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Reporter Edward R. Murrow: Wahrheit als Waffe

Reporter Edward R. Murrow Wahrheit als Waffe

Hollywood-Star George Clooney setzte ihm in "Good Night, and Good Luck" 2005 ein Filmdenkmal. Der US-Journalist Ed Murrow demontierte mit seiner Sendung in den Fünfzigern den Kommunistenjäger Joseph McCarthy.
Von Hans-Jörg Michaelsen

Persönlicher Mut und messerscharfer Verstand waren seine Markenzeichen: 1940 wurde der aus einem kleinen Ort in North Carolina stammende Farmerssohn der bekannteste Radioreporter des Zweiten Weltkriegs. Als 32-jähriger Korrespondent der CBS, der großen amerikanischen Rundfunkgesellschaft, versorgte Edward R. Murrow Amerika mit Nachrichten aus England, die er stets mit: "This ... is London" einleitete. Sobald die Luftschutz-Sirenen heulten, stieg er auf den Dachboden der Kirche St. Martin-in-the-Fields am Trafalgar Square und berichtete von dort aus über "The German Blitz". Wenn in amerikanischen Wohnstuben das Krachen der Bombeneinschläge seine Reportagen untermalten, glaubten seine Hörer, selbst dabei zu sein. Als die Vereinigten Staaten 1941 in den Krieg eingriffen, nahm Murrow unerschrocken an Bombenangriffen der Air Force und an Einsätzen britischer Minensuchboote teil.

1945 schockierte seine Reportage über die Befreiung des KZ Buchenwald seine Landsleute. Er schilderte ihnen live den Anblick der Leichenberge, "aufgestapelt wie Holzscheite". Der entsetzte Funk-Profi schloss seine Reportage mit den Worten: "Falls ich Sie mit dieser eher zurückhaltenden Darstellung von Buchenwald verstört habe, tut es mir nicht im Geringsten leid."

Gegen den Kommunistenjäger McCarthy

Murrow erkannte früh die Möglichkeiten des Fernsehens und wechselte das Medium. Auch hier blieb er seinem Arbeitsethos treu: Er wollte für den Truckfahrer verständlich sein und den Professor nicht unterfordern. Wer sich auf eine Bildschirmdiskussion mit ihm einließ, konnte enorm an Popularität zulegen - oder war für immer erledigt.

Das zeigte sich, als Murrow den Senator von Wisconsin, Joseph McCarthy, öffentlich in die Schranken der Demokratie wies. Seine legendäre Sendung aus der Reihe "See It Now" im März 1954 befasste sich mit dem gefürchteten Kommunistenjäger, der 1952 den Vorsitz des Kongressausschusses für "unamerikanische Umtriebe" übernommen hatte. Vor dem Gremium mussten sich im Lauf der Jahre unzählige Vertreter des öffentlichen Lebens rechtfertigen. Charlie Chaplin ebenso wie Gary Cooper, Arthur Miller, Leonard Bernstein und Thomas Mann. Auch der Emigrant Bertold Brecht sollte hier beweisen, dass er kein Staatsfeind war. Ein französischer Journalist berichtete damals, auf ihn habe es so gewirkt, als sei "ein Zoologe Gefangener von Affen" geworden.

Als Murrows Team mit seinem souveränen Moderator 1954 über einen Marine-Piloten berichtete, der vom Militär entlassen worden war, weil er sich geweigert hatte, seine Verwandten als Kommunisten zu denunzieren, war das Maß voll. Murrows Sendung trug entscheidend dazu bei, dieser ideologischen Hexenjagd und dem als Patriotismus getarnten Kontrollwahn ein Ende zu bereiten.

Die Sendung, die McCarthy demontierte, enthielt fast ausschließlich Aufnahmen von ihm selbst: Wie er seine üblichen Anschuldigungen erhob, Politiker und Professoren des Hochverrats bezichtigte und Zeugen beschimpfte. Seine Methode, Gegner durch Verdächtigungen einzuschüchtern, hatte nun die entgegengesetzte Wirkung. Die öffentliche Meinung in den USA richtete sich gegen den machtbesessenen Senator und löste die Bruchlandung seiner politischen Laufbahn aus.

Im Dienst der amerikanischen Politik

1961 bat Präsident John F. Kennedy ihn, die Leitung des Informationsamtes, der US-Behörde für Öffentlichkeitsarbeit, zu übernehmen. Damit wurde Murrow zum Chef von 10.000 US-Beamten in aller Welt und tauschte seinen einträglichen TV-Job gegen eine Beamtenposition, die mit weniger als Hunderttausend Dollar dotiert war.

Doch gesundheitliche Beschwerden machten der neuen Karriere bald ein Ende. Der starke Raucher musste sich einer schweren Lungenoperation unterziehen und sein einflussreiches Staatsamt aufgeben. Am 27. März 1965 starb Edward R. Murrow mit 57 Jahren an Lungenkrebs in seinem Haus in Pawling, New York. Noch zwei Monate vor seinem Tod hatte Königin Elisabeth II. ihn mit dem Titel "Honorary Knight Commander" ausgezeichnet.

Eine Ikone des Journalismus

Auf dem Höhepunkt seiner Karriere war Ed Murrow der unangefochtene Star beim Mediengiganten CBS mit einem Jahresgehalt von mehr als 1 Million US-Dollar. Von seiner Popularität zeugen heute allein fünf verschiedene Journalistenpreise, die in den USA vergeben werden und seinen Namen tragen.

Mit dem Film "Good Night, and Good Luck" hat George Clooney 2005 dieser Ikone des TV-Journalismus ein Denkmal gesetzt. Murrows Charisma, sein Einsatz für Menschenrechte und Pressefreiheit und das Ausmaß seiner öffentlichen Wirkung wurden dadurch noch einmal einem großen Publikum vor Augen geführt.