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Brian Jones: Sympathy for the Devil

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Rolling-Stones-Gründer Brian Jones Der Tote im Pool

Er war der Kopf und "Bad Boy" der Stones. Am 2. Juli 1969 ertrank Gitarrist Brian Jones unter mysteriösen Umständen in seinem Landhaus. Nur 25 Tage zuvor hatte die Band das irrlichternde Genie gefeuert.

Er lag am Grund des Swimming Pools. Bewegungslos. Als eine Freundin ihn sah, lief sie schreiend ins Haus zurück, um Hilfe zu holen. Die gruselige Szene war in Flutlicht getaucht, kurz vor Mitternacht am 2. Juli 1969. Eine Krankenschwester versuchte, Brian Jones wiederzubeleben - vergeblich. Der Gründer der Rolling Stones war tot. Ruiniert vom Ruhm. Das Boulevardblatt "Daily Mirror" erschien mit der Schlagzeile: "Drinks and Drugs Killed Brian Jones". Nur 27 Jahre alt war er geworden.

Geboren wurde Brian Jones am 28. Februar 1942 als Sohn eines Flugzeugingenieurs und einer Klavierlehrerin in der südwestenglischen Kleinstadt Cheltenham. Er wuchs im Wohlstand auf und wurde auf einer Privatschule schnell zum Außenseiter, weil er als Asthmatiker kein guter Sportler war. Wegen seiner Gesundheitsprobleme schenkte ihm seine Mutter, enthusiastische Musikerin und Sängerin, eine Klarinette.

Bald interessierte ihn Musik mehr als alles andere, zunächst Jazz, dann Rock'n'Roll und Blues. Nach der Musik kamen die Mädchen. Jones war erst 15, als er zum ersten Mal eine Schülerin schwängerte. Die Affäre wurde geheim gehalten, das Kind zur Adoption freigegeben. Auch bei der nächsten Schwangerschaft verfuhren die Eltern so, wie der britische Journalist Paul Trynka in seinem starken Buch "Sympathy For The Devil" schreibt.

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Brian Jones: Sympathy for the Devil

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"Was Frauen angeht", sagt darin der Londoner Schriftsteller Barry Miles über Jones, "hatte er eine schreckliche Einstellung. Doch das war damals nicht ungewöhnlich." Der Kleinstadt-Macho begann Slide-Gitarre zu spielen, inspiriert von US-Bluesmusiker Elmore James, war bei mehreren Bands und Sessions dabei, entdeckte den Blues-Gitarristen Robert Johnson, der 1938 im Alter von 27 Jahren gestorben war und sein Vorbild wurde.

Jones begann eine Optikerlehre, brach sie bald ab und jobbte als Müllmann. Schließlich zog er dorthin, wo die Musik spielte: nach London. Im Frühjahr 1962 tauchte er im Ealing Jazz Club auf, den der Musiker Alexis Korner in West-London aufgemacht hatte. Korner war Sohn eines jüdischen österreichischen Offiziers und einer Griechin, er wurde zum Vater des weißen Blues. Bei ihm fanden sich Musiker wie Eric Clapton oder Jack Bruce ein.

Der Bad Boy war Chef der Band

Im Club, der höchstens 200 Leute fasste, traf Jones einen Schlagzeuger namens Charlie Watts. Im April 1962 stellte Korner ihm zwei junge Männer vor: Mick Jagger und Keith Richards aus Dartford waren ebenso verrückt nach Blues wie Brian Jones.

"Brian war damals, musikalisch gesehen, der Kopf der Gruppe", sagte Alexis Korner später dem Buch "Die Rolling Stones" zufolge, einem Band-Porträt von Hans-Ulrich Prost und Gerd Röckl. Die jungen Musiker übten wie verrückt Covers von Blues-Klassikern und träumten davon, von ihrer Musik leben zu können. Der erste Auftritt war ein Desaster, es kamen nur zwei zahlende Gäste, dafür bewarfen Hooligans aus der Nachbarschaft das Haus, damit Schluss sei mit dem Lärm.

Als Bill Wyman Anfang 1963 als Bassist dazukam, war die Band komplett. Jones gab ihr den Namen Rolling Stones, nach einem Song des schwarzen Bluesmusikers Muddy Waters: "Rollin' Stone".

"Er wirkte unausgeglichen, mit sich und der Welt unzufrieden und konnte in einem Moment herzlich, im nächsten widerlich und brutal sein", sagte Alexis Korner über Jones, "einmal wollte er sogar den Besitzer eines Klubs, in dem wir spielten, verprügeln." Im Frühjahr 1963, so Korner, "begann eine Karriere, die nur wenige Menschen machen und verkraften können".

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Mitte 1963 erschien die erste Stones-Single "Come on", den Song für die zweite spendierten John Lennon und Paul McCartney von den Beatles den Kollegen, die noch keine eigenen Nummern schrieben: "I Wanna Be Your Man." Ihren ersten Nummer-1-Hit hatten die Stones mit "It's All Over Now" im Juli 1964.

Brian Jones sah sich als Chef der Band und war es auch. Der Junge mit der blonden Mähne und dem Pagenschnitt sah am besten aus. Mick Jagger war eifersüchtig, weil Jones mehr Erfolg bei den Groupies hatte. Ein Evil Genius. Und für die Stones war es leicht, als Bürgerschreck zu reüssieren. Mal bekamen sie in Bristol kein Mittagessen, weil sie keine Krawatten trugen, mal forderte der Vorsitzende der Vereinigung britischer Herrenfriseure einen Zwangsschnitt für die Langhaarigen.

