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Das letzte Gericht - Schoko für den Filmstar, Milchreis für die Edelhure

Foto: Bettmann Archive/ Getty Images

Letzte Mahlzeiten von Prominenten Eine Kalorienbombe zum Schluss

Katharine Hepburn aß kurz vor ihrem Tod Brownies, Franz Josef Strauß Brathendl und Prince Fischcremesuppe - Richard Fasten hat ein Buch über finale Gerichte geschrieben. Darf man das?
Ein Interview von Katja Iken

François Mitterand ließ sich ein Abschiedsmahl nicht nehmen. Also lud der frühere französische Präsident, schwer krebskrank, die engsten Freunde zu Silvester 1995 in sein Landhaus ein. Auf Wunsch Mitterrands gab es Ortolane, grau-grüne Singvögelchen, deren Jagd und Verzehr in der Europäischen Gemeinschaft seit 1979 verboten ist.

Traditionell werden sie erst gemästet, dann langsam in Armagnac ertränkt, im Ganzen gebraten - und auch so verzehrt, inklusive Kopf und Knochen, Innereien und Füßen. Um Tischnachbarn den unappetitlichen Anblick zu ersparen, hüllt der Esser seinen Kopf in eine große Stoffserviette. Mitterands Freunde bekamen jeder einen Ortolan, er selbst aß gleich zwei davon. Etwas anderes rührte der Todgeweihte nicht mehr an, bevor er acht Tage später seinem Krebsleiden erlag.

So hat es Richard Fasten in seinem jetzt erschienenen Buch "Das letzte Gericht" beschrieben. Akribisch recherchierte der Autor und Journalist die letzten Momente sowie finalen Mahlzeiten von 59 Berühmtheiten. Manche von ihnen, etwa Heinrich von Kleist oder Ernest Hemingway, schieden freiwillig aus dem Leben und wählten bewusst aus, was sie zum Schluss aßen - andere wurden vom Tod überrascht. In beiden Fällen verrät die letzte Mahlzeit viel über die Person, so Fastens These.

SPIEGEL: Eine Zusammenstellung der Todesumstände und letzten Mahlzeiten Prominenter nebst Rezepten - ist das nicht makaber und geschmacklos?

Fasten: Wenn, dann ist es der Tod selbst, der makaber ist. Dabei geht er uns alle an und ist kein Thema, das man so einfach wegschieben kann. Deshalb sollten wir uns beizeiten damit beschäftigen.

SPIEGEL: Indem wir Steinpilz-Pasta kochen, die Sie "Aber bitte mit Sahne" getauft haben, weil sie Udo Jürgens kurz vor seinem Herztod aß? Oder Spinatsalat "King of Pop" à la Michael Jackson?

Fasten: Okay, ein Quäntchen schwarzer Humor schadet nicht. Aber der Tod birgt halt auch komische Aspekte: Liz Taylor etwa legte vor ihrem Ableben 2011 fest, dass ihr Sarg mit 15 Minuten Verzögerung zur Kirche gebracht werden soll, weil sie auch im Leben stets zu spät kam. Taylor veranlasste diesen Witz im Wissen darüber, dass sie die Pointe nicht mehr miterleben würde. Darüber darf man lachen.

SPIEGEL: Ist es Voyeurismus, sich für die letzten Tage, Stunden, Minuten Prominenter zu interessieren?

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Das letzte Gericht - Schoko für den Filmstar, Milchreis für die Edelhure

Foto: Bettmann Archive/ Getty Images

Fasten: Das ganze Leben dieser Menschen wurde in der Öffentlichkeit zelebriert, warum also nicht auch ihr Tod? Die Berühmtheit der Menschen habe ich als Vehikel dafür begriffen, die Angst in uns allen vor der eigenen Sterblichkeit zu besiegen. Indem wir Prominente auf ihren letzten Metern begleiten, können wir diese Furcht ein Stück weit ablegen. Wenn ich als Kind vor einer großen Aufgabe stand, stellte ich mir immer vor, dass der Papst auch mal aufs Töpfchen muss. Das ist doch genau der gleiche Mechanismus: Essen, Notdurft verrichten und sterben müssen wir alle.

SPIEGEL: Warum der kulinarische Fokus?

