Playboy-Biografie Superheld im Häschenland

Dralle Blondinen und seidene Morgenmäntel: Auch im Alter von über 80 gab Hugh Hefner noch immer den Dandy vom Dienst. Warum nur? In einer 2009 erschienenen Biografie outete sich der "Playboy"-Erfinder als Super-Nerd, der sein Imperium aus Comics, Pulp-Magazinen und Filmen zusammenbastelte.

Playboy/Taschen Verlag

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Eigentlich ist es nur peinlich. Auch im Alter von 83 Jahren feiert sich Hugh Hefner in seinem Playboy-Mansion, einem schlossartigen Anwesen in Los Angeles, noch als potenter Herr der Häschen. Dabei erscheint der Erfinder des "Playboy" heute vielen nur noch als tattriger Lustgreis, der sich mit aller Gewalt an einem feuchten Traum von Männlichkeit klammert, während um ihn herum sein Königreich zerfällt. Der "Playboy" macht mittlerweile Miese im dreistelligen Millionenbereich und wird vermutlich noch im nächsten Jahr verscherbelt.

Warum nur hält er das Trugbild vom omnipotenten Dandy mit aller Kraft aufrecht, kokettiert in Interviews von seinem Viagra-Lifestyle, gibt sich in der TV-Dokusoap "The Girls Of The Playboy Mansion" als Granddaddy Cool und zwitschert seit neuestem sogar auf Twitter, wo diese Botschaften allerdings kaum nach einer endlosen Party klingen? "Heute Abend beim Uno-Spielen gewonnen" - Altersheim lässt grüßen.

Doch was treibt Hugh Hefner dazu, mit allen Mitteln zu versuchen, die Illusion eines Playboy-Lebens auch noch im hohen Alter aufrechtzuerhalten? Eine neue Autobiografie gibt spannende Einblicke in Hefs Welt - im Playboy-Stil, versteht sich.

Die Playboywerdung des Hugh Hefner

Seine Erinnerungen fasst der Bunny-Tycoon in nicht weniger als sechs leinengebundene Bände, jeder von ihnen bedruckt mit einem goldenen Hasenkopf, versehen mit bunten Marmorierungen im Sechziger-Jahre-Look an der Schnittkante und schwer wie das Telefonbuch von Berlin. Zusammen mit einem Faksimile der ersten "Playboy"-Ausgabe kommen die Wälzer in einem Schuber aus fingerdickem Plexiglas. In Zeiten von Kindle und Co. eine ebenso schöne wie altmodische Verneigung vor der Buchmacherkunst. Dabei nehmen Hefners Erinnerungen nur einen kleinen Teil der Bücher ein. Viel mehr zeigt sich der "Playboy"-Macher hier als fast besessener Archivar seiner eigenen Vergangenheit. Haufen von privaten Fotos und seitenweise Zeichnungen aus Kindertagen sind hier versammelt. Sie dokumentieren sein Leben von seiner Geburt 1926 bis zum Beginn des langsamen Niedergangs des "Playboy"-Imperiums 1979.

Den spannendsten Einblick in die Playboy-Werdung des Hugh Hefner gibt der erste Band. Er widmet sich den Kinder- und Jugendtagen der Männermagazin-Ikone, vor allem seiner überbordenden Begeisterung für Pulp-Magazine, Detektiv-, Science-Fiction- und Horrorgeschichten, Comics, Filme und Radio. Diese frühen Dokumente geben die tiefsten Einblicke in Hefners Welt: Denn beinahe alles was später seine erfolgreiche Publikation ausmacht, führt er in seinen Erinnerungen auf seine Leidenschaft für die popkulturellen Strömungen seiner Jugendzeit zurück. Damit offenbart er eine sympathische Wahrheit: Hefner war und ist ein hoffnungsloser Nerd, der mit unstillbarem Entdeckertrieb die Traumwelten der Populär- und Trashkultur, der dreißiger und vierziger Jahre durchwandelte. Ein Eklektiker, der sich seinen Lebenstraum aus Pulp-Magazinen, Hollywood-Filmen und Comicheften zusammengeklaubt hat.