Sex and Drugs and Rock'n'Roll

Bei den Konzerten fielen reihenweise Mädchen in Ohnmacht, Jungs randalierten. Als die Stones in West-Berlin spielten, zerlegten Fans die Waldbühne. Im August 1965 erschien die Single "I Can't Get No Satisfaction", eine Hymne für die rebellische Jugend der Sechzigerjahre. Jetzt waren die Stones Stars und wurden in kurzer Zeit Millionäre.

Das deutsch-italienische Model Anita Pallenberg begleitete nach einem Konzert in München Brian Jones in sein Hotelzimmer und wurde seine glamouröse Gefährtin. Sie nahmen Drogen, mehr und mehr, erst Cannabis, dann viel LSD. Alkohol war ohnehin dabei. Bei einem Fototermin des Paares trug Jones eine SS-Uniform mit Hakenkreuz-Armbinde.

Musikalisch gesehen war Brian zunächst der Talentierteste und Vielseitigste der Band. Er suchte und fand ständig neue Sounds und Instrumente, die er in kürzester Zeit zu spielen lernte: Marimba, Blockflöte, Sitar, Cembalo, Zither und Harfe.

Schlagzeuger Charlie Watts sagte in der Dokumentation "Crossfire Hurricane " von 2012: "Er hat mir immer ein bisschen leidgetan. Er war nicht besonders nett, nicht besonders liebenswürdig." Jones war krankhaft eifersüchtig, stritt sich immer häufiger mit Anita, brach sich bei einer Schlägerei mit ihr einen Finger und konnte zwei Monate lang kein Instrument spielen. Pallenberg lief zu Keith Richards über, mit dem sie später drei Kinder hatte; unterdessen hatte Mick Jagger eine leidenschaftliche Affäre mit Marianne Faithfull, dem umwerfenden Supergroupie aus London.

Jones verschwand langsam aus dem Rampenlicht und aus der Welt der Rolling Stones, die Führung übernahmen Jagger und Richards. Jones erschien immer seltener zu den Proben oder Aufnahmen; kam er doch, war er mit Drogen aller Art zugedröhnt. Die anderen versuchten ihn zu integrieren. Jones sah sich allerdings als Blues-Mann, dem die Musik der Band zu kommerziell wurde.

Tod kurz nach dem Rauswurf

Im Kühlschrank seines Londoner Apartments fand sich manchmal nichts zu essen, umso mehr flüssige Methamphetamine. Jones hatte paranoide Schübe und fürchtete, das Stones-Management wolle ihn töten. Schließlich landete er in einer Entzugsklinik. Zudem erhielt er dafür, dass er Cannabis-Konsum in seiner Wohnung geduldet habe, eine einjährige Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Im November 1968 kaufte er die Cotchford Farm in Hartfield, südlich von London. Sie hatte einmal Alan Alexander Milne gehört, Autor der berühmten Winnnie-the-Pooh-Bücher. Am 8. Juni 1969 fuhren Mick Jagger, Keith Richards and Charlie Watts hin, um Brian Jones seine Entlassung aus der Band mitzuteilen. Der Gründer sollte immerhin weich fallen, eine Abfindung und eine jährliche Gewinnbeteiligung bekommen, solange die Gruppe existierte. Jones nahm den Rauswurf angeblich äußerlich gelassen hin.

Als nunmehr Ex-Rolling-Stone sprach er kurz darauf mit John Lennon, Kopf der sich auflösenden Beatles, über mögliche Projekte; die meiste Zeit verbrachte er in seinem Landhaus. Mick Jagger sagte später über ihn: "Er war nicht für Ruhm geeignet." Keith Richard erinnerte sich, dass er bei der Nachricht vom Tod von Brian Jones gedacht habe: "Finally".

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Paul Trynka

Sympathy For The Devil: Die Geburt der Rolling Stones und der Tod von Brian Jones

Verlag: Hannibal Verlag
Seitenzahl: 368
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Der Gründer der Rolling Stones wurde am 10. Juli 1969 in seiner Geburtsstadt Cheltenham begraben, ein paar Schritte von der Kirche entfernt, wo er als Junge im Chor gesungen hatte. Mehrere Hundert Trauergäste kamen, in der Mehrheit Frauen. Und natürlich die Rolling Stones. Ihr Management hatte dafür gesorgt, dass der Sarg mit einer großen Gitarre aus Blumen geschmückt war.

Seine Freundin, die schwedische Tänzerin Anna Wohlin, beschwor später, umgebracht habe ihn Frank Thorogood, der das Landhaus für Jones umbaute. Der Baumeister soll dies auch 1993 auf dem Sterbebett gestanden haben. Die Polizei indes stufte Jones' Tod als "Unfall" ein und schloss die Akte auch nach einer Überprüfung 2009. Dennoch kursieren bis heute verschiedenste Verschwörungstheorien über einen angeblichen Mord. Überzeugend ist keine davon.

Die Stones gedachten ihres Gründers zwei Tage nach seinem Tod zu Beginn eines Umsonst-Konzerts im Londoner Hyde Park. Mick Jagger, ganz in Weiß, las aus einem Gedicht des Romantik-Dichters Percy Shelley:

"Peace, peace!
He is not dead, he does not sleep,
He has awakened from the dream of life"