Dokumente des Secret Service Als Nixon in Russland gefährlicher Strahlung ausgesetzt war

Mitten im Kalten Krieg reiste der damalige US-Vizepräsident Richard Nixon 1959 nach Moskau. Was er nicht wusste: Er wurde dabei nicht nur abgehört, sondern auch bestrahlt. Schlimmeres hat wohl ein Bluff seiner Leibwächter verhindert.
Richard Nixon (r.) und der damalige Erste Sekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, Nikita Chruschtschow

Richard Nixon (r.) und der damalige Erste Sekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, Nikita Chruschtschow

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Richard Nixon und seine Frau Pat waren 1959 während ihres Aufenthalts in der Residenz des US-Botschafters in Moskau einer potenziell schädlichen Dosis von ionisierender Strahlung ausgesetzt. Das geht aus freigegebenen Dokumenten des US-Geheimdienstes Secret Service hervor. Zunächst hatte unter anderem der »Guardian«  berichtet.

Der damalige Vizepräsident der USA wusste von der Gefahr allerdings nichts. Laut dem Bericht des Secret Service entschieden der damalige US-Botschafter in Moskau und ein Mitglied aus Nixons Delegation, den späteren Präsidenten der USA nicht über den Vorfall zu informieren.

William Burr von der Forschungs- und Archivierungseinrichtung National Security Archive  in Washington hatte die Dokumente angefragt und ist einer der Co-Autoren des Berichts über den Vorfall auf der Website des Archivs. Burrs Meinung nach verdient »diese ungewöhnliche und praktisch unbekannte Episode des Kalten Krieges« mehr Aufmerksamkeit.

Bis heute ist nicht klar, wodurch die Strahlung ausgelöst worden ist.

Ein Bluff sorgte offenbar für Ende der Bestrahlung

Beendet wurde die Strahlung laut den lange geheimen Unterlagen wohl erst durch einen Bluff der Agenten des Secret Service: Die Personenschützer beschwerten sich in der Unterkunft offenbar lauthals über die schmutzigen Tricks der Sowjets. Danach soll die gemessene Strahlung gesunken sein.

»Wir setzten uns auf die Betten und schimpften lauthals über die Russen, dass sie so einen Trick abziehen würden, und fragten uns, warum sie uns für dumm verkaufen würden, und fragten uns gegenseitig, ob sie glaubten, dass sie damit durchkommen würden«, sagte der damalige Agent des Secret Service, James Golden.

Golden war es auch, der 1976 dafür verantwortlich war, dass die Geschichte an die Öffentlichkeit kam, bevor sie nun mehr als vierzig Jahre später offiziell bestätigt wurde. Golden gab damals zu Protokoll, dass vom Secret Service versteckte Messgeräte in und um die Schlafräume der Nixons erhebliche Strahlungswerte gemessen hatten.

Ihm sei später vom Außenministerium mitgeteilt worden, dass er einer »massiven Dosis« ionisierender Strahlung ausgesetzt war, die von einer Atombatterie erzeugt worden sei. Diese sei von sowjetischen Spionen benutzt worden, um in dem Gebäude versteckte Abhörgeräte zu betreiben. Der 2011 verstorbene Golden bezweifelte diese Aussagen jedoch.

Richard Nixon während einer Debatte mit Nikita Chruschtschow

Richard Nixon während einer Debatte mit Nikita Chruschtschow

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Er wies die Experten nach eigener Aussage darauf hin, dass die Strahlung aufgehört hatte, als er im Gebäude war, sodass niemand hätte eindringen und die Batterien entfernen können. Er kam zu dem Schluss, dass das Außenministerium ihm gegenüber nicht ehrlich war.

Ionisierende Strahlung ist definiert als Energie, die ausreicht, um Zellen zu schädigen und die DNA zu verändern. Die 1959 im Haus des US-Botschafters gemessene Strahlung lag bei 15 Röntgen pro Stunde, kein tödlicher Wert, aber die zulässige Norm für die berufliche Exposition in den USA lag damals bei 5 Röntgen pro Jahr.

svs
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