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Mythos vom »geplanten Tod« Was geschah wirklich in den Rheinwiesenlagern?

Viele deutsche Kriegsgefangene hungerten und froren 1945 in den Rheinwiesenlagern. Die Alliierten hätten dort eine Million Menschen absichtlich sterben lassen, behaupten Rechtsradikale. Diese Legende ist längst widerlegt.
aus SPIEGEL Geschichte 3/2022
Unter freiem Himmel: In den Lagern bei Remagen waren im Frühjahr 1945 rund 300.000 Deutsche eingesperrt und lebten wochenlang ohne Dach über dem Kopf in Erdlöchern. Anfangs war Nahrung knapp und der Hunger groß, dann besserte sich die Versorgungslage.

Unter freiem Himmel: In den Lagern bei Remagen waren im Frühjahr 1945 rund 300.000 Deutsche eingesperrt und lebten wochenlang ohne Dach über dem Kopf in Erdlöchern. Anfangs war Nahrung knapp und der Hunger groß, dann besserte sich die Versorgungslage.

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Leone / ullstein bild

Am 13. November 2021 zogen rund 50 Männer und wenige Frauen durch die Kleinstadt Remagen. Einige hielten schwarze Flaggen in die Höhe, andere trugen einen Trauerkranz mit roten Blumen. Drei Männer an der Spitze der Gruppe präsentierten ein Banner mit der Aufschrift: »Rheinwiesenlager. Eine Million Tote rufen zur Tat.«

Im Protestzug liefen bekannte Rechtsradikale vorwiegend aus Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Angemeldet hatte die Demonstration ein Funktionär der Partei »Die Rechte«, auch Mitglieder der NPD waren gekommen. Die Organisatoren behaupteten, anlässlich des Trauermonats November der deutschen Kriegsgefangenen zu gedenken, die 1945 in Remagen und anderen Lagern entlang des Rheins umgekommen waren.

SPIEGEL GESCHICHTE 3/2022

Kriegsgefangenschaft: Die vergessenen Soldaten des Zweiten Weltkriegs – wie das Trauma bis heute nachwirkt

Hunger, harte Arbeit und Todesangst dominierten den Haftalltag der etwa 35 Millionen Kriegsgefangenen im Zweiten Weltkrieg, unter ihnen mehr als elf Millionen Deutsche. Die letzten kehrten erst Mitte der Fünfzigerjahre heim – oftmals gebrochen an Körper und Seele. Die aktuelle Ausgabe von SPIEGEL GESCHICHTE erzählt, warum ihre Traumata in den Familien bis heute nachhallen, welche Qualen Inhaftierte in deutschen Lagern durchlitten, wie intensiv sich die noch junge Bundesrepublik für verurteilte Kriegsverbrecher einsetzte.

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Doch machte ihr Transparent deutlich, dass die Trauer nur ein Vorwand war, um einen Verschwörungsmythos zu verbreiten. Auf den Rheinwiesen, so die Behauptung, habe die US-Armee absichtlich eine Million Kriegsgefangene sterben lassen.

Diese Behauptung ist unter Rechtsradikalen beliebt. Eine Website verbreitet vermeintliche Beweise für die Opferzahl. 2020 berichtete der Leiter der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten, dass bei Führungen Gäste auftauchten und nach den Rheinwiesen fragten . Sie relativierten die NS-Verbrechen just an einem der Orte, an dem sie geschehen waren. Die Botschaft: Die Alliierten waren schlimmer als Hitler.

Doch was passierte wirklich im Frühjahr und Sommer 1945 auf den Rheinwiesen? Warum wurden ausgerechnet diese Gefangenenlager zum Gegenstand eines Verschwörungsmythos? Und wie hängt die Mär vom »geplanten Tod« der Inhaftierten mit einem kanadischen Romanautor zusammen?

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