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Philipp Freiherr von Boeselager: Der letzte Hitler-Attentäter

Foto: Thomas Frey/ dpa

Philipp Freiherr von Boeselager Der letzte Hitler-Attentäter

Er war der letzte Überlebende des 20. Juli 1944. Philipp Freiherr von Boeselager gehörte zu der Gruppe um Stauffenberg, die das Attentat auf Hitler plante. In der Nacht zum 1. Mai 2008 starb er im Alter von 90 Jahren.

Noch bis ins hohe Alter sah er Hitler immer wieder einen Meter, vielleicht auch nur einen halben, vor sich her gehen. Philipp Freiherr von Boeselager konnte die große verpasste Gelegenheit seines Lebens nie vergessen. Am 13. März 1943 war Hitler von dem Mitverschwörer und Freund Oberst Henning von Tresckow unter einem Vorwand in das Hauptquartier der Heeresgruppe Mitte an der Ostfront gelockt worden. Boeselager, der direkt hinter ihm lief, sollte seine Pistole ziehen und den Diktator ermorden.

Doch der Plan wurde kurz vorher abgeblasen und noch Jahrzehnte später haderte er mit seinem Schicksal und damit, dass es für Sekunden in seiner Hand lag, Millionen Leben mit einem Tyrannenmord zu retten: "Ich hätte ihn erschießen können", sagte er noch kurz vor seinem Tod in einem Interview der "FAZ".

Der letzte überlebende Widerstandskämpfer starb am Vormittag des 1. Mai auf seiner Burg Kreuzberg im rheinland-pfälzischen Altenahr, bestätigte seine Familie am Freitag. Der frühere Wehrmachtsoffizier wurde 90 Jahre alt.

Mit 1200 Reitern auf dem Weg nach Berlin

Von Boeselager wurde als fünftes von zehn Kindern bei Bonn geboren. Nach der Schulausbildung ging er zur Wehrmacht. Schon als kleiner Junge war er aufgrund seiner katholischen Erziehung skeptisch gegenüber den Nazis. Schon früh missfiel dem Gläubigen, dass aus den Schulen die Kreuze entfernt wurden. Später wurde sein Vetter, der persönlicher Referent bei Franz von Papen war, durch die Gestapo umgebracht.

Im Juni 1942 erfuhr er während des Russland-Feldzugs erstmals etwas über die von der Nazi-Führung befohlenen Ermordungen - in diesem Fall an einer Gruppe Sinti und Roma. Der Holocaust war einer der Hauptgründe sich im Herbst 1942 den den Widerstandskämpfern anzuschließen. Für den März 1943 war von Boeselager für das letztlich nicht zustande gekommenes Pistolenattentat auf Hitler ausgewählt worden.

Über sein Bataillon konnte er schließlich auch den als besonders gut geltenden, englischen Sprengstoff für das Attentat des 20. Juli 1944 besorgen. Zwei Tage vor dem Anschlag machte sich von Boeselager außerdem im Auftrag seines ebenfalls zu den Widerstandskämpfern zählenden Bruders Georg mit 1200 Reitern von der Ostfront auf den Weg nach Berlin.

Dort hätte er mit seinen Leuten im Fall eines geglückten Attentats SS-Führer Heinrich Himmler und NS-Propagandaminister Joseph Goebbels verhaften und in Berlin für Ruhe sorgen sollen. Doch kurz vor dem Abflug nach Berlin erhielt von Boeselager einen Zettel mit dem Befehl "Alles in die alten Löcher" überreicht. "Da wusste ich, dass das Attentat gescheitert war, wir mussten zurück an die Front", sagte der Widerstandskämpfer später.

Niemand gab seinen Namen Preis

Er entging der Hinrichtungswelle gegen die an dem Attentat beteiligten Verschwörer nur, weil trotz Folter niemand aus der Gruppe seinen Namen preisgab und er so bis Ende des Zweiten Weltkriegs unentdeckt blieb.

Zuletzt hatte sich von Boeselager positiv über die umstrittene Verfilmung des Hitler-Attentats von Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg mit US-Schauspieler und Scientology-Mitglied Tom Cruise geäußert. Die Verfilmung könne ja helfen, dass die Amerikaner etwas mehr über den deutschen Widerstand erfahren, war seine Meinung.

Der überzeugte Katholik gehörte zudem zu den Gründern des Malteser Hilfsdienstes und initiierte die Lourdes-Wallfahrten der Malteser. Im Januar sagte von Boeselager dem "Rheinischen Merkur", dass er angesichts seines Glaubens keine Angst vor dem Tod habe und davon überzeugt sei, dass ihn Gott einmal lachend empfangen werde - "mit Rotwein oder einem guten Cognac".

cjp/AFP/AP/dpa