Reichstagsbrand 1933 Aufsehenerregendes Geständnis des SA-Manns wohl nur wenig wert

Der Expertenstreit, wer 1933 den Berliner Reichstag anzündete, dauert an. Über einen geständigen SA-Mann liegen nach SPIEGEL-Informationen psychiatrische Gutachten vor. Sie lassen an seiner Glaubwürdigkeit zweifeln.

Reichstagsbrand am 27. Februar 1933
BPK

Reichstagsbrand am 27. Februar 1933


Das aufsehenerregende Geständnis eines SA-Manns, in den Reichstagsbrand 1933 verwickelt gewesen zu sein, ist wohl nur wenig wert. Nach Angaben von Ärzten war dieser Hans-Martin Lennings ein Psychopath.

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Heft 49/2019
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Eine eidesstattliche Versicherung von Lennings aus dem Jahre 1955 hatte diesen Sommer weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Das bis dahin unbekannte Dokument schien den erbitterten Expertenstreit um die Brandstifter zu beenden. Die meisten Wissenschaftler glauben, der niederländische Anarchokommunist Marinus van der Lubbe habe das Parlamentsgebäude am 27. Februar 1933 angesteckt. Andere vertreten die These, die Nazis stünden hinter der Tat; Lennings' Geständnis schien diese Annahme zu bestätigen.

Doch es liegen zwei psychiatrische Gutachten zu Lennings vor, wie der SPIEGEL berichtet. Demnach litt der SA-Mann an Erinnerungsverlust, epileptischen Anfällen, Angststörungen. Sein Gehirn war schwer geschädigt, was die Gutachter auf Kopfverletzungen zurückführten. Reichskanzler Adolf Hitler hatte die Kommunisten der Brandstiftung bezichtigt und den Brand zum Anlass genommen, die Grundrechte abzuschaffen und damit den Terror zu legalisieren.

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insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
Frank Weiß, 03.12.2019
1. Was soll das?
Jedem, der einigermaßen bei Sinnen ist, muss doch klar sein, dass der Reichstagsbrand nicht das Werk eines einzelnen, verwirrten, gestörten Attentäter sein kann. Der auch noch sich am Tatort fangen lässt... SCHUHE+KNEIFZANGE sag ich nur...
Hans-Gerd Wendt, 03.12.2019
2. Unverständnis
Der SPIEGEL stand schon ziemlich unter Beschuss, seit das Geständnis des SA-Mannes bekannt ist. Die Zeitung steht eindeutig auf Seiten derjenigen, die den Holländer als Täter sehen wollen. Wollen! Denn ungeachtet aller Logik und den Hintergründen scheint es immer noch eine große Zahl von "Historikern" zu geben, die die Auffassung der Nazis teilt. So kommt es dann sehr gelegen, wenn an der Glaubwürdigkeit des besagten SA-Mannes gerüttelt werden kann! Und dies auch noch an prominenter Stelle! Zweifelt eigentlich niemand an der Glaubwürdigkeit der Nazijustiz, die letztlich van der Lubbe und damit die Kommunisten verantwortlich machte? Im Prozess gegen den Holländer wurde zumindest das Konstrukt einer kommunistischen Verschwörung von Dimitroff zerpflückt. Übrig blieb nur der arme, anschließend hingerichtete Marinus van der Lubbe. Allein in seinem Gedenken sollte endlich akzeptiert werden, dass es die Faschisten selber waren, die aus allerbesten Gründen den Reichstag anzündeten.
Thomas Kreß, 03.12.2019
3. Unglaubwürdig
Da wird Martin Lennings noch heute unglaubwürdig gemacht. alte Spiegellinie aus den 1960gern?
Steffen Glavanitz, 03.12.2019
4.
Ich gewinne immer mehr den Eindruck, SPON will die Naziherrschaft in ein gutes Licht rücken. War doch alles nicht so schlimm und die Anderen waren Schuld. AFD lässt grüßen.
Mark Freese, 03.12.2019
5. ???
Das die meisten Wissenschaftler davon ausgehen sollen, Marinus von der Lubbe habe den Reichtagsbrand gelegt, ist eine ziemlich steile These. Das Urteil gegen ihn wurde 2007 endgültig aufgehoben. Ob er beteiligt bzw wer verantwortlich war, bleibt im Dunkeln. Dass er es alleine durchgeführt haben soll, ist nahezu ausgeschlossen. Und die Wahrscheinlichkeit dafür, dass er nur ein Instrument für einen Schauprozess war, ist nicht gerade gering. Profitiert haben nur die Nazis.
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