEGEL-Informationen soll der Bund von der Entschädigungssumme 22,5 Millionen Euro aufbringen, 5 Millionen Euro sollen vom Freistaat Bayern kommen sowie eine halbe Million Euro von der Stadt München. Neben der finanziellen Anerkennung des Leids der Angehörigen, so heißt es in der Bundesregierung, gehe es ausdrücklich auch »um eine Übernahme von Verantwortung durch den deutschen Staat«.

Zuletzt hatten die Opferfamilien angekündigt, am 5. September nicht zu der Gedenkveranstaltung nach München zu reisen, wenn bis dahin die Entschädigungsfrage nicht geklärt sein sollte.

Opferfamilien beklagen seit 50 Jahren mangelhafte Aufarbeitung

Beim Attentat palästinensischer Terroristen waren bei den Olympischen Sommerspielen in München am 5. und 6. September 1972 elf israelische Sportler und Betreuer sowie ein deutscher Polizist ums Leben gekommen. Zwei Mitglieder des Teams aus Israel wurden im Olympischen Dorf ermordet, die anderen starben während einer missglückten Befreiungsaktion auf dem Flugplatz Fürstenfeldbruck. Später wurde bekannt, dass die deutschen Behörden unter anderem vorherige Warnhinweise auf eine mögliche Terroraktion vernachlässigt und während der versuchten Geiselbefreiung zahlreiche fatale Fehler gemacht hatten.

Die Bundesregierung hatte zuletzt erklärt, den Opferfamilien ein halbes Jahrhundert nach dem Anschlag auf die israelische Olympiamannschaft eine späte Entschädigung zahlen zu wollen, als Ergebnis einer »Neubewertung« des Attentats und seiner Folgen. Ein erstes Angebot über circa zehn Millionen Euro hatte die Hinterbliebenensprecherin Ankie Spitzer Mitte August jedoch als »Beleidigung« und »Trinkgeld« abgelehnt.  Angerechnet werden sollten dabei frühere Leistungen aus den Jahren 1972 und 2002 in Höhe von insgesamt rund viereinhalb Millionen Euro.

Bereits im vergangenen Mai hatten die Familien der israelischen Opfer angekündigt, der Gedenkfeier in München fernzubleiben, sofern die Entschädigungsfrage ungeklärt bleibe. »Wenn sie uns nicht einmal eine Kompensation nach internationalen Standards zahlen, werden wir überhaupt nicht kommen«, sagte Ankie Spitzer dem SPIEGEL. Die Opferfamilien hatten in den vergangenen 50 Jahren auch immer wieder die mangelhafte Aufarbeitung der Ereignisse und nicht freigegebene Ermittlungsakten beklagt; zudem habe sich von deutscher Seite nie jemand für das Behördenversagen im Zuge der Geiselnahme entschuldigt.

Zuletzt hatte die Bundesregierung den Familien auch zugesagt, dass eine Kommission aus deutschen und israelischen Historikern eingesetzt werden soll, um die Ereignisse in München lückenlos aufzuarbeiten.

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