Sein lebenslanges weibliches Schönheitsideal - stupsnäsige Blondinen mit aufreizenden Kurven - fand er schon früh in der Serie "Flash Gordon", die zwischen 1936 und 1940 produziert wurde. "Jean Rogers, die in der Serie Dale Arden spielte", schreibt Hefner in seinen Memoiren, "machte einen so tiefen Eindruck auf mich, dass ich mich noch immer von jungen Frauen angezogen fühle, die sind wie sie." Den Rabbit Head, das Markenzeichen des Playboy-Imperiums, ließ Hefner entwickeln, weil er fasziniert war von dem Phantom. Der Comicheld trug stets einen Ring mit Totenkopfsignet und unterzeichnete mit dem Logo seine Nachrichten. Und selbst Pfeife und seidener Morgenmantel, die unvermeidlichen und ein bisschen peinlichen Hefner-Accessoires, sind ein Zitat. Hefner ist ein großer Fan der Geschichten von Arthur Conan Doyle. Dessen Superdetektiv Sherlock Holmes trug zu Hause stets einen Morgenmantel und zog genüsslich an seiner Pfeife.

Unverhohlene Begeisterung für die Trash-Kultur

Doch der Junge Hefner verschlang all diese Einflüsse nicht nur mit geradezu rasender Begeisterung, er produzierte auch selbst wie im Rausch. Schon in der Grundschule begann er wie am Fließband Comics zu zeichnen. Er ließ sich dabei von frühen Superhelden wie Superman oder Will Eisners The Spirit inspirieren und nannte seine Kämpfer für das Gute Marvel Man, Metallic Man oder The Mystic. Wenig später fing er auch an, Kurzgeschichten zu schreiben. Inspiriert von Krimistorys wie Sax Rohmers "Das Geheimnis des Dr. Fu Manchu" (dem ersten Buch, das er aus der Schulbibliothek auslieh), Science-Fiction- und Horror-Geschichten schrieb er Storys mit Titeln wie "Movieland Monster", "Destruction Of The Solar System" und "When Dead Men Walk".

Auf der Highschool kamen dann das erste Mal all diese Interessen zusammen. Hefner gab sein erstes Magazin heraus. In "Shudder Club" veröffentlichte er seine Geschichten und Comics und frönte unverhohlen seiner Begeisterung für Trash-Kultur. "Auf der Highschool half mir die Schaffung meiner eigenen Welt in Form von Comics dabei, Annerkennung und Akzeptanz meiner Klassenkameraden zu gewinnen", resümiert er im Rückblick. "Auch wenn es mir damals nicht klar war, wollte ich mit dem Playboy im Grunde dasselbe erreichen."

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Hefner nahm den Kosmos in seinem Kopf und versuchte mit seiner Hilfe aber auch nach diesem Vorbild sein Leben zu gestalten. Kein Wunder, dass der Jungspund enttäuscht war, als er 1951 nach dem College einen Job in der Werbeabteilung des berüchtigten "Esquire" ergatterte. Zu dieser Zeit war es das größte Männermagazin der USA. Doch Hefner war irritiert: "'Esquire' war völlig anders, als ich es mir vorgestellt hatte", erinnert er sich beinahe entrüstet, "weit und breit keine Petty Girls. Es war ein stinknormaler Job."

Mit einem Fetzen Morgenmantel

So entschloss er sich dazu ein Magazin aufzubauen, bei dem es im Büro genau so zugeht wie im Heft selbst. Dabei Unterschied die erste "Playboy"-Ausgabe wenig von den Schülerzeitschriften, die er als Jugendlicher herausgegeben hatte. Neben dem berühmten Nacktfoto von Marilyn Monroe brachte er Comic-Strips und natürlich eine Geschichte seines Helden Sherlock Holmes - und hatte damit gigantischen Erfolg. Mit zunehmender Auflage wurde Hefner mehr und mehr zu einer Figur, wie er sie früher in seinen Geschichten beschrieben hatte. Er feierte wilde Partys mit den Mädchen aus seinem Magazin, kaufte sich schnelle Autos und das erste Playboy Mansion. "Die Pfeife. Der Smoking. Der Mercedes-Benz 300 SL", waren die "Requisiten", so Hefner, für seinen neuen Lebensstil als Herausgeber des berüchtigten Männermagazins.

So erschuf der "Playboy"-Erfinder zusammen mit dem Heft einen Helden, den das Kind Hugh Hefner sicher bewundert hätte.

Auch mit 83 Jahren hat der Kindskopf Hefner seine Leidenschaft für das Abseitige, den schrägen Humor und die Selbstinszenierung nicht verloren. Jeder seiner auf 1500 Exemplare limitierten Autobiografie liegt ein absurdes Kleinod bei: ein sieben mal sieben Zentimeter großer Fetzen von einem seiner seidenen Morgenmäntel - natürlich von Hefner selbst getragen. Ein kleines Stück seiner Superheldenkluft also. Auch das hätte dem jungen Hugh sicher gefallen.



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