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Nick Mason von Pink Floyd: "Eine Tribute-Band wäre mir zu wenig"

Foto: Cyrus Andrews/ Michael Ochs Archives/ Getty Images

Musiker Nick Mason Warum der Schlagzeuger beim Pink-Floyd-Quiz versagte

Als Drummer von Pink Floyd wurde Nick Mason berühmt. Hier erzählt der Brite, wieso ein Architekturstudium für Rockmusiker ideal ist, was Coverbands langweilig macht und wie schlecht er beim Musik-Quiz abschnitt.
Zur Person
Foto: MJ Kim/ Getty Images

Nick Mason wurde 1944 in Birmingham geboren und als Drummer der Rockband Pink Floyd weltberühmt. Mit Alben wie "The Dark Side of the Moon", "Wish You Were Here" oder "The Wall" brachen die Briten Umsatzrekorde. Vor vier Jahren erschien ihr letztes Album "The Endless River". Mason lebt mit seiner Familie bei London. Nun werden seine Soloalben neu aufgelegt, im Herbst 2018 geht er mit neuer Band und alten Pink-Floyd-Songs auch in Deutschland auf Tournee.
Tourdaten mit "Saucerful of Secrets"
4.9.2018 Rostock, Moya / 11.9. Düsseldorf, Mitsubishi Electric Halle / 13.9. Hamburg, Laeiszhalle / 15.9. Stuttgart, Liederhalle Beethovensaal / 16.9. Berlin, Tempodrom / 17.9. Leipzig, Haus Auensee. Mehr Infos gibt es hier. 

einestages: Mr. Mason, werden Sie eigentlich auf der Straße erkannt?

Mason: So gut wie nie. Sehr angenehm. Ich bin wohl berühmt, aber ohne den oft damit verbundenen Stress. Es ist auch lange her, dass Pink Floyd Platten gemacht haben, und so wie damals sehe ich ohnehin nicht mehr aus.

einestages: Wollten Pink Floyd nicht ohnehin als Individuen unsichtbar bleiben, versteckten sich deshalb bei Konzerten hinter einer Lightshow und waren auf ihren Plattencovern nicht zu sehen?

Mason: Unsere Anonymität hat sich irgendwie von allein ergeben. Ganz am Anfang wollten wir tatsächlich eine Popgruppe mit Hits und Fernsehauftritten sein. Dann nahm alles eine Dimension an, mit der wir nicht gerechnet hatten. Ich würde nicht sagen, dass wir uns verstecken wollten. Aber unser Interesse wuchs, eine Show zu inszenieren, die nichts mit uns zu tun hatte, sondern mit dem Erlebnis der Musik. Filmclips zu den Songs aufzunehmen und bei Konzerten auf Großleinwänden zu zeigen - das war neu und lenkte natürlich von uns ab.

einestages: Hatten Sie in jungen Jahren einen Plan B?

Mason: Ich war auf dem Weg, Architekt zu werden, und habe auch vier Jahre Architektur studiert. Als ich meine Pläne änderte, haben meine sehr liberalen Eltern das lässig genommen. Mein Vater machte Dokumentarfilme und hatte einen künstlerischen Blick auf die Welt. Mein Studium habe ich übrigens überwiegend durchgezogen. Der Uni-Rektor sagte mir damals, ich solle das mit der Rockmusik doch ausprobieren, nach zwei Jahren könne ich ja immer noch mein Studium abschließen.

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Nick Mason von Pink Floyd: "Eine Tribute-Band wäre mir zu wenig"

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einestages: Was brachte Ihnen das Architekturstudium für Pink Floyd?

Mason: Sehr viel. Weil ich im Studium Roger Waters und Richard Wright kennenlernte. Und weil später viele Leute mit Architektenausbildung für Pink Floyd arbeiteten. Unsere Bühnen waren ja immer aufwendig. Wenn wir dafür Ideen hatten, konnten wir das ziemlich präzise aufzeichnen. Architektur bietet überhaupt eine brillante Grundausbildung für jeden, der ins Rockgeschäft möchte.

einestages: Sie sammeln und fahren Rennwagen (YouTube-Video ). Half das auch in Ihrem Musikerleben?

Mason: Motorsport ist die perfekte Ergänzung für Rockmusiker - da gibt es wirklich gar keine Berührungspunkte. Wenn ich an den Drums sitze, bin ich Teil des Teams. Im Auto bin ich allein auf mich gestellt.

einestages: Als einziges Bandmitglied waren Sie auf jedem Pink-Floyd-Album dabei. Warum eigentlich?

Mason: Vermutlich weil ich der Drummer bin. Schlagzeuger haben selten Ambitionen, als Solisten groß rauszukommen. Man benötigt schon eine Band, deshalb sind wir wohl genügsamer.

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einestages: Roger Waters und David Gilmour haben sich ausgiebig gezankt, Sie galten stets als der entspannte Diplomat. Kommt das hin?

Mason: Ich war Diplomat aus der Not heraus, denn ich hatte immer Angst, dass uns die Band um die Ohren fliegt. Das wollte ich so lange wie möglich hinauszögern. Zudem gab es im Studio kaum Streit. Bei der Arbeit geht es nur um Musik, da haben wir uns ziemlich gut verstanden. Die Reibereien kommen doch erst, wenn jeder für sich darüber nachdenkt, wie es weitergehen könnte. Und wie wichtig er seine Rolle künftig sieht.

einestages: Erinnern Sie sich an den allerersten Pink-Floyd-Auftritt?

