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Playmobil vs. Play-Big: Ein Leben für die Plastikmenschen

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Playmobil vs. Play-Big Ein Leben für die Plastikmenschen

Playmobil oder Play-Big, das war die Frage. Zumindest für viele Kinder in den Siebzigern. Robert Bernat wusste schnell, auf welcher Seite er stand. Playmo musste es sein. Die Liebe seiner Freunde zum Konkurrenzprodukt war ihm ein stetes Rätsel - Jahre später konnte er es endlich lüften.

Es war Liebe auf den ersten Blick: Als ich zu meinem dritten Geburtstag das erste kleine blaue Päckchen mit Playmobil geschenkt bekam, war ich sofort im siebten Himmel. Playmobil war damals, Mitte der siebziger Jahre, das allerneuste auf dem Spielzeugmarkt. Die kleinen Plastikmännchen schafften es aus dem Stand auf die Wunschzettel-Topplatzierungen fast aller Kinder.

Es gab Figuren zu verschiedenen Themen: Zum Beispiel einen Bauarbeiter mit Kelle, Eimer, Leiter - und einer Kiste Bier. So sah sie damals noch aus, die Malocherrealität, welche via Playmobil ins Kinderzimmer geholt wurde. Neben den klassischen Arbeiterfiguren gab es auch noch eine zweite Welt im Reich der "Playmos" - die der Cowboys und Indianer. Für die interessierte ich mich jedoch nicht sonderlich. Das redete ich mir zumindest ein - vielleicht zeigte auch einfach die Gesinnung meiner Eltern unbewusst ihre Wirkung, die nicht viel von Gewehren hielten und daher das Cowboy-und-Indianer-Thema boykottierten. Wer weiß?

Ein Jahr nach meiner playmobilen Entjungferung waren endlich auch die ersten Playmo-Autos erhältlich. Zwar vorerst nur Pkw, also nicht die gigantische Fahrzeuge wie Feuerwehren und Krankenwagen, aber immerhin. Das ADAC-Auto sah sogar richtig gut aus und wurde das erste, echte Objekt meiner Begierde - wie verrückt sparte ich fortan mein Taschengeld, um mir möglichst bald den gelben Plastikengel leisten zu können.

Spielfiguren wie Sparschweine

Völlig im Schatten der damals entstehenden Playmobilwelt gelegen gab es damals jedoch noch ein weiteres Produkt, dass die Welt mit kleinen Plastikfiguren nachstellte: Play-Big - von der Firma, die auch das Bobbycar herstellte. Die Figuren waren etwas größer als die von Playmobil, wirkten aber seltsam aus der Proportion geraten.

Idiotisch war bei Play-Big vor allem die Befestigung der Hüte gelöst: Hatten die Playmos am Haaransatz einen Ring, auf den die Kopfbedeckung aufgesteckt werden konnte, besaßen Play-Big-Figuren einen Schlitz im Kopf, in dem Hüte Mittels eines Stiftes befestigt wurden. Play-Big-Figuren ohne Hut sahen deswegen immer aus wie Sparschweine - aus meiner Sicht völlig inakzeptabel.

Einziger wirklicher Pluspunkt des Play-Big-Universums waren die Autos. Wo bei Playmobil jede direkte Assoziation zu real existierenden Marken vermieden wurde, setzePlay-Big auf direkte Nachbauten und das war natürlich cool! Der Post-Lkw hatte einen richtigen, kleinen, silbernen Mercedes-Stern vorne drauf und auch noch das original Post-Logo. Zumindest in diesem Punkt konnten meine heißgeliebten Playmos nicht mithalten.

Gefühlte Überlegenheit des Playmo-Universums

Trotzdem fühlte ich mich mit meiner Playmobil-Austattung allen Play-Big-Spielkameraden haushoch überlegen. Vor allem an einem meiner Freunde ließ sich dieser gefühlte Vorteil auch tatsächlich belegen. Sowohl er als auch sein kleiner Bruder besaßen so ziemlich alles, was es in den Siebzigern an Spielzeug gab - Geld war in ihrem Elterhaus ganz offenkundig reichlich vorhanden.

Nur in einer Hinsicht waren sie ganz und gar nicht auf der Höhe des Geschehens: Diese beiden mit Spielzeug ohne Ende gesegneten Kinder besaßen keine einzige Playmobilfigur - dafür aber wirklich jeden Mist von Play-Big. Zufriedenstellen tat sie das offenkundig nicht: Die beiden kamen beharrlich immer zu mir nach Hause, um zu spielen - kein Wunder, mittlerweile war ich sogar stolzer Besitzer des brandneuen Playmobil-Piratenschiffes. Von Play-Big hingegen besaß ich nur eine einzige Figur - und die hatte ich von eben diesem Freund zum Geburtstag bekommen.

Damals habe ich mir nie Gedanken darüber gemacht, warum die beiden Brüder von ihren Eltern kein Playmobil geschenkt bekommen hatten. Am Geld konnte es ja nicht gelegen haben. Erst viele Jahre später erfuhr ich, dass der Vater der beiden als Rechtsanwalt für Play-Big tätig war. Letztinstanzlich unterlag Playmobil im Plagiatsprozess gegen Play-Big vor dem Bundesgerichtshof , der weder eine Geschmacksmuster- noch eine Urheberrechtsverletzung erkannte. Auf dem Markt allerdings setzte sich Playmobil durch, die Herstellung der Play-Big-Figuren wurde bald beendet.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es zunächst, dass Play-Big den Plagiatsprozess gegen Playmobil verloren habe. Wir haben den Fehler korrigiert.

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