Fasten: Essen ist grundsätzlich positiv besetzt, geht jeden etwas an und erleichtert so den Zugang zu einem völlig zu Unrecht tabuisierten Thema. Außerdem esse und koche ich gern. Mein Buch soll auch dazu beitragen, dass die Menschen ihr eigenes Leben wieder mehr wertschätzen, den Moment genießen. Dass sie eben keine Tiefkühlpizza herunterschlingen, sondern jeden Tag ein bisschen so feiern, als könnte es ihr letzter sein.

SPIEGEL: Zum Tod haben Sie als Krimi-Autor schon von Berufs wegen ein entspanntes Verhältnis. Wie kam es ausgerechnet zu diesem Buch?

Fasten: Vor Jahren hat ein US-Gefängniskoch mal ein Buch mit Rezepten der Henkersmahlzeiten von zum Tode verurteilten Insassen veröffentlicht. Das fand ich richtig makaber.

SPIEGEL: Warum?

Fasten: Weil man die Menschen ja gar nicht kennt, sich also schwer mit ihnen identifizieren kann. Gut daran war allein die Idee, Tod und Essen zu verbinden.

SPIEGEL: Was hat Sie bei der Recherche besonders überrascht?

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Richard Fasten

Das letzte Gericht: Was berühmte Menschen zum Schluss verspeist haben: Was berühmte Menschen zum Schluss verspeist haben. Mit Rezepten

Verlag: bebra verlag
Seitenzahl: 240
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Fasten: Nehmen Sie etwa den Schauspieler Dirk Bach, eigentlich Vegetarier. Warum in aller Welt bestellte er an seinem Todestag nicht, wie sonst üblich, Spaghetti mit Tomatensoße, sondern ein Rinderfilet "Madagaskar"? Das Restaurant hat das Gericht mittlerweile übrigens von der Karte genommen. Bei Liberace wiederum, dem klunker- und pelzaffinen US-Entertainer, hätte ich gedacht, dass er sein Leben lang Blattgold aß. Und dann lässt er sich zum Schluss von seinem Leibkoch einen profanen Grießbrei zubereiten.

SPIEGEL: Enthüllt das finale Gericht bislang unbekannte Seiten der Prominenten?

Fasten: Auf jeden Fall räumt es oft mit Klischees auf. James Dean aß keinen Burger mit Bier, bevor es ihn aus der Kurve trug, sondern gedeckten Apfelkuchen. Und die große Diva Marlene Dietrich genoss eine schlichte Hühnersuppe.

SPIEGEL: Die bizarrste letzte Mahlzeit?

Fasten: Hat sich sicherlich der französische Ex-Präsident François Mitterand ausgedacht. Er organisierte seinen eigenen Leichenschmaus und ließ Ortolane servieren, kleine Singvögel.

SPIEGEL: Politiker kommen bei Ihnen schon vor, aber keine Diktatoren.

Fasten: Ich wollte nicht, dass sich Neonazis versammeln und gemeinsam Hitlers Henkersmahlzeit nachkochen.

SPIEGEL: Die da wäre?

Fasten: Nudeln mit Tomatensoße. Das geht zumindest aus den 2017 zutage geförderten Briefen seiner Leibköchin Constanze Manziarly hervor.

SPIEGEL: Gab es Prominente, deren letztes Mahl sich partout nicht recherchieren ließ?

Fasten: Gescheitert bin ich etwa an Uwe Barschel, über den man so vieles weiß - dieses Detail aber nicht. Oder Romy Schneider: Ich habe drei Biografien über sie gelesen und es trotzdem nicht herausbekommen. Fest steht, dass sie vor ihrem Tod 1982 mit einem befreundeten Ehepaar in Paris ein Fischrestaurant aufsuchte.

SPIEGEL: Wenn Sie sich Ihr finales Gericht selbst aussuchen dürften, welches wäre das?

Fasten: Seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit der Herstellung von Käse, vor allem Rohmilchkäse. Ich würde mir vermutlich eine opulente Käseplatte zusammenstellen. Mit Sorten, die lange, lange reifen müssen - so könnte ich den Tod noch ein klein wenig aufschieben. 

Franz-Josef Strauß liebte es rustikal und schied nach dem Genuss von Brathendl und Dampfnudeln aus dem Leben. Der Schriftsteller Ernest Hemingway aß ein New York Strip Steak mit gebackener Kartoffel und Sour Cream, bevor er sich mit seiner Lieblingsflinte erschoss. In der Fotostrecke finden Sie die finalen Gerichte berühmter Personen - von Che Guevara über Liz Taylor bis zu Freddie Mercury.

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