Mason: Das war 1966 im Roundhouse in London auf einer Einweihungsparty für das neue Underground-Blatt "International Times". Damals war das eine große Sache, für uns gewaltig. Vorher hatten wir nur auf Partys von Freunden in Privathäusern gespielt, im Roundhouse zum ersten Mal vor einem richtigen Publikum. So etwas vergisst man nicht.

einestages: Großes Lampenfieber?

Mason: Ich war unfassbar nervös und bin es bis heute vor Auftritten. Das gehört einfach dazu. Wer als Musiker vor einem Konzert nicht nervös ist, mit dem stimmt was nicht. Für gute Auftritte sollte man unter Adrenalin stehen.

einestages: Dass Sie nun mit der Band "Saucerful of Secrets" auf Tour gehen, kam überraschend. Was ist Ihr Motor?

Mason: Letztes Jahr gab es eine große Pink-Floyd-Ausstellung in London. Die Mitarbeit bereitete mir große Freude, aber bei den Interviews dazu kam ich ins Grübeln: Die ganze Zeit sprach ich über Dinge vor 40 Jahren. Da fühlte ich mich erstmals wirklich alt, wie ein Museumsexponat. In mir erwachte der Wunsch, wieder Musik zu machen. Timing ist alles - genau in dieser Zeit erreichte mich eine Mail, ob ich nicht Lust hätte, mal wieder aufzutreten. Auf Tournee spielen wir jetzt mit einer kuriosen kleinen Band die ganz frühen Pink-Floyd-Songs. Ich freue mich sehr.

einestages: Strenge Fans werden aufschreien, dass der legendäre erste Pink-Floyd-Frontmann Syd Barrett, der 2006 starb, durch den früheren Spandau-Ballett-Gitarristen Gary Kemp ersetzt wird.

Mason: Er wird nicht ersetzt! Es ist einfach eine andere Auslegung der Musik. Diese Konzerte sollen eine Feier von Syd Barretts Songs sein, wir führen viel von seiner Musik auf. Aber anstelle einer Syd-Kopie versuchen wir eher, den Zeitgeist jener Jahre zu beschwören und die Herangehensweise an Musik. Die Songs, in denen damals improvisiert wurde, improvisieren wir auch. Ich wollte vermeiden, eine Pink-Floyd-Tribute-Band zu sein, denn von denen gibt es genug.

einestages: Haben Sie sich mal eine dieser Coverbands angeschaut?

Mason: Ja, The Australian Pink Floyd Show und Brit Floyd - die waren erschreckend gut. Sie kopieren sogar meine Fehler. Mir wäre das aber zu wenig. Bei Musik geht's doch auch darum, etwas Eigenes zu schaffen. Ein Hauch von Originalität sollte im Spiel sein.

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einestages: Warum die frühen Songs aus den Sechzigerjahren?

Mason: Weil die kaum noch einer spielt. Roger und David nehmen für ihre Shows überwiegend das spätere Material, jede Pink-Floyd-Tribute-Band auch. Ich wollte mit all denen nicht in Konkurrenz treten: Wer spielt die beste Version von "Comfortably Numb" - das interessiert mich nicht.

einestages: Dachte ihre Familie, Sie haben den Verstand verloren, als Sie die Tour ankündigten?

Mason: Verblüfft waren sie schon. Die meinten, ich sei doch seit einem Vierteljahrhundert im Ruhestand. Tja, so kann man sich irren.

einestages: Erinnern Sie sich an den jungen Nick Mason, wenn Sie nun die ersten Pink-Floyd-Songs nach so langer Zeit wieder spielen?

Mason: So ist es tatsächlich. Lang verschüttete Erinnerungen kommen zurück. Besonders seltsam war es neulich, wieder in einem Pub aufzutreten. Dort gaben wir Probekonzerte mit der neuen Band, und in Pubs haben wir auch mit Pink Floyd mal angefangen. Ich spielte da und dachte: Ja, genau so war es vor 50 Jahren.

einestages: Roger Waters und David Gilmour sind beide mit Pink-Floyd-Shows unterwegs. Nun auch Sie. Kühne Idee: Warum treten Sie drei nicht einfach gemeinsam als Pink Floyd auf?

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Mason: Da fragen Sie den Falschen. Ich bin dazu jederzeit bereit. Wenn die anderen beiden mögen, bin ich am Start. Aber weil ich keine Lust habe, weitere Jahrzehnte zu warten, dass die sich bewegen, ziehe ich eben mit meiner eigenen Pink-Floyd-Show los.

einestages: Was sagen die beiden dazu?

Mason: Sie waren überrascht, haben mir aber Glück gewünscht.

einestages: Wie öde ist es für Sie eigentlich, immer wieder über Pink Floyd zu sprechen? Hängt Ihnen das nicht längst zum Hals raus?

Mason: Tatsächlich tut es das nicht. Ich erkläre gern, warum: Ich habe vieles nämlich auch längst vergessen und freue mich, wenn ich mein Gedächtnis quälen muss. Vor einer Weile hat mich meine Tochter überredet, bei einem Online-Quiz zu Pink Floyd mitzumachen. Durchgefallen bin ich zwar nicht, aber auch nicht über 50 Prozent der Punkte hinausgekommen. Bei der Hälfte der Fragen musste ich also passen - hätte ich nie gedacht. Es gibt also viel zu fragen, über das ich selber noch nachdenken muss.

Pink-Floyd-Ausstellung

Im Dortmunder Kulturzentrum "U" gastiert vom 15. September 2018 bis 10. Februar 2019 die multimediale Erlebnis-Ausstellung "The Pink Floyd Exhibition: Their Mortal Remains" - mehr Informationen hier. 

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